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Papayas an der Saar
Der kolumbianische Schauspieler und Regisseur Miguel Bejarano Bolívar
von Thomas Schulz

Miguel Bejarano Bolívar macht sozialkritisches Theater mit Herz und Handstand. Einst Mitgründer der freien Theatergruppe „Papaya Partía“ im kolumbianischen Barranquilla, kam er vor anderthalb Jahrzehnten nach Saarbrücken – und blieb.

Als er 1988 seine Heimat verließ, war er „Kolumbien-müde“, sagt Miguel Bejarano Bolívar heute. Es mangelte an Perspektiven, freie Theatergruppen lösten sich auf. Dies und außerdem die erkennbare Entwicklung kommerzieller Theater ließ ihn zu einem „freiwillig Exilierten“ werden. Ein richtiger Entschluss, findet er noch immer: „In Kolumbien sind viele Schauspieler zum Fernsehen emigriert, andere haben ihre Karriere bei kommerziellen Theatern fortgesetzt. Nur wurden die festen kommerziellen Gruppen schnell zu Ensembles mit einem ganz anderen Konzept, als wir es mit unserer Struktur eines Theater-Kollektivs verfolgten.“ Dieses „wir“ waren sieben Schauspieler, Pantomimen, Regisseure, die sich 1983 nach dem Karneval von Barranquilla als freie Theatergruppe organisiert hatten und in Kolumbien bis 1988 als eines der ersten und der erfolgreichsten Künstler-Kollektive eine Sonderstellung einnahmen. Parallelen gab es bei den Gruppen „Teatro La Candelaria“ in Bogotá (vgl. Beitrag in dieser ila) sowie dem „Teatro Experimental de Cali“, die aus der Not in einem Land ohne Schauspielschulen alle aus studentischen Schauspielgruppen hervorgingen.

„Wir waren politisch links gerichtet. Radikal, aber pazifistisch. Wir waren gegen Gewalt.“ Die Zeit im „teatrero“-Kollektiv beschreibt Miguel Bejarano Bolívar als „alten '68er-Traum, der in den Achtzigern gelebt wurde“. Gegründet Ende 1982, verfolgten die sieben Gründungsmitglieder der „Papaya Partía“ das Ziel, Leben, Arbeit und Musik miteinander und als Kollektiv in Einklang zu bringen. Zu Beginn war das Werk von Bertolt Brecht der stärkste Bezugspunkt. Von Brecht ausgehend, wurde die Idee der Theater-Kollektive verfolgt. Vielleicht war es deswegen kein Zufall, dass später ausgerechnet Deutschland für einige Mitglieder zur Lebensbasis wurde.Nachdem sich die Urbesetzung „Papaya Partía“ (deutsch: Aufgeteilte Papaya) 1988 in verschiedene Erdteile verstreut hatte, machte sich Miguel Bejarano Bolívar zusammen mit dem Namen der Gruppe und seiner damaligen Lebensgefährtin, der peruanischen Schauspielerin Liz Montes de Oca, auf den Weg nach Deutschland. Abenteuer wollten sie suchen und finden und reisen. „Das war wichtiger als in Kolumbien zu bleiben“, bestätigt Bejarano auch 14 Jahre danach mit Nachdruck.

„Ab 1984 ungefähr wurde Saarbrücken zu einem Ankunftsort für kolumbianische Schauspieler“, erzählt er. Leute wie der Regisseur und Schauspieler Jairo Vergara oder der Pantomime „Elkin Mimo“ eröffneten Möglichkeiten und Wege. In Saarbrücken waren dann dort ansässige Schauspieler behilflich, so etwa die spätere Tatort-Darstellerin Ingrid Braun. „Eine kleine, ruhige Stadt ohne viel Stress oder gar Kriminalität, wo auch unsere Kinder gut aufwachsen konnten“ – das waren Gründe für mehr als ein Dutzend kolumbianische Künstler, nicht in die Metropolen Köln, Hamburg oder Berlin zu ziehen, sondern an die Saar. Von dort aus hält der Namensbewahrer der „Papaya Partía“ noch lose Kontakte zu kolumbianischen Schauspielerkollegen in Bern, Barcelona, in Bremen, in Hamburg und Freiburg. Er bedauert, dass die Idee eines Theaterfestivals in Kolumbien mit all den kolumbianischen Theatergruppen, die im Ausland leben, im Jahre 1999 aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt wurde.

„Homo Erectus – Homo Siemensis“

In der Saarbrücker Inszenierung von „Hans im Glück“ spielte sein Sohn Francisco die Hauptrolle, und noch immer gibt es keine klare Trennung zwischen dem Leben auf der Bühne und der Privatperson Miguel Bejarano Bolívar. „Das Stück ‚Homo Erectus – Homo Siemensis' ist für mich wie ein Exorzismus, ich könnte auch Therapie sagen“, befindet er über seine aktuelle Produktion. Handlungsstrang: Ein Immigrant kommt ins Land, um ein besseres Leben zu haben, kann aber gar nicht in seinem Beruf arbeiten. Statt dessen muss er irgendwelche einfachen Arbeiten verrichten, um über die Runden zu kommen und das Konsumbedürfnis seiner Ehefrau stillen zu können. Eine „sozialkritische Autobiographie eines Lebensabschnitts, die Geschichte der Zerstörung einer Familie“, nennt der Autor, Regisseur und Darsteller das. Er inszeniert und spielt hier erstmals mit dem Tanztheater „Mutant“ zusammen. In Kooperation mit einer deutsch-ungarischen Tänzerin wird bis Ende des Jahres 2002 eine Version vom „Labyrinth des Minotaurus“ erarbeitet. u

Kontaktadresse: 
Papaya Partía, Miguel Bejarano Bolívar,  Johannisstr. 5, 66111 Saarbrücken, Tel.0681/9380785 papayapartia@gmx.de

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