ila

Am 9. Oktober 1967 wurde Che Guevara in Bolivien ermordet

Dossier. »Siehst du diese Stadt, Das ist das Gehirn des Monsters. Da bist du geboren, da musst du kämpfen.« sagte 1964 in Genf Che Guevara zu Jean Ziegler.

Vor 20 Jahren schrieb die ila: Che Guevara 30 Jahre Mythos.  Aus dem Editorial ila 209 Oktober 1997

Am 9. Oktober jährt sich zum 30. Mal der Tag, an dem der argentinische Revolutionär Ernesto „Che“ Guevara ermordet wurde. Dieser Jahrestag wirft bereits seit langem seine Schatten voraus, auch wenn die Che-Begeisterung in der Bundesrepublik nicht das Ausmaß erreicht hat wie in Lateinamerika, Spanien, Italien oder Frankreich. Nichtsdestotrotz haben die großen bundesdeutschen Presseorgane vom Spiegel bis zur FAZ Che längere Artikel oder ganze Schwerpunkte gewidmet, entdeckt die Werbung den antikapitalistischen Revolutionär, um bestimmte Zielgruppen besser zu bedienen, drucken Popgruppen Ches Konterfei auf ihre Plattencover oder bieten die Reisebüros im Willy-Brandt-Haus (SPD) und im Karl-Liebknecht-Haus (PDS) in trauter Eintracht eine „Abenteuer-Studienreise – Auf den Spuren von Che Guevara“ nach Bolivien an – für die, die sich 4999,- DM für 14 Tage Pfadfinderurlaub leisten können.

Wer war dieser Che, der nach 30 Jahren Tod selbst die sensationsgeilen Bürgermedien noch einmal zu größeren Meldungen bewegen kann? Von politisch und sozial entschieden bedeutenderen Revolutionären der 3. Welt, wie etwa Mao Tse Tung oder Ho Tschi Minh schreibt, spricht, sendet keiner. Die Bedeutung kann es also nicht sein. Gehen wir zurück in das Jahr 1967: Der erste Sputnik war aus einem real-sozialistischen Land erfolgreich in den Weltraum befördert worden. Auf Cuba hatte sich eine eben solche Regierung etabliert, in Europa begann die Jugend den Aufbruch in „ihre“ Kulturevolution zu wittern, in Vietnam standen die USA vor ihrer ersten großen historischen Niederlage gegen die Kräfte der nationalen Emanzipationsbewegungen der Welt, die von der Entwicklung des Weltkapitalismus nolens volens selbst erschaffen worden waren. Aufbruch und Hoffnung auf sinnvoll lenkbare bessere Zeiten – so lauteten die Signale jener Zeit, in der sich auch Che aufmachte, um den Menschen dieser Welt seine politische Losung vor die empfindlichen Nasen zu plazieren. Die cubanischen Revolutionäre hatten vorgeführt, daß es möglich war, die entstandenen Machtverhältnisse durch Gewalt zu verändern, und es schien damals ebenso möglich, mit Macht und Vernunft eine bessere, sprich menschlichere Gesellschaft zu denken und zu errichten. Und wo etwas möglich ist oder scheint, gibt es immer ProtagonistInnen, die dies auch zu realisieren versuchen. Mao, Che, Ulrike Meinhoff, ... wer auch immer, wo auch immer, wie auch immer.

Heute haben die meisten Leute das Gefühl, sinnvoll gelenkte Veränderung sei überhaupt nicht möglich. Und wenngleich auch uns in der ila dieses Gefühl manchmal zu überwältigen droht, wenden wir uns rational entschieden dagegen, daß nicht möglich sein soll, Gesellschaftsprozesse mehr als nur über die bekannten Mechanismen von Laissez-faire, Geld, Männerbündelei und/oder mafiöses Gebaren „lenken“ zu können. Noch immer glauben wir daran, daß es sinnvolle Steuerungsmechanismen gibt, die es zu finden und anzupacken gilt. Und diese Haltung und Hoffnung hat maßgeblich Anteil daran, daß wir uns auch heute noch mit Che, diesem militaristischen und voluntaristischen Verkörperer von Hoffnung auseinandersetzen, und zwar nicht, weil wir die militärische Auseinandersetzung für besonders erstrebenswert halten, sondern weil wir wie Che glauben, daß es etwas jenseits von Macht und Kapital gibt, für das es sich zu kämpfen lohnt  ...  

2017

Dossier: Hasta Siempre
Revolutionäres Beispiel, Ikone des Protestes
junge Welt 09.10.2017

»Ich hätte mich ihm natürlich angeschlossen«
Gespräch mit Aleida Guevara March Über die Geradlinigkeit ihres Vaters, die Vermarktung seines Porträts und die Beziehung von Kuba zu den Vereinigten Staaten
junge Welt 07.10.2017

Fotobuch
Che in den Ebenen
ilizionäre des Bildes: Ein Buch zeigt wenig bekannte Fotos des Revolutionärs aus den ersten Jahren des neuen Kuba
junge Welt 07.10.2017

Streit zum 50. Todestag
Che Guevara polarisiert noch immer
Boliviens linke Regierung widmet dem Revolutionär einen mehrtägigen Festakt – zum großen Ärger der Militärveteranen
taz 07.10.2017

Mit Che zur Vollkommenheit
Vor 50 Jahren wurde Ernesto Guevara erschossen. Sich selbst sah er als Vorbild des zu schaffenden »Neuen Menschen«, der unter persönlichen Entbehrungen die Revolution vorantreibt. Dennoch gilt er heutzutage vielen als hedonistischer Rebell.
Jungle World 05.10.2017

Die makabre Reise von Che Guevaras Händen
Vor 50 Jahren wurde Ernesto "Che" Guevara in Bolivien erschossen. Ein Chirurg amputierte der Leiche die Hände, die sodann als schaurige Fracht um die Welt reisten. Heute sind sie in Havanna. Aber wo genau?
Spiegel Online 09.10.2017

Mythos und Popstar
Bolivien zelebriert 50. Todestag von Che Guevara
Deutschlandfunk Kultur 05.10.2017

Che Guevara's legacy still contentious 50 years after his death in Bolivia
The remote village where the Argentina-born revolutionary was executed is now a tourist attraction but the fortunes of his regional political heirs are on the wane
The Guardian 05.10.2017

Che Guevara -  Video 1:45

Wird ergänzt ...