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AUSSPRACHE
Texte lateinamerikanischer AutorInnen in Deutschland

zu Rocío Quispe                                                                                          zu Eine Erzählung von ... 

Patricia Cerda-Hegerl
(aus Chile/ ila 214)

Vielleicht ist der letztendlich ausschlaggebende Grund für die Emigration vieler KünstlerInnen, daß sie sich zu Hause wie Fremde gefühlt haben“, antwortet Patricia Cerda-Hegerl auf die Frage, warum sie in Deutschland lebe. Auch wenn es dann jeweils konkrete Umstände und naheliegende Motivationen gibt, den Schritt tatsächlich zu tun.

So auch für sie selbst. Geboren wurde sie 1961 in Concepción, 500 km südlich von Santiago. In ihrer Kindheit, erinnert sie sich, galt sie als „Geschichtenerfinderin“. Immer habe sie ihren Mitschülerinnen die Geheimnisse der Natur erklären wollen, „sogar die Geheimnisse des Geschlechtslebens, obwohl ich damals nicht die mindeste Ahnung hatte, was sich tatsächlich abspielt.“ Mit der Welt der Bücher sei sie dagegen erst sehr spät, zu Uni-Zeiten, in Kontakt gekommen. „Zuhause gab es leider keine interessante Bibliothek. Man schenkte mir eine Ausgabe der Mujercitas von Luisa M. Alcott, aber die fand ich langweilig. Das erste Buch, das mich beeindruckte, waren die Liebesbriefe von Gabriela Mistral.“

Patricia Cerda studierte Geschichte an der Universität von Concepción, weil sie glaubte, dadurch die Welt verstehen zu lernen. „Heute weiß ich, daß das ein Irrtum war. Literatur, und insbesondere Romane, machen viel mehr vom Menschsein in seinen unterschiedlichen Dimensionen begreiflich.“ Für die Historikerin blieb Geschichte indessen Dreh- und Angelpunkt des Schreibens. Ihr erster Roman, Viaje al fin del mundo (Reise ans Ende der Welt), der in diesem Jahr in Chile erscheinen wird, ist ein historischer Roman. Ihr zweiter Roman steckt gerade in den Anfängen und wird wohl ebenfalls eine historische Einbettung erhalten. Auch die hier abgedruckte Kurzgeschichte Die Wäscherin basiert auf einer historischen Gestalt, dem bayrischen Maler Johann Moritz Rugendas, der im 19. Jhdt. mehrmals nach Lateinamerika reiste, und erhellt Patricia Cerda-Hegerl
Geschichte aus einer ungewohnten – weiblichen Perspektive.

Vor zwölf Jahren kam Patricia Cerda aus persönlichen Gründen nach
Deutschland, lebte zunächst acht Jahre in Berlin, promovierte dortin lateinamerikanischer Geschichte, heiratete und zog vor vier Jahren nach München um.

„Wenn es auch ein Gemeinplatz ist“, sagt sie, „daß die Identitätssuche eine Konstante in der lateinamerikanischen Literatur ist, dann gilt das noch viel mehr für das Schreiben in der Fremde.“ Die Sprache wird zur einzig realen Heimat, und „die Abwesenheit“, zitiert sie Proust,“ ist die hauptsächliche Quelle der Phantasie“. Wer in der Fremde schreibe, bewege sich in zwei Landschaften: am aktuellen Aufenthaltsort und in dem Land der Erinnerungen und Pro- jektionen. Die Differenz zwingt zu Vergleich und zur Neuorientierung. Das Schreiben wird zu einer Art Ventil. Und zu einer Form des Dialogs. Mit wem? „Ich schreibe definitiv für ein lateinamerikanisches Publikum, mehr noch für ein chilenisches.“ Der Blick von „außen”, meint sie, könne für die da „drinnen” durchaus bereichernd sein.

Patricia Cerda hat Kontakt zu lateinamerikanischen Autorinnen in Deutschland, aber auch zu deutschen AutorInnen. Die Literaturszene in Chile verfolgt sie weiter. Aber ihr Urteil fällt nicht sehr positiv aus. „Am besten gefällt mir Darío Oses. Er hat vier Romane geschrieben, in denen er Chile ähnlich sieht wie ich. Aber wenn ich irgendeinen Roman der AutorInnen der sogenannten neuen Generation in die Hand nehme, habe ich oft den Eindruck, als würde unendlich viel an den eigentlich brisanten Themen vorbeigeredet, an genau denen, die man paradoxerweise aus der Distanz so klar sieht.“ Ist sie demzufolge zufriedener mit dem, was la-teinamerikanische AutorInnen in Deutschland schreiben? Das könne sie nicht objektiv beanworten, sagt sie, weil sie viele von ihnen persönlich kenne.

Ob sie sich irgendeiner Gruppe oder Sparte zuordne? Nein, das sei nicht nötig. Das Wichtige an der Literatur sei ihre Originalität, nicht ihr Etikett.

Die Wäscherin      Eine Erzählung von Patricia Cerda-Hergerl

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