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Befreiung und Theologie

aus Befreiungstheologie / ila 256

Himmlischer Cyberspace 
Befreiungstheologie im Internet
von José-María Vigil

Theologie im Internet, sogar Befreiungstheologie – ist doch out, könnte man meinen. Der Erfolg von Servicios Koinonia – Gemeinschafts-Dienste – widerlegt es und lässt auch für den Cyberspace hoffen. Koinonia, der bibelgriechische Ausdruck für die christliche Güter-Gemeinschaft, ist Programm: eine Ideen-Kooperative, eine Debatten-Gemeinschaft, an der sich alle beteiligen können. Ohne Geld werden die Güter dieser Gemeinschaft verbreitet und kostenlos können sie benutzt werden. José-Maria Vigil, lateinamerikanischer Befreiungstheologe ist Gründer und lebt in Managua, Nicaragua.

Servicios Koinonia (SK) wurde Ostern 1993 in Managua gegründet. Mit Unterstützung von Nodo Nicarao entstand in wenigen Tagen der Dienst im Cyberspace: RELat, Revista Electronica Latinoamericana de Teología, und der Servicio Biblico, der bibeltheologische Kommentar. Beide sind bis heute die Säulen, das Herz von Servicios Koinonia (SK), und scheint nach unseren vorsichtigen Recherchen wirklich die erste theologische Zeitschrift und der erste Bibelkommentar im Internet überhaupt gewesen zu sein. 1995 installierten wir SK im Web, dieses Mal mit der UCA, der Katholischen Universität von Managua, die uns als host großzügig aufnahm. Seitdem geht es kontinuierlich um einen guten technischen Standard und um neue Möglichkeiten.

RELaT – Die digitale Zeitschrift

Inhalt von RELaT ist Theologie der Befreiung – wir könnten es auch im weiten Sinne als „lateinamerikanische Theologie“ bezeichnen, als Theologie aufgrund der typischen spirituellen Option in Lateinamerika, insbesondere aufgrund der Option für die Armen. RELaT will dieses Themenfeld durch eine interdisziplinäre Perspektive weiten, indem sie auch soziologische, analytische, historische oder pastorale Beiträge veröffentlicht.
Ein wichtiges Detail der RELaT-Konzeption besteht darin, dass Artikel und Texte, die wir als klassisch betrachten, weltweit im Netz zugänglich sind. Es handelt sich dabei um ältere Beiträge, die Geschichte gemacht haben und zu einem unverzichtbaren Bezugspunkt geworden sind. Andererseits bleibt jede „Neuheit“ natürlich im Netz, so dass sich im Laufe der Zeit eine digitale Sammlung gebildet hat, gleichsam eine Bibliothek, die sich ständig weiterentwickelt. Texte mit nur aktuellem Bezug und Inhalt werden nicht aufgenommen im Gegensatz zu solchen mit einem gewissen bleibenden Wert. 

Zweite wichtige Grundlage ist unser LeserInnen-Service. Auch wenn wir keine Studie über unsere Leserschaft haben, und nie machen wollen, so gibt es täglich Reaktionen unterschiedlichster Art. Eine Regel halten wir dabei strikt ein: „immer antworten“. Ergebnis ist eine Art Familiensinn, der sich im Laufe der Jahre entwickelt hat. Bis heute gab es schon mehr als 600 000 Besuche auf unserem Portal. Wir rechnen aber schätzungsweise mit dem Vierfachen, weil der Zähler spät installiert wurde (Juni 1996) und weil viele direkt auf Unterseiten gehen. Täglich gibt es durchschnittlich etwa 650 Besuche, absoluter Rekord waren 1098 Besuche an einem Tag. 
Kostenlos und ehrenamtlich

Servicios Koinonia ist von Beginn an kostenlos bzw. auf der Basis freiwilliger Mitarbeit. Es sollte ein Postfach sein, wo die TheologInnen, die schreiben „um gelesen zu werden“, ihre Texte einsenden können – gratis – und wo jedeR Texte sichten, downloaden und verbreiten kann. Wir bezahlen keine Abdruckrechte. Das Postfach ist eben eine „koinonia“, eine geistige Gütergemeinschaft. In SK konnten wir seit der Gründung 1993 diese freiwillige Arbeit durchhalten, allerdings mit einer Ausnahme: zwölf Monate lang erhielten wir von einem Hilfswerk monatlich 250 US-Dollar für einen Computerfachmann. Ansonsten hat SK immer ohne Bezahlung und ohne Einkommen gelebt. Heute sind wir drei Personen, die hinter den 2000 Archiven und Dokumenten stehen.

Wie decken wir die Kosten, die trotz aller Sparsamkeit anfallen, etwa für Hard- und Software? Durch den Verkauf der „Agenda Latinoamericana“ (Jahresalmanach mit ca 250 Artikeln und einem Innenteil als Terminkalender), die letztlich zu einem Buch geworden ist. Die AutorInnen verzichten auf Einnahmen für ihre Veröffentlichungen. Diese Erfahrung hat mich völlig davon überzeugt, dass unser Eifer a la Don Quichote, diesen Weg ohne Projektanträge und institutionelle wirtschaftliche Hilfen zu gehen, uns viel effektiver und schneller agieren ließ. Wenn SK als eine echte Institution konzipiert worden wäre, ein pastorales Dienstleistungszentrum... ich bin sicher, der Haushaltsplan wäre enorm hoch und seine Wirkung viel eingeschränkter.

Hier zum Schluss noch einige Unterseiten, die in dieser Internetzeitschrift zu finden sind:
– Revista Electronica Latinoamericana de Teología (RELat). Seit 1993, über 300 Artikel.
– Servicio Biblico Latinoamericano: bibeltheologischer Kommentar von höchstens 800 Worten zu den sonntäglichen Bibellesungen und ein Kommentar von höchstens 300 Worten für die jeweiligen Wochentage. Es sind von Fachleuten geschriebene Originaltexte, die in verschiedene Sprachen übersetzt sind. (englisch, portugiesisch, italienisch)
– Martirologio Latinoamericano: Tägliche Erinnerungen an und einige Biografien von lateinamerikanischen Märtyrerinnen und Märtyrern.
– Die Seite von Monseñor Romero: Seine Predigten zu verschiedenen Anlässen.
– Die Seite von Pedro Casaldáliga: Seine Gedichte, Artikel, Briefe...
Und vieles mehr: Tambo, eine Art Pinnwand für Meinungen; Zeichnungen für jeden Sonntag; ca. 80 Artikel als Kurzkommentare... selbst weiter surfen! www.servicioskoinonia.org (spanisch)

Übersetzt und zusammengefasst von Werner Huffer-Kilian

Weitere Adressen für befreiungstheologische Arbeit:
DEI, Departamento Ecumenico de Investigacion (Ökumenisches Forschungszentrum in Costa Rica):
www.dei-cr.org (spanisch)
UBL, Universidad Bíblica Latinoamericana (Lateinamerikanische Bibeluniversität) in Costa Rica): www.ubl.faithweb.com (spanisch)
Die IKvu (Initiative Kirche von unten) hat auf ihrer Website u.a. eine Seite zu Theologie der Befreiung (Zeittafel, Bücher) www.ikvu.de/befreiungstheologie (deutsch)

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