Miguel Bejarano Bolívar macht sozialkritisches Theater mit Herz und Handstand. Einst Mitgründer der freien Theatergruppe „Papaya Partía“ im kolumbianischen Barranquilla, kam er vor anderthalb Jahrzehnten nach Saarbrücken – und blieb. Als er 1988 seine Heimat verließ, war er „Kolumbien-müde“, sagt Miguel Bejarano Bolívar heute. Es mangelte an Perspektiven, freie Theatergruppen lösten sich auf. Dies und außerdem die erkennbare Entwicklung kommerzieller Theater ließ ihn zu einem „freiwillig Exilierten“ werden. Ein richtiger Entschluss, findet er noch immer: „In Kolumbien sind viele Schauspieler zum Fernsehen emigriert, andere haben ihre Karriere bei kommerziellen Theatern fortgesetzt. Nur wurden die festen kommerziellen Gruppen schnell zu Ensembles mit einem ganz anderen Konzept, als wir es mit unserer Struktur eines Theater-Kollektivs verfolgten.“ Dieses „wir“ waren sieben Schauspieler, Pantomimen, Regisseure, die sich 1983 nach dem Karneval von Barranquilla als freie Theatergruppe organisiert hatten und in Kolumbien bis 1988 als eines der ersten und der erfolgreichsten Künstler-Kollektive eine Sonderstellung einnahmen. Parallelen gab es bei den Gruppen „Teatro La Candelaria“ in Bogotá (vgl. Beitrag in dieser ila) sowie dem „Teatro Experimental de Cali“, die aus der Not in einem Land ohne Schauspielschulen alle aus studentischen Schauspielgruppen hervorgingen. „Homo Erectus – Homo Siemensis“ In der Saarbrücker Inszenierung von „Hans im Glück“ spielte sein Sohn Francisco die Hauptrolle, und noch immer gibt es keine klare Trennung zwischen dem Leben auf der Bühne und der Privatperson Miguel Bejarano Bolívar. „Das Stück ‚Homo Erectus – Homo Siemensis' ist für mich wie ein Exorzismus, ich könnte auch Therapie sagen“, befindet er über seine aktuelle Produktion. Handlungsstrang: Ein Immigrant kommt ins Land, um ein besseres Leben zu haben, kann aber gar nicht in seinem Beruf arbeiten. Statt dessen muss er irgendwelche einfachen Arbeiten verrichten, um über die Runden zu kommen und das Konsumbedürfnis seiner Ehefrau stillen zu können. Eine „sozialkritische Autobiographie eines Lebensabschnitts, die Geschichte der Zerstörung einer Familie“, nennt der Autor, Regisseur und Darsteller das. Er inszeniert und spielt hier erstmals mit dem Tanztheater „Mutant“ zusammen. In Kooperation mit einer deutsch-ungarischen Tänzerin wird bis Ende des Jahres 2002 eine Version vom „Labyrinth des Minotaurus“ erarbeitet. u |