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Debatte

"Für eine demokratische Kontrolle der Finanzmärkte"

+++   Erklärung   +++   Über das Zustandekommen  +++   Offener Brief vom BUKO an das Netzwerk  +++  Antwort von Ingo Melchers    +++   "Netzwerk ..." an den BUKO   +++   Werner Rätz auf Ingo Melchers  +++   GERMANWATCH zur Nichtunterzeichnung   +++  und weitere Beiträge (Anklicken!)

Erklärung
für eine demokratische Kontrolle der
Finanzmärkte

Die internationalen Finanzmärkte sind zu einer Macht geworden, die zunehmend die Politik bestimmt. Immer mehr Lebensbereiche geraten unter das Diktat von Dax, Dow Jones und "Shareholder Value". Im Namen einer Modernisierung, die als unabänderlicher Sachzwang präsentiert wird, untergräbt die Macht der Finanzmärkte die Demokratie. Mit der Drohung auf einen anderen "Standort" oder eines der Steuerparadiese und "Off Shore- Bank- zentren" auszuweichen, verfügen internationale Finanzkonzerne und KapitalbesitzerInnen über ein Erpressungs- potential, mit dem sie die Politik demokratisch gewählter Regierungen ihrer Disziplin unterwerfen.   Mit Transaktionen von 1.500 Milliarden Dollar pro Börsentag, wovon der Löwenanteil auf Geschäfte mit spekulativem Charakter entfällt, ist eine völlig neue Qualität internationaler Wirtschaft entstanden. Doch die grenzenlose Freiheit der Kapitalflüsse führt zu einer wachsenden Instabilität der internationalen Wirtschaftsbeziehungen, die sich in immer kürzeren Abständen in Krisen entlädt. Durch Finanzcrashs werden jahrelange wirtschaftliche Anstrengungen ganzer Volkswirtschaften über Nacht zunichte gemacht. Die Behauptung, die Globalisierung bringe Wohlstand für alle, hat sich nicht bewahrheitet. Während eine kleine Gruppe von Globalisierungsgewinnern immer reicher und mächtiger wird, wachsen weltweit soziale Unsicherheit, Ausgrenzung und Armut. Die Kluft zwischen und innerhalb von Industrieländern und Entwicklungsländern wird immer größer. Die Lösung brennender ökologischer Probleme wird verschleppt. Im Interesse von Unternehmen und Kapitalbesitzern wird der Abbau der sozialen Sicherungssysteme betrieben.

Wir brauchen eine andere Politik!

Doch diese Art der Globalisierung ist nicht schicksalhaft und unaufhaltbar. Sie ist von staatlicher Politik zielgerichtet in Gang gesetzt worden. Durch internationale politische Regulierung könnten die entfesselten Marktkräfte soweit gezähmt werden, dass ihr destruktives Potenzial eingedämmt wird. Dazu ist allerdings gesellschaftliche Bewegung von unten notwendig. Um erfolgreich zu sein, muss dieser Druck national und international organisiert sein, beispielsweise in enger Zusammenarbeit mit den ATTAC-Bewegungen in vielen Ländern. Nur dann wird etablierte Politik die Interessen der Mehrheit der Menschen gegen die Interessen der Wirtschaft vertreten. Eine Bewegung für die demokratische Kontrolle der Finanzmärkte muss vielfältige Aktionsformen nutzen, von der Aufklärungsarbeit für Öffentlichkeit und Medien, über Lobbytätigkeit bis zum öffentlichkeitswirksamen Protest.

Deshalb fordern wir:

  • Die Einführung einer Steuer auf internationale Finanztransaktionen (z.B. Tobin Tax).

  • Die Schließung der Steuerparadiese und "Off-Shore-Zentren".

  • Keine Privatisierung der Alterssicherung (z.B. Pensionsfonds).

  • Das Verbot von spekulativen Derivaten und der hochspekulativen "Hedge-Funds".

  • Schuldenstreichung für die Entwicklungsländer.

  • Strengere Banken- und Börsenaufsicht auch für die sog. institutionellen Anleger.

  • Stabilisierung der Wechselkurse zwischen den drei Hauptwährungen Dollar, Euro und Yen.

  • Die demokratische Umgestaltung internationaler Finanzinstitutionen.

  • Die stärkere Besteuerung von Kapitaleinkünften und großen Vermögen.

Die unterzeichnenden Organisationen tragen die Erklärung mit und unterstützen die Anliegen
und die Arbeit des Netzwerkes zur demokratischen Kontrolle der Finanzmärkte.

Organisationen:
Aktion Selbstbesteuerung ALASEI, Arbeitskreis Ökonomie und Kirche  Arbeitskreis Politische Ökonomie: FATAL GLOBAL? Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Umwelt und Entwicklung - BLUE 21 Bundesarbeits- gemeinschaft Internationalismus - BAGI Basis Grün - Linke Grüne in Bayern Bildungswerk der DAG Niedersachsen Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag – BER Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland  Friends of the Earth Germany – BUND DAG Bildungswerk Dachverband entwicklungspolitischer Aktionsgruppen in Baden-Württemberg EIRENE Deutscher Zweig Entwicklungspolitische Gesellschaft - EpoG Fachstelle Wirtschaftspolitik des ABP Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika - FDCL Freundschaftsgesellschaft Berlin Cuba Frauen für den Frieden Germanwatch Berlin Gewerkschaft HBV in der AM Informatik, Hamburg Globalisation as if people mattered- international Gossner Mission Grüne Jugend Bundesverband Industriegewerkschaft Druck und Papier, Publizistik und Kunst Informationsstelle Lateinamerika - ila
INKOTA-Netzwerk Initiative Ordensleute für den Frieden - IOF Jusos Hamburg Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika - KASA Kontaktstelle für Umwelt und Entwicklung - KATE Kairos Europa Kreisverband Potsdam Bündnis 90/Grüne Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie Le Monde diplomatique Deutschland Linksruck Medico international Miljpartiet De Gronne, Norwegen MISSIO Netzwerk am Turm Netzwerk gegen Konzernherrschaft Ökumenisches Netz Rhein Mosel Saar Ökumenisches Netz Württemberg Oswald von Nell-Breuning-Institut Pax Christi Deutsches Sekretariat Pax Christi Regionalstelle der Bistümer Osnabrück und Hamburg Pax Christi Basisgruppe Koblenz PLÄDOYER für eine ökumenische Zukunft Share – Aktion für gerechte Ökonomie Solidaritätsdienst International - SODI spw-Zeitschrift für Sozialistische Politik und Wirtschaft (Redaktion) Südwind – Institut für Ökonomie und Ökumene Stiftung Nord-Süd Brücken Stiftung Umverteilen Umweltbüro Neubeuern Versöhnungsbund - Landesgruppe Baden-Württemberg Weltwirtschaft, Umwelt und Entwicklung - WEED Weltfriedensdienste

Einzelpersonen:
Andreas Bummel Prof. Elmar Altvater, FU Berlin Eberhard Bauer Kerstin Bertow Annelie Buntenbach, MdB Lena Bröckl Cailly Jean-Michel, Mitglied der "Amis du Monde Diplomatique" Dr. Bernhard Danzer Veronika Dehnhard Prof. Ulrich Duchrow (Universität Heidelberg) Lorenz Erdmann Dr. med. Wolfgang Fabricius Cornelie Feld Ralf Forster Heiko Glawe, Politologe Grendus Krystyna Marc Gronwald Elke Grub Dr. Barbara Hähnchen Marie Luise v. Halem Prof. Friedhelm Hengsbach SJ Detlev Hensche, Hauptvorstand IG Medien Dr. Stefan Hessler, J.W. Goethe-Universität Ffm Prof. Rudolf Hickel, Universität Bremen Prof. Johannes Hoffmann, J.W. Goethe-Universität Ffm Carsten Hübner MdB Prof. Jörg Huffschmid, Universität Bremen Dirk Jörke Gerhard Katzer Thomas Klouth Hayati Koc Marianne Koch Petra Kraft Gisela Kremberg Daniel Kreutz, Ex-MdL/ NRW Hans Langlotz Robert Levin Dr. Matthias Lüdeke Ulla Lötzer MdB Prof. Birgit Mahnkopf, FHW Berlin Ingrid Manthey Jürgen Menthe Ulrich Meinecke, Geschäftsführer der HBV Hamburg Friedrich Meyer-Stach Christian Osterhaus Dr. Hermannus Pfeiffer, Publizist Raffaele Piria Tobias Polzin Eva Quistorp MdEP a.D. Jörg Reinbrecht, HBV-Hauptverwaltung Internationales Clemens Ronnefeld Ingrid Rössel-Drath Dr. Walter Romberg, Minister a.D. Dr. Heinrich Ruhemann Ruth Ruhemann Dr. Thomas Sauer Astrid Schaffert Horst Schiermeyer Dr. Dietrich Schirmer Ingo Schmidt Martin Schodlok Elisabeth Schröter, MdEP Walter Schütz Werner Schuster, MdB Marie-Luise Stöhr Prof. Dr. Martin Stöhr Matthias Striebich Roland Süß Reinhold E. Thiel, Chefredakteur "Entwicklung und Zusammenarbeit" Norbert Trautwein, Gewerkschaft HBV-HV Dr. Shungu M. Tundanonga-Dikunda Thomas Viertel Manuel Weber Frieder Otto Wolf, Ex-MdEP Heinrich Wollny

  Infos: www.share-online.de/finanzmaerkte    Email: info@share-online.de    Internationale Partner: ATTAC

Spenden sind erwünscht an Share, Stichwort Finanzmärkte, Konto 1015150, Ökobank, BLZ 500 901 00.
Mailingliste für das Netzwerk mit derzeit etwa 200 TeilnehmerInnen:
finanzmarkt@share-online.de; Anmeldungen an: finanzmarkt-request@share-online.de   mit dem Mail-Text „subscribe"

Über das Zustandekommen

Es fehlt der politische Wille..
von Werner Rätz aus ila 235

Die Bemühungen um den Aufbau eines Bündnisses für die politische Intervention in die internationalen Finanzmärkte werden konkret. Nach einem ersten Treffen im Januar in Ffm (vgl. ila 232)  fand am 14./15.4.  in Hannover ein zweiter Ratschlag statt. Neben der formellen Gründung eines Netzwerkes wurde eine politische Erklärung verabschiedet sowie diverse organisatorische und aktionsorientierte Beschlüsse gefasst.

Schon beim ersten Treffen im Januar war Unmut über die knappe Zeit – nur einen halben Tag wurde sich damals Zeit genommen – aufgekommen und der Wunsch geäußert worden, nächstes Mal mehr Raum zur inhaltlichen Diskussion zu haben. Folglich diente in Hannover der Freitag komplett der Bearbeitung der Themen „Tobin-Tax“ sowie „Steuerparadiese und Offshore-Zentren“. Der Samstag war dann für die Diskussion praktischer Fragen und Beschlussfassungen vorgesehen. Erfreulich war bereits, dass fast alle der etwa 60 Teilnehmenden an beiden Tagen teilnahmen. Die inhaltliche Diskussion war von dem breiten Konsens getragen, dass eine politische Intervention in die Finanzmärkte möglich und notwendig sei. Nicht irgendwelche „Sachzwänge“ stehen dem entgegen, auch nicht „ökonomische Vernunft“, sondern allein der fehlende politische Wille. Es gab deutlich unterschiedliche Nuancierungen, wie sehr zur Erzeugung dieses Willens auf die Kooperation mit PolitikerInnen zu setzen sei, aber keine Stimmen, die nur auf die eigene Aktion und den Druck der Straße setzen mochten – das entsprechende politische Spektrum fehlte – wie schon im Januar – völlig. Überdeutlich kam das Bedürfnis zum Ausdruck, eine Gesamtkampagne, eine Generalforderung, eine Art finanzpolitischen Passe-partout zu haben. So hatten ReferentInnen und einige DiskussionsrednerInnen große Schwierigkeiten zu verdeutlichen, dass die von ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen immer nur eine unter vielen sein könnten, dass sie nur Lösungen für eng umgrenzte Probleme bieten. Am Samstagvormittag wurde in einer Reihe von Berichten der Diskussionsstand zu drei Bereichen dargestellt: a) inhaltliche Schwerpunkte, b) organisatorische Möglichkeiten/notwendige Verabredungen und c) politische Erklärung. Eine Plenumsdiskussion, an der sich etwa ein Drittel aller Anwesenden beteiligte und vier Arbeitsgruppen bereiteten Entscheidungen vor, die dann auf einem Abschlussplenum gefasst wurden: Formell wurde ein „Netzwerk zur demokratischen Kontrolle der internationalen Finanzmärkte“ gegründet – Kritik an der Namensgebung richtete sich (zu Recht) auf die Bandwurmästhetik und (zu Unrecht) nicht darauf, dass Finanzmärkte und Demokratie so ähnlich klingt wie hölzernes Eisen. Die Aktivitäten des Netzwerkes werden sich in den nächsten Monaten auf drei Hauptforderungen konzentrieren. Dazu arbeiten jeweils AGs, von denen auch Aktionen ausgehen sollen:
• Die Schließung der Steuerparadiese und Offshore-Zentren wie die Kanalinseln oder Cayman Islands, die geprägt sind von einem „unheilvollen Dreiklang von massivster Steuerhinterziehung, Geldwäsche und zwielichtiger, unkontrollierter und Crash-auslösender Spekulationsgeschäfte“, so Oliver Moldenhauer von Share.
• Die Einführung einer Steuer auf internationale Finanztransaktionen (z.B. TobinSteuer). Analog zum Vorschlag des Ökonomen James Tobin unterstützt das Netzwerk eine geringe Steuer auf Devisentransaktionen, die zu gering wäre, um realwirtschaftliche Transaktionen zu beeinträchtigen, die aber das „gnadenlose und gefährliche Tempo der spekulativen Devisengeschäfte“ (Peter Wahl, WEED) bremsen würde.
• Die Verhinderung der Privatisierung der Alterssicherung z.B. über Pensionsfonds. Die großen amerikanischen Pensionsfonds gehören zu den mächtigsten Akteuren auf den internationalen Finanzmärkten. Sie machen Finanzpolitik und treiben die Rationalisierungs- und Entlassungswellen voran. Eine kapitalgedeckte Rentenversicherung in Deutschland würde neues anlagesuchendes Kapital im Billionenbereich bedeuten.
Die politische Erklärung benennt sechs weitere Forderungen, u.a. „Schuldenstreichung für die Entwicklungsländer“. Ein Vertreter der „Erlassjahrkampagne“ wollte hier ausgeschlossen wissen, dass dies auch unkonditionierte oder vollständige Schuldenerlasse meinen könnte – die offene Formulierung blieb bestehen, weil sie allein keine andere Position ausschließt. Eine weitere Kontroverse ergab sich darüber, ob ein Hinweis auf die unzweifelhaft vorhandene Bereitschaft der Industriestaaten aufgenommen werden sollte, ihre ökonomischen Interessen auch militärisch durchzusetzen – mit dem Verweis auf die Schwierigkeiten, die dies beim Sammeln von Unterschriften in bestimmten Milieus bereiten würde, verweigerte die große Mehrheit die Zustimmung! Die Erklärung (s.u.) wird am 19. Mai mit ErstunterzeichnerInnen veröffentlicht und kann dann beim Netzwerkbüro (s.u.) bezogen werden. Der schon in Frankfurt gewählte Koordinierungskreis, der die politische Erklärung wie das gesamte Hannoveraner Treffen vorbereitet hatte, wurde bis zum 3. Ratschlag, der wahrscheinlich im November stattfindet, bestätigt. Das Gremium besteht aus BLUE 21, Germanwatch, Kairos Europa,
ila, Pax Christi, Share, Stiftung Umverteilen und WEED und soll um eineN GewerkschafterIn erweitert werden.

Offener Brief vom
Bundeskongresses Entwicklungspolitischer Aktionsgruppen
BUKO
an das "Netzwerk ..."

Das deutsche Netzwerk sucht   derzeit UnterstützerInnen für eine „Erklärung für eine demokratische Kontrolle der internationalen Finanzmärkte“. Diese soll am 31. 5. 2000 auf einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt werden (ist inzwischen geschehen – die Red.). Wir vom BUKO-Arbeitsschwerpunkt möchten mit diesem Offenen Brief einige Kritikpunkte an der Erklärung benennen. Es geht uns dabei nicht um Abgrenzung, sondern um solidarische Kritik, denn wir begrüßen die Initiative des Netzwerkes, auf einige zentrale Probleme des gegenwärtigen globalen Kapitalismus aufmerksam zu machen. Doch die inhaltlichen Widersprüche und Vereinfachungen sowie die politisch-strategische Ausrichtung der Erklärung können unseres Erachtens nicht unwidersprochen bleiben.
Die Erklärung erweckt den Eindruck, als seien „wachsende Instabilitäten“ und Krisen „in immer kürzeren Abständen“ ein Phänomen der derzeitigen kapitalistischen Globalisierungswelle und des damit verbundenen Aufstiegs der internationalen Finanzmärkte. Der Kapitalismus ist jedoch seit seiner Entstehung im 19. Jahrhundert von Finanz-, Währungs-, Verschuldungs- und Inflationskrisen begleitet. Seine immanente, unausweichliche Krisenhaftigkeit allein auf die quantitativ gestiegenen Kapitalflüsse spekulativen Charakters zurückzuführen, ist zu kurz gegriffen. Denn die monetäre Sphäre der Finanzmärkte ist eben nicht zu trennen von der realökonomischen, „produktiven“ Sphäre. Beide sind funktional aufeinander angewiesen, ihre Krisenlogik ergänzt und überlagert sich in hohem Maße. Der Aufstieg der Finanzmärkte beruht auf den (Über-)Akkumulationsprozessen der „Realökonomie“ und ist strukturell mit ihren Verwertungskrisen verbunden. Eine simplifizierende dichotomische Sichtweise verbietet sich daher.
Ähnliches gilt für den in der Erklärung erweckten Eindruck, als „unterdrückten“ die internationalen Finanzmärkte die demokratischen Regierungen, die eigentlich ganz anderes wollten als ihnen die Märkte diktierten. Diffenziertere Analysen weisen darauf hin, dass die Globalisierung der (Finanz-)Märkte eben nicht mit einem Rückzug der Nationalstaaten aus Regulierungsprozessen einhergeht, sondern mit einer Redefinition seiner Interventionsformen. So weist z.B. die Finanzmarkt-Expertin Susanne Lütz (in der PROKLA 118, 2000/1, S. 61-81) darauf hin, dass die Staaten zwar nationale Standards bei der Regulierung von Kapitalflüssen reduziert haben, aber seit den 90er Jahren Bestandteil von public-private-partnerships in der Bankenregulierung wurden, die wiederum in pluralisierte Abstimmungsnetzwerke auf internationaler Ebene eingebunden sind. Mit anderen Worten: Die gegenwärtige Struktur des globalen Finanzmarktes wurde nicht gegen Staaten oder Regierungen, sondern durch sie bzw. mit ihnen verwirklicht.
Die etatistische und neokeynesianische Schlagseite des Netzwerkes und der gesamten ATTAC-Bewegung halten wir daher für wenig angebracht. Die modernen bürgerlichen Nationalstaaten als potenzielles Gegengewicht zum Kapitalismus (miss-) zu verstehen und nicht als seinen integralen Bestandteil, verweist auf ein Staatsverständnis, das im Nationalstaat eine an sich neutrale Instanz sieht, derer sich alle gleichermaßen bedienen können, um ihre Interessen zu verwirklichen. Nicht nur materialistische Staatstheorie, sondern auch die historische Erfahrung lehrten jedoch das Gegenteil. Aus diesem Grund ist auch die Forderung nach der „demokratischen Umgestaltung internationaler Finanzinstitutionen“ irreführend. Es ist die zentrale Aufgabe dieser Institutionen, das auf Ausbeutung und Ungleichheit basierende Geldverhältnis zu stabilisieren und die Verwertung von Kapital zu organisieren. Die in der Erklärung verwendete Forderung „Wir brauchen eine andere Politik“, die mit der Hoffnung verknüpft wird, die Probleme des globalen Kapitalismus ließen sich „eindämmen“, wenn die Staaten bzw. die gewählten Regierungen nur die richtige Politik betrieben, ist daher aus unserer Sicht eine fatale Illusion. Sie trägt zur Legitimierung derjenigen Institutionen und Verhältnisse bei, die Teil des Problems sind, nicht dessen Lösung. Analog dazu ist auch die Unterscheidung von gutem und schlechtem Kapital problematisch. Im Aufruf zur Gründung des Netzwerkes ist die Rede davon, die Finanzmärkte müssten wieder ihrer eigentlichen Funktion, nämlich der Finanzierung „produktiver Investitionen“, zugeführt werden. Damit wird erstens der Schein erweckt, das primäre Ziel des Kapitals sei nicht der Profit. Zudem ergibt sich dieser aber auch bei produktiven Investitionen aufgrund der zugrunde liegenden Herrschaftsverhältnisse.
Abgesehen davon, ob die Wahl von Staaten und Finanzinstitutionen als Adressaten der Forderungen nicht darauf hinausläuft, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben (diese religiös gefärbte Metapher sei uns hier erlaubt), stellt sich auch die Frage, ob die vom Netzwerk vorgeschlagenen Maßnahmen selbst aus einer rein systemimmanenten, technischen Sichtweise überhaupt geeignet sind, die proklamierten Ziele zu erreichen. Die Tobin-Steuer als zentrale Forderung des Netzwerks beispielsweise wird selbst von solchen WissenschaftlerInnen für zweifelhaft befunden, die das Netzwerk auf seiner Pressekonferenz am 31. 5. aufbietet, um seine Position zu untermauern. Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf urteilen in ihrem Standardwerk „Grenzen der Globalisierung“: „Die Tobin-Steuer wäre also nur eine 'Gut-Wetter-Steuer' und ungeeignet, die in der Finanzkrise aufgepeitschten Wogen zu glätten. Obendrein wäre es naiv, von einer Tobin-Steuer die Stabilisierung des Kapitalismus zu erwarten. Denn auch innerhalb eines Währungsraumes ohne grenzüberschreitende Transaktionen finden spekulative Kapitalbewegungen statt.“ (S. 216) Es scheint, als ob innerhalb des Netzwerkes noch einige Diskussionen über die Tobin-Steuer nötig sind …
Besonders irritiert waren wir durch folgende Formulierung in der Erklärung: „Durch Finanzcrashs werden jahrelange wirtschaftliche Anstrengungen ganzer Volkswirtschaften über Nacht zunichte gemacht.“ Gab es evtl. Leute, die aufgrund der jahrelangen Anstrengungen der „Volkswirtschaften“ profitiert haben? Hier verschmelzen die „Mehrheit der Menschen“ und die „Kapitalbesitzer“, die an anderer Stelle in der Erklärung unterschieden werden, wieder zu nationalen Wertschöpfungsgemeinschaften. Eine derart extrem und unseres Erachtens unzulässig verkürzte Kapitalismuskritik beschwört jedoch Missverständnisse und die Vereinnahmung des Netzwerks für nationalistische Argumentationsfiguren geradezu herauf. Bei allem Verständnis für das im Wesen des Lobbyismus begründete Bedürfnis nach griffigen Parolen, hier werden die Grenzen des Zulässigen überschritten.
Wir würden es begrüßen, wenn das Netzwerk einen Schritt weiter in die richtige Richtung gehen würde: nicht nur die vermeintlichen Auswüchse einer scheinbar aus dem Ruder laufenden globalen Finanzwirtschaft anzugehen, sondern den Kapitalismus selbst zum Gegenstand der Kritik zu machen. Darüber und wo und wie Widerstand gegen die Zumutungen der „Globalisierung“ geleistet werden kann, das möchten wir vom 6. bis zum 8. Oktober in Berlin beim 23. BUKO-Kongress diskutieren. Dazu laden wir alle interessierten Individuen und VertreterInnen von sozialen Bewegungen ein – und damit natürlich auch die Mitglieder des Netzwerkes zur demokratischen Kontrolle der Finanzmärkte.

BUKO-Arbeitsschwerpunkt Weltwirtschaft (24. 5. 2000)

Kontakt: BUKO-Arbeitsschwerpunkt Weltwirtschaft, c/o Bundeskongress entwicklungspolitischer Aktionsgruppen, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg, Tel. 040-393156 BUKOHH@t-online.de
www.epo.de/buko/index.htm

 

Antwort von
Ingo Melchers auf den Offenen Brief des BUKO's.

Der Autor arbeitet für die Stiftung "Umverteilen" im Koordinierungskreis des "Netzwerkes..."

Berlin, den 7. Juli 2000                 

Liebe FreundInnen vom BUKO.

Euer Offene Brief vom 24. Mai 2000 an den KoKreis des Netzwerkes für die   Demokratische Kontrolle der Internationalen Finanzmärkte ist bisher   unbeantwortet geblieben. Das hat ganz sicher nichts mit der mangelnden
Wertschätzung Euch gegenüber zu tun,   sondern mit dem Charakter auch dieses Netzwerkes, das sich ja gerade im Zusammengehen unterschiedlicher Positionen äußert. Es hat aber auch mit der Ehrenamtlichkeit unserer Arbeit und des darin begründeten Zeitmangels für die vielen auf uns zukommenden Aufgaben zu tun. Ich beginne daher einmal eine Antwort, die nicht im Namen und im Auftag des KoKreises erfolgt.

In der Tat gibt es offenbar einige Meinungsverschiedenheiten. Ob beispielsweise die Entstehung des Kapitalismus in das 19. Jahrhundert gelegt werden kann, scheint uns diskussionsbedürftig. Aber zunächst will ich einige eurer Argumente gegen die Erklärung mit dem Text der Erklärung spiegeln. An manchen Stellen drängt sich mir der Eindruck auf, dass Ihr etwas ganz anderes als die Erklärung kritisiert.

1. „Seine [des Kapitalismus] immanente, unausweichliche Krisenhaftigkeit allein auf die quantitativ gestiegenen Kapitalflüsse spekulativen Charakters zurückzuführen, ist zu kurz gegriffen“.

An keiner Stelle deutet die Erklärung auch nur an, dass die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus (ob er nun seit dem 19., dem 16. oder dem 13. Jahrhundert existiert) allein auf Kapitalflüsse spekulativen Charakters zurückzuführen sei. Was ich jedoch tatsächlich sehe, ist eine Verschärfung und Beschleunigung von Krisen, die ich auf die De-Regulierung der Finanzmärkte seit dem Ende der 70er Jahre zurückführen. Und ich glaube auch empirisch zeigen zu können, dass die weltweite Liberalisierung auf den Finanzmärkten mit dazu beiträgt, dass sich die soziale Situation der Mehrheit der Bevölkerung - teilweise dramatisch - verschlechtert hat, während die BesitzerInnen von Geldvermögen immer flexibler und lukrativer ihr Vermögen vermehren konnten. Ich kritisiere das, und glaube, dass es möglich und nötig ist, diesen Trend durch eine internationale soziale Bewegung umzukehren. Und ich fände es angemessen und politisch erstrebenswert, wenn Ihr Euch an diesen Aktivitäten beteiligen könntet.

2. „Ähnliches gilt für den in der Erklärung erweckten Eindruck, als „unterdrückten“ die internationalen Finanzmärkte die demokratischen Regierungen, die eigentlich ganz anderes wollen, als ihnen die Märkte   diktierten“.

Nun, auch hier habt Ihr vielleicht nicht sorgfältig genug gelesen. In der Erklärung steht: „Doch diese Art der Globalisierung ist nicht schicksalhaft und unaufhaltbar. Sie ist von staatlicher Politik zielgerichtet in Gang gesetzt worden.“

Auf der anderen Seite gehe ich jedoch auch davon aus, dass sich der politische Handlungsspielraum für demokratisch gewählte Regierungen kleinerer Länder und jener aus dem Süden in der Tat deutlich eingeschränkt hat. Das progressive Steuersystem, das sich an der ökonomischen Leistungsfähigkeit orientiert, wird durch bewusste Politik in Deutschland langsam in Frage gestellt. In den meisten Ländern des Südens kann jedoch an eine Einführung eines solchen Systems unter den aktuellen Bedingungen überhaupt nicht gedacht werden, selbst wenn dort der politische Wille entsprechend wäre. Das Gleiche gilt für nationale Kapitalverkehrskontrollen jeglicher Art und andere Re-Regulierungsmassnahmen. Ich glaube in der Tat, dass es sich hier um einen wichtigen Punkt handelt,
den man nicht mit allzu großen Formulierungen einebnen sollte.

3. Aus dem Gesagten ergibt sich auch, dass dem Netzwerk schwerlich vorzuwerfen ist, es hätte „ein Staatsverständnis, das im Nationalstaat eine an sich neutrale Instanz sieht“. (Immerhin werft Ihr uns – neben dem Etatismus - nur eine neo-keynesianische  und nicht etwa eine monetärkeynesianische Schlagseite vor).

Ignacio Ramonet sprach am Abend des 31. Mai von Entäuschungen der letzten Zeit. Eine davon sei die Demokratie. Auch ich sehe immer deutlicher die Demokratiedefizite, die die internationalen Finanzmärkte den Gesellschaften aufzuzwingen in der Lage sind und die Rolf E. Breuer nun sogar als 5. Kraft  und als effizientes Korrektiv hochleben lässt. Der lapidare Verweis auf eine  materialistische Staatstheorie hilft uns (und euch) an dieser Stelle nicht  wirklich weiter.  Ulli Brandt, Mitglied im BUKO Arbeitsschwerpunkt Weltwirtschaft, schreibt zu  diesem Thema in der jüngst veröffentlichten Studie über Global Governance „Wie im Fall des Zauberlehrlings, der den Geist, den er selbst aus der
Flasche ließ, nicht mehr beherrscht, diktieren die internationalen  Finanzmärkte den gewählten Regierungen heute die Grundlinien der  Wirtschafts- und Sozialpolitik...“. Nun, das ist vielleicht ein wenig zu krass formuliert. Aber in der Tendenz ist dieses Problem kaum von der Hand  zu weisen.

4. Ihr meint, wir hätten noch Diskussionsbedarf in Sachen Tobin Tax. Den haben wir in der Tat, und es würde mich geradezu irritieren, wenn bei Euch die Diskussion über dieses und andere Instrumente bereits abgeschlossen wäre. Zunächst einmal eine Korrektur: Wir denken keineswegs, dass die Tobin Tax die Welt von ihrer ökonomischen Krisenhaftigkeit befreien wird; eine solche Formulierung werdet Ihr bei uns vergeblich suchen. Wenn jemand von Euch an dem bundesweiten Ratschlag des Netzwerkes Mitte April teilgenommen hätte, wäre Euch diese Formulierung wohl nicht unterlaufen. Hier wie an anderen Stellen haben wir deutlich gemacht, dass die Tobin Tax keineswegs als ein Allheilmittel zu betrachten sei, dass sie nicht in der Lage ist, eine bereits krisenhafte Zuspitzung zu verhindern. Die Tobin Tax halten wir für eines von mehreren sinnvollen Instrumenten, das geeignet ist, Menge und Tempo aus den Finanzmärkten herauszunehmen und damit eine Stabilisierung der Finanzmärkte – wie Ihr richtig schreibt – in Schönwetterperioden zu erreichen. Und das Netzwerk stellt die ökonomische Lenkungswirkung in den Vordergrund, nicht ihre Aufkommensseite. Ich sehe in dem Kampf für eine Tobin Tax auch die Seite der breiten internationalen Bewegung, die sich für ihre Durchsetzung einsetzt. Insbesondere der Widerstand der Wall Street in den USA zeigt uns, dass ohne massiven Druck von unten mit der Einführung der Tobin Tax nicht zu rechnen ist. Es gibt aus unserer Sicht kein vernünftiges inhaltliches Argument gegen diese Steuer, nur Interessen. Die Tobin Tax allein wird aber nicht das höh’  re Wesen sein, das uns rettet. Natürlich nicht. Aber es lohnt sich, dafür zu kämpfen.

5. Nun zu der von Euch definierten Grenze des Zulässigen: Ihr habt recht, wenn Ihr davor warnt, dass nationalistische Argumentationsfiguren keinen Platz haben dürfen in unserem Netzwerk. Wir haben dies bereits auf dem ersten Ratschlag in Frankfurt hervorgehoben und werden weiterhin sehr achtsam sein. Aber uns vorzuwerfen, wir würden dem ideologischen Bild von „nationalen Wertschöpfungsgemeinschaften“ das Wort reden, mithin nicht zu trennen zwischen KapitalbesitzerInnen und der Mehrheit der Menschen, ist - Entschuldigung – Quatsch. Fakt ist doch, dass in Brasilien, Mexiko, Russland, den asiatischen Tigerstaaten etc. die GeldvermögensbesitzerInnen sich massiv zulasten der breiten Mehrheit bereichert haben und immer dann nach dem Staat schreien, wenn ihnen Verluste drohen. In diesen Situationen werden typischerweise die Verluste sozialisiert – mit dramatischen sozialen Verarmungsprozessen, die in dieser Radikalität und Geschwindigkeit nicht mit einer allgemeinen Kapitalismuskritik hinreichend erläutert werden. In der Erklärung steht:

„Während eine kleine Gruppe von Globalisierungsgewinnern immer reicher und mächtiger wird, wachsen weltweit soziale Unsicherheit, Ausgrenzung und Armut. Die Kluft zwischen und innerhalb von Industrieländern und Entwicklungsländern wird immer größer.“ Die wachsende soziale Polarisierung weltweit ist eines der Themen und Begründungen für die Bildung des Netzwerkes zur demokratischen Kontrolle der internationalen Finanzmärkte. Was kritisiert Ihr? Unsere Erklärung sicher nicht.

Abschliessend möchte ich Euch danken für Eure Auseinandersetzung mit dem Netzwerk. Ich hoffe, sie geht weiter. Und ich hoffe, dass der BUKO die Erklärung unterzeichnen wird und seine Positionen innerhalb eines heterogenen (und übrigens menschlich sehr sympathischen) Netzwerkes einbringen wird. Eure Unterstützung wäre uns sehr willkommen.


Anwort des
"Netzwerkes ..." an den BUKO

17. Juli 2000                    

Liebe Leute vom Arbeitsschwerpunkt Weltwirtschaft des BUKO,

Herzlichen Dank für euren Offenen Brief vom 24. Mai. Bitte entschuldigt, dass euch unsere Antwort erst jetzt erreicht.

Wir haben uns über eure "solidarische Kritik" gefreut, obgleich wir in vielen Kritikpunkten sicherlich unterschiedliche Auffassungen vertreten.
Ihr weist zu Recht darauf hin, dass viele der Formulierungen in unserer "Erklärung zur demokratischen Kontrolle der internationalen Finanzmärkte" noch der Präzisierung bedürften. Eine einseitige Erklärung wie unsere erhebt aber auch nicht den Anspruch, eine akkurate Analyse des Kapitalismus vorzulegen.

Dies ist verschiedenen Umständen geschuldet. Zum einen handelt es sich bei unserem Netzwerk um ein noch recht junges Bündnis, welches einen internen Austausch über unterschiedliche Herangehensweisen und Positionen bei weitem noch nicht abgeschlossen hat. Schon jetzt ist aber abzusehen, dass sich hinsichtlich vieler Fragen kein Konsens im Netzwerk wird finden lassen wird.
Insofern ist die mangelnde Präzision einzelner Forderungen auch dem Versuch geschuldet, Formulierungen zu finden, die von möglichst vielen kritischen Geistern, auch jenseits der kleinen entwicklungspolitischen Szene, mitgetragen werden können. Wir begreifen dies als Stärke.

Daraus resultiert auch, dass wir als Koordinierungskreis des Netzwerks zu den von euch kritisierten einzelnen Punkten keine einheitliche Reaktion abgeben können. Einzelne wollen aber in Stellungnahmen für sich oder ihre Organisation auf eure Kritik noch näher eingehen.

Eure offensichtlich intensive Auseinandersetzung mit unserer Erklärung und die Einladung zum BUKO nach Berlin weckt in uns die Hoffnung, dass ihr auch in Zukunft für eine konstruktive Auseinandersetzung offen seid. Wir würden uns um so mehr freuen, wenn ihr eure Kritik in Zukunft durch eine Mitarbeit im Netzwerk direkter und frühzeitiger einbringen würdet.
Angesichts der Vielfältigkeit der am Netzwerk beteiligten Gruppen und Organisationen wünschen wir uns für die Zukunft, dass sich das Netzwerk und der BUKO Arbeitsschwerpunkt Weltwirtschaft nicht in die selbstauferlegte Isolation einer "wir" "die" Dichotomie begeben. Eure kritischen Anmerkungen teilen womöglich mehr Menschen im Netzwerk als ihr denkt, ohne aber deshalb von einer Mitarbeit abzurücken.

In Erwartung eurer kritischen Begleitung verbleiben wir mit solidarischen Grüßen.

Für den Koordinierungskreis,   Philipp Hersel, BLUE 21 und   Werner Rätz, ila

Anwort von
Werner Rätz auf Ingo Melchers

Ingo Melchers' Kritik am Offenen Brief des Arbeitsschwerpunkts Weltwirtschaft des Buko an das Netzwerk zur Kontrolle der Finanzmärkte trifft in ihrem strukturellen Hauptargument zu - leider, ist man versucht zu sagen: Die AutorInnen des Offenen Briefes argumentieren in der Tat an der Erklärung des Netzwerkes vorbei. Gelegentlich unterstellen sie dem Text das gerade Gegenteil dessen, was da steht. Das entwertet die Buko-Kritik und ermöglicht es Ingo Melchers, sie leichter zurückzuweisen, als sie es verdient hätte.
Beide Seiten übersehen oder übergehen die Tatsache, dass das Netzwerk ein äußerst heterogenes Zweckbündnis ist. Man hat sich darauf verständigt, bestimmte aktuelle Ausdrucksformen der kapitalistischen Globalisierung zu kritisieren und auf Änderungen zu drängen. Dazu haben die Beteiligten unterschiedliche, gelegentlich auch gegensätzlich Motive und Gründe. Für die Informationsstelle Lateinamerika stand und steht im Vordergrund, dass wir in unserer politischen und publizistischen Praxis seit Jahren erleben, wie auch durchaus kritische Menschen den Eindruck haben, dem Kapitalismus wie einer Naturgewalt, gegen die man nichts machen kann, ausgeliefert zu sein. Wir halten es für extrem wichtig, hier ein Stück Handlungsfähigkeit, politische Gestaltungsfähigkeit zurückzugewinnen. Dass dies "zur Legitimierung derjenigen Institutionen und Verhältnisse (bei)trägt, die Teil des Problems sind, nicht dessen Lösung", wie Buko schreibt, ist so richtig wie banal. Wer unter den gegebenen Kräfteverhältnissen Politik nicht auf reine Kritik beschränken will, wird schon froh sein müssen, überhaupt kleine reformistische Schritte durchsetzen zu können. Aber so eindeutig diese den Kapitalismus als solchen nicht abschaffen können, so sehr wären sie doch in der Lage, die kapitalistische Globalisierung als scheinbaren Sachzwang in Frage zu stellen.
Die in dieser Einschätzung enthaltene grundsätzlich antikapitalistische Position ist im Netzwerk mitnichten Konsens. Dort gibt es keinerlei gemeinsame Vorstellung davon, was "Kapitalismus" eigentlich ist und vermutlich noch nicht einmal darüber, dass er etwas grundsätzlich Abzulehnendes sei. Form und Ursache der Krisenhaftigkeit desselben sind völlig undiskutiert und ganz sicher zwischen vielen äußerst kontrovers. Auch darüber, ob diese Krisen Wesensmerkmal oder doch prinzipiell zu bändigen seien, ließe sich wohl noch nicht einmal im Koordinierungskreis Übereinstimmung erzielen. Beim 2.Ratschlag des Netzwerkes im April in Hannover waren gar einige Gesellianer mit ihren offen rechtslastigen Thesen unwidersprochen geblieben, die nun wirklich in einem seriösen politischen Bündnis nichts verloren haben.
Ähnlich verhält es sich mit anderen Punkten der Buko-Kritik und Ingo Melchers' Zurückweisung derselben. Es gibt tatsächlich in der Netzwerk-Erklärung weder die Aussage, die Märkte zwängen Regierungen, gar diejenigen der großen kapitalistischer Staaten, zu einer Politik, die diese nicht wollten, noch die Aussage, der Staat sei eine neutrale, für alle verfügbare Instanz. Da hätten die FreundInnen vom Buko genauer lesen sollen - oder ihre Kritik präziser plazieren: Im Netzwerk gibt es selbstverständlich Gruppen und Individuen, die den Satz über die Unterwerfung demokratisch gewählter Regierungen unter die Disziplin der Konzerne nicht in erster Linie auf kleine oder südliche Länder beziehen, wie Ingo Melchers das tut. Viele sehen im Nationalstaat, und zwar konkret im deutschen Nationalstaat, tatsächlich ein Instrument gegen die kapitalistische Globalisierung, wenn nicht sogar das einzige oder doch einzig wirkungsvolle. In großen Teilen des Netzwerkes, wahrscheinlich bei der ganz überwiegenden Mehrheit, gibt es ein Staatsverständnis, das diesen als "neutrale Instanz sieht, derer sich alle gleichermaßen bedienen können". Dass dies nicht ausdrücklich in der Erklärung steht, ist Minderheitenschutz für linke Positionen, für den ich dankbar bin, aber mehr auch nicht.
Auch von "Anstrengungen ganzer Volkswirtschaften" kann in der Tat nur gesprochen werden, wenn ausgeblendet wird, wie wirtschaftliche Leistungen erbracht und Ergebnisse und Lasten verteilt werden. Ich hielt das aus populistischen Gründen für akzeptabel (teile also ich die Buko-Kritik des Überschreitens der zulässigen Grenze), aber selbstverständlich enthält die Formulierung die Missverstehensmöglichkeit von der "nationalen Wertschöpfungsgemeinschaft" - auch wenn das so nicht ausdrücklich im Text steht. So richtig, wie also Ingo Melchers' Verweis auf die Entwicklungen in "Brasilien, Mexiko, Russland, den asiatischen Tigerstaaten etc." ist, so sehr geht es doch darum, die Berechtigung der Buko-Kritik an diesem Punkt anzuerkennen und einen Weg zu suchen, wie unmissverständlich klar wird, wovon wir eigentlich sprechen.
Die Erklärung des Netzwerkes hatte die Aufgabe, einen minimalsten Rahmen abzustecken, auf den man sich gemeinsam beziehen kann. Das bedeutet keine Vereinheitlichung von Positionen darüber hinaus; oft stehen auch im Text Kompromissformeln, die interpretierbar sind. Leider hat Buko diese Widersprüchlichkeit nicht zum Ausgangspunkt der Kritik gemacht und der Erklärung so eine Bedeutung beigemessen, die sie nicht hat. Ingo Melchers' Replik verstärkt diese fatale Überschätzung der Erklärung noch.
Dabei käme es darauf an, in einem solidarischen Diskussionsprozess (den ja auch Buko will) nach Möglichkeiten zu suchen, gemeinsame Punkte zu finden und politische Schritte zu verabreden. So hat die ila ihre Beteiligung am Netzwerk verstanden, deshalb haben wir die Erklärung unterzeichnet, obwohl "viele Sätze auch von Ludwig Erhard hätten sein können", wie es in unserer internen Diskussion formuliert wurde, und so verstehen wir auch die Forderungen der Erklärung. Wir fänden es außerordentlich nützlich, wenn Buko und andere Gruppen der Solibewegung sich an diesen Diskussionen und an der Arbeit mit dem und im Netzwerk beteiligen würden - nicht zuletzt deshalb, weil dies das kritische Element innerhalb von dessen Heterogenität stärken würde.

GERMANWATCH zur Nichtunterzeichnung
der "Erklärung für eine demokratische Kontrolle

der internationalen Finanzmärkte"

* GERMANWATCH ist an einer offenen und lebendigen Diskussion über politische Inhalte und Perspektiven im Zusammenhang mit den Internationalen Finanzmärkten sehr interessiert. Darum hat sich GW auch an der ATTAC-Deutschland - Debatte aktiv beteiligt. Gerade dort, wo nach innen und außen noch Diskussionsbedarf existiert, hält GW es für sinnvoll, den argumentativen Austausch zu suchen, wie er sich ja zum Teil auf e-mail-Ebene mittlerweile erfreulich niederschlägt.

* Die Diskussionen sollten allerdings nicht durch vorschnelle Positionspapiere oder Deklarationen behindert werden. Da die breite Debatte über die Internationalen Finanzmärkte soeben erst in neuer Qualität begonnen hat, sah und sieht GERMANWATCH aufgrund des unzureichenden Diskussionsstandes auch mit seinen Mitgliedern und Regionalgruppen keine Möglichkeit, die Erklärung zu den Finanzmärkten unter enger Zeitrestriktion zu unterzeichnen. Dies hat der GW-Vorstand am 5. Mai 2000 so beschlossen. Zur Richtigstellung: die Berliner Regionalgruppe hat die Erklärung entgegen anderslautenden Darstellungen ebenfalls nicht unterzeichnet.

* GERMANWATCH befürchtet auch, dass durch die in der Öffnungspassage der Erklärung gewählte Rhetorik die Unterstützung wichtiger Bündnispartner ausbleibt. Wäre, im Bewusstsein der in Deutschland etablierten politischen Kultur, eine neutralere Fassung unserem Anliegen nicht viel dienlicher? Und könnten wir damit nicht viel mehr Menschen für unsere Forderungen gewinnen? [Z. B. hat die Öffnung der Kapitalmärkte auch Vorteile gebracht. Die derzeitige schrankenlose Öffnung aber nicht. Hier ist eine Reregulierung erforderlich. Dazu gibt es eine ganze Reihe sinnvoller Vorstellungen (z.B. auch vom BIZ Komitee, die jetzt auch bei der IWF/Weltbank-Tagung diskutiert wurden). Selbst der Bundesbank sind Ausmaß und Tempo der reregulierenden Rahmenabstimmung unzureichend.]

* Daneben gibt es in der vorgeschlagenen Erklärung mehrere Forderungen, die problematisch, unscharf bzw. zumindest missverständlich sind. Es handelt sich konkret um die Punkte:

   - a) Keine Privatisierung der Altersversorgung
   - b) Das Verbot von spekulativen Derivaten und der hochspekulativen "Hedge-Funds"
   - c) Schuldenstreichung für die Entwicklungsländer
   - d) Stabilisierung der Wechselkurse zwischen den drei Hauptwährungen Dollar, Euro und Yen

Zu a) : Unklar ist, ob mit "keine" alle Ansätze, also auch Mischansätze, die neben der auch aus unserer Sicht unbedingt erhaltenswerten paritätisch finanzierten gesetzlichen Altersversorgung auch private Elemente vorsehen, langfristig ausgeschlossen bleiben sollen. Im Kontext der demographischen Entwicklung, der internationalen Einflüsse und im Rahmen ethischer Anlageoffensiven erscheinen uns solche Mischansätze zumindest auch bedenkenswert zu sein.

Zu b) : Risikoabsicherungs-Verfahren wie Derivate oder Hedging sollten gerade zum Schutze von kleineren Unternehmen gegenüber den ganz Großen nicht von vornherein ausgeschlossen sein (was diese Forderung tendenziell nahe legen könnte). Es muss jedenfalls viel deutlicher definiert werden, was unter "spekulativ" bzw. "hochspekulativ" gemeint ist.
Die Auswüchse und die negativen Auswirkungen, wie z.B. die Destabilisierung ganzer Volkswirtschaften und damit der sozial Schwächsten, müssen natürlich unterbunden werden, doch nicht die Verfahren als solche.
Absicherungen des internationalen Handels und ausländischer Investitionen gegenüber Preis- oder vor allem Wechselkursveränderungen müssen möglich bleiben.

Zu c) : Hier wird leider nicht an die aktuelle und detaillierte Debatte angeknüpft, die wir im Rahmen der überaus breit angelegten Erlassjahr-2000-Kampagne in Deutschland haben. "Schuldenstreichung für d i e Entwicklungsländer" läßt vermuten, dass hier eine 100%-ige unkonditionierte Schuldenstreichung für alle Entwicklungsländer gemeint sein soll. Dies gegenüber den Gläubigern durchzusetzen ist nicht nur gänzlich unrealistisch.
Die notwendige Beteiligung der unmittelbar betroffenen Bevölkerungsgruppen - als eine grundlegende Konditionalität - wird dabei genauso wenig reflektiert, wie die Diskussion um ein internationales insolvenzrechtliches Verfahren, die gerade nicht mit der Vorstellung einer schnell ausgesprochenen Schuldenstreichung argumentiert, sondern faire und transparente Verhandlungen fordert.

Zu d) : Wieso das Allheilmittel in einem System stabiler Wechselkurse zwischen den Hartwährungsländern gesehen wird, ist uns nicht ersichtlich. Was ist mit den "weichen" Währungen der Entwicklungsländer? Die sind dann nur noch Spielball und sollten sich schnellstmöglich einem der großen Blöcke anschließen. Wie weit ist man da noch von der alleinigen Dominanz des US-Dollars oder einer Hegemonie von Dollar, Yen und Euro entfernt?


Wir sind der Meinung: Die "Einfachheit" dieser vier Forderungen spiegelt nicht die Komplexität der in diesen Themenfeldern stattfindenden bzw. notwendigen Diskussionen wieder.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: GERMANWATCH will gerade angesichts der notwendig zu führenden Diskussionen auch weiterhin im Netzwerk zur demokratischen Kontrolle der Finanzmärkte mitarbeiten. Insofern sind wir bereit, uns insbesondere weiter im Koordinierungskreis einzubringen sowie das Netzwerk und seine Geschäftsstelle im vorgesehenen Rahmen finanziell zu unterstützen.

Berlin, 13.7.2000

+++   Erklärung   +++   Über das Zustandekommen  +++   Offener Brief vom BUKO an das Netzwerk  +++  Antwort von Ingo Melchers    +++   "Netzwerk ..." an den BUKO   +++   Werner Rätz auf Ingo Melchers  +++   GERMANWATCH zur Nichtunterzeichnung   +++ 

 

Daniel Kreutz ex-Grüner MdL/NRW 1990-2000schrieb am 20 Juli, 2000

Liebe KollegInnen,

Man mag die jeweiligen Positionen vertreten, wie sie sind. Man mag argumentieren und zu überzeugen suchen.

Aber da ich den deutlichen Eindruck habe, dass sich hier nicht zwei "gegnerische" Lager gegenüberstehen, sondern sich sämtliche KontrahentInnen auf jeweils ihre Weise für eine politische Richtung engagieren, die allemal in scharfem Konflikt mit den Protagonisten und Profiteuren der Globalisierung und seiner neoliberalen ProphetInnen (einschließlich jener der rot-grünen Neuen Mitte) stehen, vermag ich nicht zu begreifen, warum man für notwendig erachtete Diskussionen nicht unter dem Dach der "Erklärung" und damit des gemeinsamen öffentlichen Eintretens für gemeinsame (Teil-)Ziele führen kann.

Mehr noch: In heutiger Zeit, in der die Kampfthesen der globalisierten Neoliberalen nahezu den Rang einer Staatsreligion in der veröffentlichten Meinung angenommen haben, halte ich es für unser aller vornehmste Aufgabe, unsere Kräfte neu zu bündeln, um zumindest wieder wahrnehmbare Pole einer "anderen" Meinung, des Engagements für eine menschliche und nachhaltige Zivilisation zu Stande zu bringen.

Und wer immer versucht, nicht eine politische Glaubensgemeinschaft zu bilden, sondern in einer konkreten gesellschaftspolitischen Lage für bestimmte "Reformziele" Politik zu machen, wird stets damit leben müssen, auch ein paar abstruse Elemente (wie die Gsellianer) anzuziehen. Das ist so lange nicht schlimm, wie die öffentliche Überzeugungskraft der gemeinsamen Bestrebungen auf Seiten der zurechnungsfähigen Mehrheiten bleibt. Ich hielte es für ein fatales Eigentor, wenn wir uns heute von solchen Marginalkräften davon abhalten ließen, gegen die Gefahren deregulierter Finanzmärkte und die durch sie dynamisierte Spaltung der nationalstaatlichen wie der globalen Gesellschaft in "die im Licht" und "die im Dunkeln" ZUSAMMENZUGEHEN!

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Kreutz , (ex-MdL/NRW 1990-2000, ex-Grüner und Mitautor von "Zukunftsfähigkeit und Teilhabe - Aternativen zur Politik der rot-grünen Neuen Mitte, VSA 2000)


Thomas Klouth schrieb am 21 Juli, 2000

Liebe TeilnehmerInnen und BeobachterInnen der Debatte um eine Demokratische Kontrolle der Internationalen Finanzmärkte!

Bei einer Beurteilung der "Erklärung" und der dahinter stehenden Netzwerk-Aktivitäten mache ich den Vorschlag, Form und Inhalt getrennt voneinander zu betrachten.
INHALTLICH gibt es selbstverständlich zahlreiche diskussionswürdige Punkte, über die ohne Zweifel auch innerhalb des Bündnisses niemals ein Konsens zu erreichen sein wird, wenn es denn ein sehr breites, internationales Bündnis sein soll. Da dem so ist und nicht anders sein kann, scheinen mir unkonkrete bzw. Kapitalismus-theoretisch fragwürdige Formulierungen verzeihbar. Persönlich hätte ich inhaltlich über die "Erklärung" hinaus lediglich das Interesse an einem Konsens, für reaktionäre Interpretationen bzw. die Beteiligung solcher Gruppen nicht den geringsten Raum zu lassen. In Kenntnis neurechter Argumentationsmuster würde mich z. B. wundern, wenn Gruppen gegen "das internationale Kapital" und für eine "Reinhaltung der Kulturen" etc. etc.NICHT sehr bald versuchen würden, auf den Zug aufzuspringen. Hier müssen wir alle sehr wachsam sein!

Davon abgesehen scheint mir das Bündnis seiner FORM nach ein vielversprechender Ansatz, 1. weltweit viele Menschen zu politisieren, die sich ansonsten vielleicht nie solche Gedanken machen würden; 2. dies gerade mit einem Thema, von dem die "Herrschenden" bisher glücklich waren, dass es "Expertenzirkeln" vorbehalten war; 3. damit einen Widerstand zu organisieren, der zwar vermutlich auch nicht schnurstraks in den weltweiten Sieg einer sozialistischen Revolution führt (sollen wir darauf warten?), aber immerhin den Verwertungsinteressen des Kapitals Grenzen setzen könnte, die entsprechenden Mechanismen aufdeckt und schließlich 4. mit alledem unter Aneignung moderner Techniken den schon lange international organisierten Kapitalinteressen einen internationalen Widerstand entgegensetzt, nachdem unsere Hoffnungen in Hinblick auf eine international den Sozialismus erkämpfende Arbeiterklasse bislang noch nicht so richtig erfüllt wurden.

Ich würde mir daher sehr wünschen, dass Organisationen wie der BUKO und GERMANWATCH an ein Pamphlet wie der "Erklärung" nicht den Anspruch stellen, dass sie ihre theoretisch geschulten Überzeugungen 100%ig widerspiegelt. Gerade Eure Mitarbeit INNERHALB des Bündnisses scheint mir wichtig, um eine fortschrittliche Stoßrichtung zu gewährleisten, das Netzwerk zu stärken und diese einmalige Chance zu nutzen, eine internationale, fortschrittliche Bewußtseinsbildung bei vielen Menschen zu unterstützen. Die Machtverhältnisse sind nicht so, dass wir eine solche Chance leichtfertig ausschlagen sollten.

Mit solidarischen Grüßen
Thomas Klouth

 Haagan Teauraaka schrieb am 24. Januar, 2001

IHR streitet über die Behandlung des Feindes bevor ihr ihn besiegt habt. Das ist irrational.Ihr verzettelt Euch mit irrelevanten Detaildiskussionen und führt auf elitärem überintellektualisiertem Niveau sektiererische ideologische Scheingefechte,anstatt die Vorraussetzungen dafür zu schaffen ,daß ihr die Kapitalisten tatsächlich einer Besteuerung unterwerfen könnt,was übrigends sehr wünschenswert wäre. Die internationale Volkssouveränität ist der Schlüssel.und die Tobin-Steuer ist nur ein schwacher Anfang,bei ihrer Gewinnung und noch nicht einmal der Weg zu ihrer Gewinnung. Ihr müßt die kapitalistischen Metropolen rigoros entmachten und euch zu diesem Zweck mit der Mehrheit der Menschen in den Entwicklungsländern verbünden.Und dabei stören Dogmen nur!

Ihr solltet verstärkt an ParlamentarierInnen der Entwicklungsländer herantreten. Das ist der Weg zum Erfolg

24 .1.2001 Haagan Teauraaka

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Vielen Dank für das Mitmachen

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