ila

Einheizen. Gegen die Kälte.

Solidarische Perspektiven müssen von unten entwickelt und vorangetrieben werden, gerade in Zeiten, in denen es schwierig ist. Dafür braucht es entsprechende Strukturen und Räume wie die ila. Dafür brauchen wir Ihre/eure Mitarbeit und Unterstützung.

Bonn, im November 2017

Liebe Leser*innen und Freund*innen der ila,

es wird kälter. Und das ist nicht nur meteorologisch gemeint. Der Rechtsruck manifestierte sich in den letzten Monaten bei den Wahlen in Deutschland und Österreich, ist aber auch allenthalben spürbar. Viele Leute sind ob ihrer Zukunftsperspektiven verunsichert. Doch anstatt darüber nachzudenken, was gegen drohende Altersarmut, ein sich entwickelndes Zweiklassensystem im Gesundheitswesen, die Abschiebung gesellschaftlicher Aufgaben auf die Einzelnen und die drohende Klimakatastrophe getan werden kann, regen sich viele lieber über Migrant*innen auf, die an allem schuld seien.

Die Zuwanderung wird von interessierten Kreisen zum größten gesellschaftlichen Problem stilisiert und gleich die Lösung angeboten: Grenzen dicht! Natürlich wäre nicht eines der oben genannten Probleme gelöst, wenn keine Menschen mehr nach Europa kämen. Im Gegenteil, die Rentenkassen gerieten ohne Einwanderung mittelfristig massiv unter Druck. Das wissen wir längst und trotzdem dringen unsere Argumente nicht durch. Zu sagen, eine wirksame Politik gegen den Klimawandel und soziale Ausgrenzung bedürfe eines gänzlich anderen Wirtschafts- und Konsummodells, empfinden viele Leute eher als Verunsicherung, weil sie sich nicht vorstellen können, wie das gehen soll, während ihnen die Forderung nach einem Einwanderungsstopp offenbar Sicherheit vorgaukelt und die Belastungen auf andere, konkret die Flüchtlinge, abschiebt.

In einem solchen Klima haben es Vorschläge, die auf solidarische Lösungen zielen, schwer, auch nur gehört, geschweige denn angenommen zu werden. Die herrschenden neoliberalen Wirtschaftsgruppen und ihre politischen Sprachrohre behaupten heute, ihre Politik sei die einzige Alternative zu rechtem Nationalismus und Rassismus. Dabei haben sie die Rechte erst stark gemacht. Dennoch sind nicht die Neoliberalen, sondern linke Alternativen derzeit in der Defensive. Da bringt es sicher nichts, sich dem rechten Mainstream anzubiedern, wie es in Deutschland gerade einige Politiker*innen der Partei Die Linke versuchen. Das stärkt höchstens die rechte Hegemonie. Solidarische Perspektiven müssen von unten entwickelt und vorangetrieben werden, gerade in Zeiten, in denen es schwierig ist. Dafür braucht es entsprechende Strukturen und Räume.

Wir versuchen seit über 40 Jahren, ein solcher Raum zu sein, in dem über politische Entwicklungen reflektiert und darüber diskutiert wird, welche politischen Alternativen es gibt, bzw. uns anzuschauen, was andernorts, konkret in Lateinamerika, der herrschenden Politik entgegengesetzt wird. Auch unsere Stimme hat es schwer durchzudringen. Damit wir wahrgenommen werden, brauchen wir die Hilfe unserer Leser*innen. Nur sie können andere auf uns aufmerksam machen, sie vielleicht für die Lektüre oder ein Abo unserer Zeitschrift interessieren und/oder uns finanziell unterstützen.

In diesem Sinne freuen wir uns auch in diesem Jahr über Spenden (Spendenkonto Nr. 58399-501 bei der Postbank Köln BLZ 370 100 50). Und neue Abos, denn nur so kann die ila weiterhin erscheinen!

Mit solidarischen Grüßen für die Redaktion Britt Weyde & Gert Eisenbürger