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Nachrufe

Helmut Frenz war ein streitbarer Kämpfer für die Menschenrechte, der konsequent an der Seite der Opfer stand. Den Verlautbarungen der Mächtigen misstraute er und solange nicht alle Zweifel ausgeräumt waren, stellte er die offizielle Version in Frage – in Lateinamerika ebenso wie in Europa. Nach seinem Abschied bei amnesty 1985 arbeitete er in der kirchlichen Flüchtlingsarbeit in Norddeutschland, wo er sein Engagement auf anderer Ebene fortsetzte. In den letzten Jahren lebte er wieder zeitweilig in Chile, wo ihm die damalige Präsidentin Bachelet 2007 für sein Engagement gegen die Diktatur die Ehrenbürgerwürde verlieh. Helmut Frenz starb am 13. September 2011 im Alter von 78 Jahren in Hamburg.

Es waren nicht nur sein großes Wissen und sein politisches Gespür, von dem die BUKO und die radikale Linke profitierten, sondern seine ganze Persönlichkeit. Radikale Kritik bedeutete für Moe nicht eine abstrakte Infragestellung von Herrschaft, sondern Kritik im Handgemenge. Moe wusste seine grundsätzliche Kritik an den bestehenden Verhältnissen praktisch werden zu lassen und mit konkretem politischen Engagement zu verbinden. Moe konnte in seinen Texten enorm scharf formulieren, er hatte einen bissigen, im positiven Sinne herausfordernden Humor. Gleichzeitig strahlte er gerade in einer Situation der Krise sozialer Bewegungen, wie sie für die BRD der 1990er Jahre kennzeichnend war, eine informierte Gelassenheit aus, die keinen Zweifel daran ließ, dass für emanzipatorische Projekte auch wieder bessere Zeiten anbrechen würden. Josef  "Moe" Hierlmeier ist am 17. Juni 2011 an einem Herzinfarkt gestorben. Wir haben mit ihm einen Freund und einen unserer wichtigsten politischen Mitstreiter verloren.

Vor wenigen Tagen erhielten wir die traurige Nachricht, dass unsere Autorin Leonora Carrington am 25. Mai 2011 im Alter von 94 Jahren in Mexiko-Stadt gestorben ist. Leonora Carrington war eine der letzten Künstlerinnen des klassischen Surrealismus. Die Malerin und Dichterin war nicht nur die oft beschriebene Muse ihrer männlichen Kollegen. Wohl war sie mit Max Ernst liiert, und Breton erzählte bewundernd, wie sie einst in einem vornehmen Pariser Restaurant ihre Schuhe auszog und ihre Füße mit Senf bestrich. Doch Carrington war vor allem eine selbstbewusste surrealistische Künstlerin. Ihre Malerei stellte sie in Amsterdam und Paris aus und später in Mexiko, wo sie seit 1942 lebte.

Am 27. März 2011 verstarb im Alter von 88 Jahren der bekannte Befreiungstheologe José Comblin in der kleinen Stadt Simões Filho im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Dorthin war er gereist, um einen Kurs für Basisgemeinden zu geben. José Comblin gehörte zu den Befreiungstheologen der ersten Generation. Bis zu seinem Tod lebte und verkündete er auf authentische und radikale Weise, wofür er Zeit seines Lebens eingetreten war: die eindeutige Option für die Armen und den bedingungslosen Einsatz für ihre Befreiung.

Im April/Mai 1988 planten die Bonner Lateinamerikagruppen „Lateinamerika-Tage“ in der Stadt. Irgendwann in der Vorbereitungszeit fragte uns das Infobüro Nicaragua an, ob wir nicht auch eine Veranstaltung zu Panama machen wollten. Ende Mai käme Raúl Leis nach Deutschland,Damals kamen viele MittelamerikanerInnen vorbei, in der RegelVertreterInnen der Freiheitsbewegungen und Volksorganisationen aus Nicaragua, El Salvador und Guatemala – meistens sehr nette Menschen, die bei den politischen Diskussionen aber immer voll auf der Linie ihrer demokratisch-zentralistischen Parteien waren. Mit Raúl war das völlig anders, wir hatten von Beginn an das Gefühl, auf dem gleichen Dampfer zu sein und dieselbe Sprache zu sprechen Am 30. April 2011 starb Raúl Leis im Alter von 63 Jahren nach einer allergischen Reaktion auf ein Medikament in Panama-Stadt.

Moacyr Scliar ist tot. Besonders groß war die Trauer in Porto Alegre, wo er geboren wurde und am 27. Februar 2011 den Folgen eines Gehirnschlags erlag. Es gibt wohl keinen Schriftsteller, der in Brasilien so beliebt war wie er. Im südlichen Bundesstaat Rio Grande do Sul war Scliar, der stets gut gelaunte, humorvolle und leidenschaftliche Mediziner, Erzähler und Kolumnist jüdischer Herkunft zudem ein Symbol des Regionalstolzes: Vor acht Jahren wurde er in die Brasilianische Akademie der Geisteswissenschaften gewählt. Allein in Brasilien hat der Sohn einer bessarabischen Auswandererfamilie an die 80 Bücher veröffentlicht: Erzählungen, Romane, Jugendbücher, kluge kulturgeschichtliche Essays über Medizin oder das Judentum. Er gehörte auch zu den meistausgezeichneten, meistübersetzten Autoren des Landes.

Am 3. Februar 2011 starb der martinikanische Schriftsteller Edouard Glissant in einem Pariser Krankenhaus. Obwohl er mit seinen Büchern kein Massenpublikum erreicht hat, war Glissant einer der ganz Großen der karibischen und der französischen Literatur. Im folgenden Beitrag erinnert der jüdisch-palästinensische Autor Ilan Halevi an Edouard Glissant und stellt ihn in eine Reihe mit den beiden anderen großen Intellektuellen aus Martinique: Frantz Fanon (1925-1961) und Aimé Césaire (1913-2008). Obwohl es von keinem so formuliert wurde, hatten die drei ein gemeinsames Lebensprojekt, an dem sie mit unterschiedlichen Zugängen konsequent arbeiteten: Die Entkolonisierung des Denkens.

Über 30 Jahre ist es her, ich war vielleicht 16/17 Jahre alt, als ich zum ersten Mal von Peter-Paul Zahl hörte. Von dem Drucker und Schriftsteller, der zu 15 Jahren Knast verurteilt worden war, weil er 1972 bei einer Razzia in seiner Druckerei fliehen wollte und dabei einen Polizisten mit einer Schusswaffe verletzt hatte. In erster Instanz war er dafür zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Dagegen ging die Staatsanwaltschaft in Revision. Auf dem Höhepunkt der Terroristenhatz konstruierte das Gericht 1976 dann einen zweifachen Mordversuch und Zahl wurde zu 15 Jahren verurteilt. .. Und nun ist er am 24. Januar 2011 in Jamaica an Krebs gestorben. Ähnlich wie sich der französische Poet und Anarchist George Brassens schon zu Lebzeiten in Sête eine Grabstätte mit Meerblick ausgesucht hatte, hatte ppz eine solche unweit seines Hauses auf Jamaica bestimmt.

Ein großes Herz hörte am vergangen Montag auf zu schlagen. Im Alter von 86 Jahren verstarb am 24. Januar 2011 in Mexiko-Stadt der katholische Altbischof Samuel Ruiz García. Als Menschenrechtsverteidiger, Vermittler in Konflikten und Unterstützer der indigenen Bevölkerung genoss Ruiz über die mexikanischen Grenzen hinaus hohes Ansehen. Mit seinen Anklagen gegen unsoziale Wirtschaftspolitik und seiner eindeutigen Position für die Armen schaffte er sich aber auch manchen Feind im Vatikan und in den Regierungskreisen seines Landes.

Am 24. September 2010 ist Walter Schwenninger im Alter von 68 Jahren in Tübingen gestorben. Walter war über Jahrzehnte in der Dritte-Welt-Bewegung aktiv, im Aktionszentrum Arme Welt Tübingen, in der Peru-Gruppe und im Partnerschaftsverein Villa El Salvador - Tübingen e.V. Von 1983-85 war er für die Grünen im Bundestag, wo er zusammen mit Gaby Gottwald die Positionen der Dritte-Welt- und Solidaritätsgruppen einbrachte. 

Am 4. Juli 2010, eine Woche nach seinem Tode in Santiago de Chile, wurde die Asche von Luis Vitale Cometa von einer Klippe über dem Pazifischen Ozean aus in den Wind gestreut. Der Ort dieser Zeremonie war Lota, eine südlich von Concepción gelegene Stadt mit Kohleabbau direkt am Meer, deren Bergleute immer zu den besonders kämpferischen Sektoren der chilenischen Arbeiterbewegung gehört hatten. Mit dieser Arbeiterbewegung war Luis Vitale Zeit seines Lebens eng verbunden: als ihr herausragender Historiker, als Organisator von Gewerkschaften und Basisgruppen, als prominentes Mitglied verschiedener Gruppierungen und Parteien der revolutionären Linken. 

Der allgegenwärtige begnadete Essayist und „impressionistische“ Chronist, das intellektuelle Gewissen der mexikanischen Intelligenzia Carlos Monsiváis (geb.1938), verstarb am 19. Juni 2010, einen Tag nach dem Tod des auch in Mexiko sehr populären portugiesischen Nobelpreisträgers José Saramago. Als ich die Nachricht las, ging ein kalter Schauer über meinen Rücken. Seit ich zum ersten Mal in Mexiko war – Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts –, waren die Artikel von Monsiváis stets eine unverzichtbare Quelle, um auch bei späteren Aufenthalten ein Gespür für die gerade aktuellen politischen Debatten zu bekommen. Ob in

Die vermutlich zweihunderttausend Opfer des Erdbebens in Haiti hörten für mich auf, abstrakt zu sein, als ich wenige Tage nach der Katastrophe im Internet die Website des auf haitianische Literatur spezialisierten litradukt-Verlages (vgl. ila 321) aufrief. Die erste Nachricht auf der Startseite betraf keine Lesereise oder aktuelle Neuerscheinung, sondern lautete: „Mit Bestürzung haben wir erfahren, dass unser Autor Georges Anglade und seine Ehefrau Mireille bei dem verheerenden Erdbeben in Haiti ums Leben gekommen sind. Unser Mitgefühl gilt ihren Angehörigen und ihrem Land, für das sie sich so sehr eingesetzt haben.“ (†  12 Januar 2010)

Am 4. Oktober 2009 hat ihr Herz sie im Stich gelassen. Mercedes Sosa, gesegnet mit einer mächtigen, einzigartigen Stimme, hat uns in ihrem Tod genauso wie durch ihr engagiertes Leben vereint. Auf ihrer Website häufen sich Nachrufe aus aller Welt: auf Deutsch, Italienisch, Portugiesisch, Französisch und selbstverständlich auf Spanisch. Es schrieben Leute wie ich, die sie seit über 30 Jahren kannten, aber auch Achtzehnjährige aus Nicaragua und Vierzigjährige aus El Salvador. Die Botschaft der meisten Einträge ist ähnlich: Wir bedanken uns für alles, was sie uns durch ihre Musik und durch ihr unermüdliches und konsequentes politisches Engagement gegeben hat, und trauern unendlich. Ihre Lieder haben viele Kämpfe begleitet und standen für Werte, für die wir weltweit aufgestanden sind.

Am 17. Mai 2009 starb in Montevideo der Dichter und Schriftsteller Mario Benedetti im Alter von 89 Jahren. Nur wenige Autoren des 20. Jahrhunderts wurden in ihren Heimatländern so geschätzt und verehrt wie Benedetti in Uruguay. Nicht gerade selbstverständlich für einen aktiven Sympathisanten der revolutionären Linken, der von der Militärdiktatur 1973 ins Exil gejagt wurde. Seine politische Geradlinigkeit und sein konsequentes Engagement gegen Militarismus und Reaktion förderten seine außerordentliche Popularität, geliebt wurde er von den UruguayerInnen aber wegen seiner Literatur, vor allem seiner Lyrik.

Augusto Boal 20090 war für das Theater das, was Paulo Freire für die Bildung war: beide haben gelernt, während sie unterrichtet haben, haben zugehört, während sie geredet haben“, schrieb Eduardo Galeano über Augusto Boal. Der brasilianische Theatermacher ist am 2. Mai 2009 in Rio de Janeiro im Alter von 78 Jahren an Leukämie gestorben. Er starb am gleichen Tag, an dem sein Freund Paulo Freire zwölf Jahre zuvor aus dem Leben geschieden war. 

Von all den großen, kühnen, unbeugsamen Dichterinnen, die Lateinamerika hervorgebracht hat, war sie die bedeutendste und, trotz ihrer selbstgewählten Abgeschiedenheit und der Rigorosität ihres Schaffens, auch die populärste: Idea Vilariño, die 1920 in Montevideo geboren wurde, als zweitälteste Tochter eines, wie sie schreibt, verliebten und in seine Kinder vernarrten Paares. Die letzten Monate verbrachte Idea Vilariño, bettlägrig und müde geworden, in einem Pflegeheim. Dort habe ich sie, im November des Vorjahres, noch einmal besucht. Wir wussten beide, dass wir uns nicht wiedersehen würden. Trotzdem hat mich die Nachricht von ihrem Ableben – heute, am 28. April 2009 – wie ein Schlag getroffen.

In den Zeiten des offenen Staatsterrorismus erklärten die Militärs in Uruguay 1973 eine kleine Gruppe von Militanten der Tupamaros zu Geiseln des Staates. Sie sollten ermordet werden, falls die bewaffnete Organisation weitere Aktionen durchführen würde. Die Geiseln wurden unter kaum zu beschreibenden Bedingungen in Verliesen von Kasernen gefangen gehalten. Zu ihnen zählte die damals 26jährige Yessie Macchi. Sie überlebte die ersten Jahre extremer Folter, Isolation, sonstiger Torturen und auch die anschließenden langen Haftjahre. Am 14. März 1985 kam sie mit den letzten politischen Gefangenen frei, die in den Straßen Montevideos von Zigtausenden Menschen mit einem Volksfest empfangen wurden. Yessie Macchi ist am 3. Februar 2009 in Montevideo gestorben.

Er erhielt den Condor de los Andes, die höchste Auszeichnung Boliviens, die Stadt Cochabamba ernannte ihn zum Ehrenbürger, die bolivianische Post veröffentlichte 1998 eine Sondermarke mit seinem Konterfei. Diese Ehrungen bedeuteten für ihn eine große Genugtuung. Sie zeigten, dass Bolivien ihn, den jüdischen Flüchtling aus Breslau, anerkannte und seine großen Leistungen würdigte. Werner Guttentag starb am 2. Dezember 2008 in Cochabamba im Alter von 89 Jahren.

In Bogotá ist am 12. August 2008 Orlando Fals Borda im Alter von 83 Jahren gestorben. Die kolumbianische Soziologie verlor ihren Begründer und wichtigsten Repräsentanten – die unabhängige Linke einen herausragenden Vordenker und Mitstreiter, in dessen Lebensweg und dessen Schriften viele ihrer Kämpfe um soziale Emanzipation Gestalt gewonnen haben.

Am 28. Juni 2008 starb die Schriftstellerin Lenka Reinerová im Alter von 92 Jahren in Prag. Flucht vor den Nazis, Internierung in Frankreich, Exil in Mexiko, Ermordung ihrer kompletten Familie im Holocaust, Knast in der sozialistischen Tschechoslowakei, in die sie voller Enthusiasmus zurückgekehrt war, mehrere Krebsoperationen, immer wieder Publikationsverbote. Am Ende meinte sie, das klinge vielleicht dramatisch, sei aber kein Einzelschicksal, es sei leider das Schicksal einer Generation, einer Epoche. 

Er konnte anschaulich erzählen, und er konnte auch zuhören, helfend zupacken, andere in Dingen, die ihn bedrängten, um Rat fragen. Er sorgte sich um die vielen Freunde, Freundinnen auf beiden Seiten des Ozeans, die jetzt um ihn trauern, denn am 8. Juni 2008 ist Fritz Kalmar, einer der bedeutendsten Schriftsteller des österreichischen Exils, in Montevideo verstorben. 

„Dann telefonieren wir am Montag Vormittag und besprechen, wann du vorbeikommst, um die belichteten Filme zu kontrollieren.“ So verabschiedete sich Heinrich Piotrowski, als ich ihm am Donnerstag, den 4. Oktober 2007, die Daten mit dem Layout der ila 309 in die Druckerei brachte. Montags rief dann nicht Heinrich, sondern seine Kollegin Gisela an

 Es gibt Todesnachrichten, die einen besonders verstören. Das gilt etwa dann, wenn Menschen gestorben sind, die eine ungeheure Lebenskraft ausgestrahlt haben. Ein solcher Mensch war Ray-Güde Mertin, die am 14. Januar 2007 im Alter von 63 Jahren starb.

Am 5. September 2006 wurde Henry Mathews in Berlin beerdigt. Jahrelang hatte er den Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre koordiniert und ganz bewusst Themen aus der sog. Dritten Welt aufgegriffen, Rüstungsexporte, Umweltschutz, Arbeitsbedingungen und Menschenrechte. Henry war mit Leidenschaft bei der Sache – was für die Sache gut war, aber für seine Gesundheit offensichtlich nicht. Er ist im Alter von 40 Jahren, beim Rudern in Schweden an einem Herzinfarkt gestorben.

Am 12. Mai 2006 wurde in Raum 302 des Oberlandesgerichts Freiburg von der Kommission für Menschenrechte des Vereins der Richter und Staatsanwälte sowie des Anwaltsvereins Freiburg die Neuauflage von Tino Thuns 1985 erstmals veröffentlichter Dissertation „Menschenrechte und Außenpolitik. Bundesrepublik Deutschland – Argentinien 1976-1983“ vorgestellt. Es war die letzte Veranstaltung, die Tino Thun besuchen sollte. Tino verfolgte die Veranstaltung in seinem Rollstuhl in der ersten Reihe sitzend. Er konnte und wollte nicht mehr öffentlich sprechen. Zu sehr war er bereits von der fast zwei Jahre an ihm zehrenden Krankheit, dem ALS-Syndrom, gezeichnet.

Für viele war er das Gesicht der salvadorianischen Befreiungsfront FMLN. Obwohl die von ihm geführte Kommunistische Partei El Salvadors in den achtziger Jahren eine der kleineren Mitgliedsorganisationen der FMLN war, war Schafik Handal stets unter den fünf Comandantes, derjenige, der vermutlich am besten Allianzen schmieden und Verhandlungen führen konnte. In ganz Lateinamerika genoss er große Achtung, die Präsidenten Lula da Silva (Brasilien) und Evo Morales (Bolivien) luden ihn zusammen mit den lateinamerikanischen Präsidenten zu ihren Amtseinführungen ein. Der Besuch bei Evo Morales war Schafik Handals letzte Reise, bei seiner Rückkehr aus La Paz erlitt er am 24. Januar 2006 auf dem Flughafen von San Salvador einen tödlichen Herzinfarkt.

Kämpfen, das ist die beste Art zu leben. So könnte die Maxime von Jon Cortina gelautet haben, der am 12. Dezember 2005 im Alter von 71 Jahren gestorben ist. Die Nachricht von seinem Tod kam aus Guatemala, wo er für den von ihm mit begründeten Verein „Pro Búsqueda de los Niños Desaparecidos“ (Für die Suche nach den verschwundenen Kindern) unterwegs war und wo ihn drei Wochen vor seinem Tod wortwörtlich der Schlag getroffen hatte.

Am 6. Dezember 2005 ist Walter Steffens an Herzversagen gestorben. Mit ihm verliert die Bonner Solidaritätsbewegung mit den Menschen Lateinamerikas einen Freund, einen Compañero, eine Institution. Wir werden „Comandante Cerveza“ nicht vergessen.

Freddy Ernesto Ilanga Ilunga Yatii, Che Guevaras Suaheli-Lehrer und Übersetzer im Kongo, Kinderneurochirurg, panafrikanischer Aktivist und Humanist, starb in Havanna am 25. November 2005. Die Autoren dieses Nachrufs wurden in ihrer Arbeit zu cubanisch-afrikanischen Beziehungen von Freddy Ilanga engagiert und uneigennützig unterstützt. Sie planten einen Film über sein Leben und wollen diesen nun als Hommage auf eine einzigartige Persönlichkeit realisieren. 

Am 21. November 2005 starb in San Salvador Ernesto Richter. Der deutsch-salvadorianische Sozialwissenschaftler war eng mit der revolutionären Linken El Salvadors und der hiesigen Solidaritätsbewegung verbunden. Gleichzeitig stand er zu beiden in einem Spannungsverhältnis, warf der FMLN und auch uns vor, die internationalen Kräfteverhältnisse nicht ausreichend zu analysieren und uns ein zu schönes Bild von der Realität zu machen. Wir hatten dazu manch kritische Debatte, einige trugen wir auch in Form von kontroversen Beiträgen in dieser Zeitschrift aus. Diese Diskussionen waren für uns bereichernd, offene intellektuelle Auseinandersetzungen sind eine Stärke jeder Bewegung. Im folgenden Beitrag erinnert Demetrio Polo-Cheva, Deutsch-Panameño und langjähriger Freund und Weggefährte Ernestos, an den Verstorbenen.

Am 9. November 2005 starb in Köln die Journalistin Ulla Junk. Anfang der achtziger Jahren gehörte sie zu den wenigen Leuten mit politischer und publizistischer Erfahrung, die halfen, der entstehenden Mittelamerika-Solidaritätsbewegung Türen zu öffnen und ihre Themen einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Zunächst noch als Mitarbeiterin des linken SPD-Abgeordneten Klaus Thüsing und später als freie Radio- und Fernsehjournalistin brachte sie die Kämpfe in Zentralamerika nicht nur in die Medien, sondern unterstützte die Bonner Vertretung der salvadorianischen Befreiungsbewegung auch dabei, hier Kontakte zu Parteien und Institutionen zu knüpfen. Ihr zusammen mit Helmut Frenz, Norbert Greinacher und Bernd Päschke 1982 veröffentlichtes Buch „El Salvador – Massaker im Namen der Freiheit“ wurde zu einer Basislektüre für alle, die sich mit El Salvador und der US-Politik in Mittelamerika beschäftigten. 

Zwanzig Jahre ist es nun her, seit wir die grausige Nachricht erhielten, dass wir dich, Jürg Weiss, nie mehr an einem Solidaritätstreffen oder bei einer Solidaritätsaktion treffen, dich nie mehr Gitarre spielen hören würden. Am 22. August 1988 wurdest du in Cerro Colorado in El Salvador von Elitesoldaten zusammen mit einem salvadorianischen Compa getötet.