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19.6. bis 5.7. Werkschau Gaby Weber

Gaby Weber arbeitet seit über dreißig Jahren für deutschsprachige Medien aus Uruguay und Argentinien. Im Lichtblick-Kino in Berlin sind nun vier ihrer Filme zu sehen, darunter ihr neuester Film „Tödliche Agri-Kultur – Wie Monsanto die Welt vergiftet“

Gaby Weber arbeitet seit fast vierzig Jahren als Journalistin, seit 30 Jahren als Auslandskorrespondentin für deutschsprachige Medien aus Uruguay und Argentinien. Sie lebt aber auch mehrere Monate des Jahres in Berlin-Wedding. Sie ist Autorin mehrerer Dokumentarfilme. Für ihre Recherche über die verschwundenen Betriebsräte von Mercedes-Benz Argentina ist sie von der Stadt Buenos Aires ausgezeichnet worden.

Im Lichtblick-Kino ist nun eine kleine Werkschau mit vier ihrer Filme zu sehen, darunter ihr neuester Film Tödliche Agri-Kultur – Wie Monsanto die Welt vergiftet zu den verheerenden Machenschaften von Monsanto in Argentinien. Die Regisseurin ist bei allen Vorführungen anwesend.

Die Filme:

Tödliche Agri-Kultur – Wie Monsanto die Welt vergiftet
D/Arg 2017, 75 min, Regie: Gaby Weber
In Argentinien sind 20 Millionen Hektar mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Das Land wird mit Herbiziden, Insektiziden, Fungiziden und künstlichem Dünger überflutet. Argentinien hält den weltweiten Rekord, was den Verbrauch an Glyphosat angeht. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto. Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten. Heute ist die Krebsrate in den Soja-Anbaugebieten zwei- bis dreimal höher als in der Stadt. Riesige Landesteile sind überschwemmt, weil der Boden die Niederschläge nicht mehr aufnehmen kann. Und was die Lebensmittelindustrie von diesen Feldern in die Supermärkte bringt und exportiert, ist giftig.
Sonntag, 18.6., 18:30 Uhr, in Anwesenheit der Regisseurin

Wunder gibt es nicht – Die Verschwundenen von Mercedes-Benz
D/Arg 2017, 94 min, Regie: Gaby Weber
Die Regisseurin zeigt, wie während der Militärdiktatur Gewerkschafter von Mercedes Benz Argentina nachts aus ihren Wohnungen entführt, in Folterzentren verschleppt und ermordet wurden und wie sie die Überlebenden gefunden hat. Zu den Violin-Variationen des »Dreizackmarsches« (1928) erzählen die Opfer und Manager, die sie dem Wahrheitstribunal als Zeugen benannt hat: etwa der Folterer und Kindesräuber Rubén Lavallén, Sicherheitschef bei Mercedes. Die Firma hat, so der damalige Justiziar, medizinische Geräte für Frühgeburten an das Militärhospital Campo de Mayo geliefert. Dort mussten schwangere Gefangene ihre Kinder zur Welt bringen, bevor sie ermordet wurden. Fünf dieser Babys sind nachweislich oder mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Mercedes-Managern gelandet. Der Produktionschef, Juan Ronaldo Tasselkraut, erinnert sich, dass die Produktivität wegen Sabotage auf 30 Prozent gefallen war, bis sie normalisiert werden konnte. Ob ein Zusammenhang mit den Morden an den Betriebsräten bestand? »Wunder gibt es nicht, Euer Ehren«, so seine Antwort. Der Film berichtet auch über die Bemühungen, die Täter vor Gericht zu bringen.
Montag, 26.6., 18:30 Uhr, in Anwesenheit der Regisseurin

Ein Geschenk des Himmels – Wie Daimler-Benz Nazi-Gelder waschen durfte
D/Arg 2016, 57 min, Regie: Gaby Weber
Der Mythos sagt, dass wir unseren Wiederaufbau Ludwig Erhard verdanken, dem Wirtschaftsminister Adenauers und späteren Bundeskanzler. Doch die Realität ist eine andere: Danach verdanken wir unser Wirtschaftswunder einem ganz anderen Mann: dem Argentinier Jorge Antonio, rechte Hand des damaligen Präsidenten Perón und Wäscher »unseres« Nazigoldes. Unter Erhards Regie und mit ausdrücklicher Erlaubnis der USA wuschen er und Daimler-Benz ab 1949 im großen Stil das während des Zweiten Weltkrieges in der Schweiz versteckte Kapital. Im Beipack wurden Nazis im Werk Mercedes-Benz Argentina untergebracht. Wie dieses System von Währungsmanipulationen, Steuerhinterziehung, Korruption und schwarzen Kassen funktionierte, beschreibt der Film mit zahlreichen Dokumenten.
Dienstag, 27.6., 19:00 Uhr, in Anwesenheit der Regisseurin

Krater für den Frieden – Wie der militärisch-industrielle Komplex die Abrüstung überlebte
D/Arg 2016, 94 min, Regie: Gaby Weber

Nach offizieller Lesart tragen die Sowjets bis heute die Alleinschuld an der deutschen Teilung, dem Kalten Krieg und dem Rüstungswettlauf. Doch: 1959 war die Erdatmosphäre durch die Atomtests radioaktiv verseucht und der sowjetische Staatschef, Nikita Chrustschow, forderte vor den Vereinten Nationen ein Ende des Rüstungswettlaufs und ein Ende aller Atomtests.
Gleichzeitig wollte er einen Friedensvertrag für ein vereinigtes und neutrales Deutschland. Diese Vorschläge sollten auf einer Gipfelkonferenz im Mai 1960 in Paris von den alliierten Siegermächten verhandelt und beschlossen werden. Doch durch gezielte Provokationen änderten die USA den Lauf der Geschichte zu Lasten Russlands, Deutschlands und Europas. Mit Zeitzeugen, frei zugänglichen und eingeklagten Dokumenten deckt die Regisseurin Zusammenhänge auf.
Mittwoch, 5.7., 18:30 Uhr, in Anwesenheit der Regisseurin

Lichtblick-Kino 
Stattkino Berlin e.V.
Schliemannstr. 5
10437 Berlin