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Vom Untergrund in die Favela – Buchvorstellung mit Lutz Taufer

Von der RAF zum Weltfriedensdienst: Das Leben Lutz Taufers gleicht einer Suchbewegung, in der das gesamte Terrain der westdeutschen radikalen Linken vermessen wird.

Rebellion gegen die verkrusteten Verhältnisse der Adenauerära in der badischen Provinz, 1968 in Freiburg, Basisgruppe Politische Psychologie in Mannheim, Sozialistisches Patientenkollektiv in Heidelberg, Mitglied des Kommandos Holger Meins der RAF, 20 Jahre Haft, ein Dutzend Hungerstreiks bis an den Rand des Todes, nach der Freilassung ein Jahrzehnt Basisarbeit in den Favelas von Rio de Janeiro, heute im Vorstand des Weltfriedensdienstes. Ein herausragendes Dokument der Zeitgeschichte.

Veranstalter*innen: Informationsstelle Lateinamerika (ila) und der Verein zur Förderung politischer Bildung & Kultur e.V.

Buchbesprechung in der ila 409 Oktober 2017

Zwischen Deutschland und Brasilien
Die Erinnerungen des ehemaligen RAF-Mitglieds Lutz Taufer

...  Unter dem Titel „Über Grenzen – Vom Untergrund in die Favela“ hat nun Lutz Taufer, einer der damaligen Gefangenen aus der RAF, seine Lebenserinnerungen vorgelegt. Zunächst schildert der 1944 Geborene seine Kindheit und Jugend in Karlsruhe. In den vierziger und fünfziger Jahren waren die Nachwirkungen des Faschismus im Stadtviertel und der Schule noch allgegenwärtig. Weil sein Vater sich dem Kriegsdienst durch einen selbst herbeigeführten Unfall entzogen hatte, wurde die Familie von einigen Nachbarn kritisch beäugt, teilweise offen angefeindet. Erst bei den freien Pfadfindern fühlte der Junge sich voll akzeptiert. Dort lernte er den zwei Jahre älteren Lothar Baier kennen, mit dem er bald eng befreundet war. Lothar Baier sollte später ein wichtiger Autor werden, der für mich beste und engagierteste politische Essayist der Bundesrepublik. Die Freundschaft hielt auch, als Lutz Taufer einen ganz anderen Weg eingeschlagen hatte, und währte bis zu Lothar Baiers Freitod im Jahre 2004 ...