ila

Nicht in der Printausgabe – nur bei ila online: „Nicaragua in deutschsprachiger Romanliteratur“

Eine Untersuchung von Eberhard Sauermann, Innsbruck

In den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts haben mehrere tausend politisch engagierte Menschen aus Europa und Nordamerika das revolutionäre Nicaragua besucht und dort als freiwillige AufbauhelferInnen in Projekten der sandinistischen Organisationen gearbeitet. Die meisten kamen für ein paar Monate, einige blieben mehrere Jahre – vor allem wenn ihre beruflichen Kenntnisse gefragt waren. Für fast alle war der Aufenthalt in einem armen, abhängigen Land, in dem sich durch die sandinistische Revolution eine Perspektive für eine solidarische Entwicklung abzeichnete, ein prägendes Erlebnis.

Immer gibt es Menschen, die über das, was sie bewegt, schreiben, manche unmittelbar, andere in literarischen Verarbeitungen erst viele Jahre später. So verwundert es nicht, dass es inzwischen eine ganze Reihe deutschsprachiger Romane gibt, die sich mit Nicaragua und den Erfahrungen, die Menschen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz vorwiegend in den ersten zehn Jahren nach dem Sieg der sandinistischen Revolution vom Juli 1979 dort gemacht haben, auseinandersetzen.

Kaum ein Buch stammt von einem „Prominenten“ wie dem österreichischen Schauspieler und Fernsehmoderator Dietmar Schönherr, kaum eines wurde ein kommerzieller Erfolg, nicht wenige wurden von ihren AutorInnen im Selbstverlag veröffentlicht. Einige sind schon über dreißig Jahre alt, andere sind erst in den letzten Monaten erschienen. Diese Romane geben, unabhängig von ihrer literarischen Qualität, Zeugnis über eine Zeit ab, in der junge Leute aus den reichen Ländern des Nordens mit großem Enthusiasmus in ein weit entferntes, armes Land gegangen sind, um dort beim Aufbau einer neuen Gesellschaft mitzuwirken.

Der Innsbrucker Literaturwissenschaftler Eberhard Sauermann hat die deutschsprachigen Nicaragua-Romane kritisch gelesen und stellt sie im hier erstmals veröffentlichten Aufsatz vor. Er untersucht, wie sie – wenn überhaupt – die politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse in diesem Land, vor allem die sandinistische Revolution und ihre Folgen, thematisieren.