aus Rio de Janeiro / ila 347
Schlaglichter einer
Dreiecksbeziehung
El Salvador: der Präsident, die FMLN und die
sozialen Bewegungen
von Helene Kapolnek Die linke FMLN stellt
im Parlament El Salvadors die größte Fraktion. Das macht Mut. Um weiterhin
bei der Bevölkerung punkten zu können, sollte die Regierung allerdings
sichtbare Erfolge aufweisen. Keine leichte Aufgabe angesichts leerer
Staatskassen und der Tatsache, dass die Handlungsfähigkeit der Regierung in
nicht geringem Maße vom Konsens mit der parlamentarischen Rechten abhängt.
Auch unterscheidet sich die ideologische Ausrichtung der FMLN in wichtigen
Punkten von derjenigen des unabhängigen Präsidenten Mauricio Funes.
Konflikte sind also absehbar und das macht gerade vor Wahlen, wie sie 2012
anstehen, keinen guten Eindruck auf das Wahlvolk. Eine solide organisierte
soziale Basis wäre eine gute Absicherung für das progressive Projekt. Aber
gerade hier hat sich die FMLN einiges an Vernachlässigung vorzuwerfen. Nach
dem Bürgerkrieg war die FMLN-Strategie (verständlicherweise) hauptsächlich
auf Wahlerfolge ausgerichtet. Doch diese eingleisige Strategie führte zum
Verlust an Einfluss auf die sozialen Bewegungen. Heute regen sich in der
FMLN Stimmen, die dieses Manko ausgleichen wollen. Aber wie steht die
organisierte Zivilgesellschaft dazu? Möchten die vom neoliberalen Gegenwind
geschwächten sozialen Organisationen zurück unter die Fittiche einer alles –
außer den mit den FMLN-Stimmen gewählten Präsidenten – dominierenden
Kaderpartei? Oder gibt es Alternativen, eine neue selbstbewusstere Beziehung
zwischen Regierung, FMLN und sozialen Bewegungen? Im
Frühjahr 2009 beendete der Fernsehjournalist Mauricio Funes als Kandidat der
FMLN 20 Jahre ununterbrochene Herrschaft der rechtsgerichteten ARENA-Partei.
Diese handelte als Sprachrohr der großen und kleinen KapitalistInnen und
erst als sie das Land völlig heruntergewirtschaftet und sich in internen
Streitigkeiten verloren hatte, zogen breite Wählerschichten, vornehmlich aus
dem Mittelstand, die Konsequenzen und wählten die üblichen Gewinner ab.
Mauricio Funes spielte dabei eine wichtige Rolle, er galt als integer und
mutig, jemand, der die Auseinandersetzung nicht scheut. Auch die sozialen
Organisationen sahen das so. Universitätsdozent Walter Rivas von der
AkademikerInnenvereinigung der FMLN: „Da gab es sehr viel Sympathie. Die
soziale Bewegung unterstützte den Kandidaten uneingeschränkt. Und auch wenn
wir heute sicherlich nicht immer damit einverstanden sind, wie die Regierung
handelt: Wir können es nicht zulassen, dass uns dieser Sieg kaputtgemacht
wird. Genau das ist der Punkt.“ Und so muss der Wahlsieg der FMLN auch
gesehen werden: Als eine einzigartige Chance für die Bevölkerung und die
sozialen Bewegungen, sich für einen gesellschaftlichen Wandel einzusetzen,
ohne den traditionellen Stillstand fürchten zu müssen.
Sich dies bewusst zu machen ist für keine der Beteiligten leicht. Eine auf
Friedenszeiten zugeschnittene soziale Bewegung hat es in El Salvador nie
gegeben. So hatte sie auch keine Gelegenheit, Strategien für die Zeiten des
sozialen Wandels, des cambio, für die Mauricio Funes angetreten war, zu
entwickeln. 20 Jahre sind seit der Unterzeichnung der Friedensabkommen
vergangen. Die Grundlagen für den Wandel 2009 wurden damals gelegt. Die FMLN
spielte als Vertragspartnerin der Acuerdos de Chapultepec bereits damals
eine wesentliche Rolle bei der Umsetzung demokratischer Reformen etwa im
Bereich der Wahlgesetzgebung, im Justizsystem und der Neugestaltung der
Sicherheitskräfte. Die Finanzhilfen, die die internationale Gemeinschaft
nach dem Bürgerkrieg in diese Reformen und den Wiederaufbau steckten, wurden
auch von der FMLN mitverwaltet. Es war jedoch die regierende ARENA-Partei,
die logischerweise den Löwenanteil der öffentlichen Anerkennung für die
Stabilisierung des Landes einsteckte. Erst 20 Jahre später, nachdem sie in
zahlreichen Bürgermeisterämtern und im Parlament ihre Fähigkeit, effizient
Politik zu machen, bewiesen hatte, schaffte es die FMLN, diesen
„Heimvorteil” ARENAs zu kippen.
Während sie sich jedoch als wählbare Alternative etablierte, vernachlässigte
die FMLN ihre Beziehungen zu den sozialen Bewegungen. Dies sei generell ein
Problem politischer Parteien in Lateinamerika und nicht nur der Linken,
meint der Soziologe Luis González, langjähriger Herausgeber der renommierten
Wochenzeitschrift Proceso der Jesuitenuniversität UCA. Seiner Ansicht nach
stehen die sozialen Bewegungen weitgehend orientierungslos da. Sie hätten
gerne politische Leitlinien. Aber „von oben“ kommt nichts. Da viele der
Organisationen kaum noch soziale und politische Inhalte verfolgen,
beschränken sich ihre Forderungen auf überschaubare Bereiche, beispielsweise
Gehaltsforderungen. Wenn eine solche Auseinandersetzung dann zum Erfolg
geführt hat, so González, höre der Kampf auch schon wieder auf. Dies sieht
FMLN-Funktionär Adán Chicas ähnlich, das Ideal einer von der Partei komplett
unabhängigen sozialen Bewegung hält er für unrealistisch. „Sie verliert
ihren Klassencharakter.“ Und ihm ist klar, dass die FMLN hier Terrain
aufzuholen hat. Aber wie? Die Regierung El Salvadors hat es in diesem Falle
leichter als die FMLN, weil sie konkrete Angebote machen kann. Sie setzt auf
Dialog – mit denjenigen, die bereit sind, sich auf den eng gesteckten Rahmen
der Regierenden einzulassen.
Am Amtssitz des Präsidenten wurde eine Dialogrunde für die Gewerkschaften
des öffentlichen Dienstes institutionalisiert. Diese ist dem von Mauricio
Funes berufenen „Staatssekretär für Regierungsfähigkeit“ in der
Subsecretaría de Gobernabilidad zugeordnet. Die Stabsstelle ist hochkarätig
besetzt mit den Funes-Vertrauten Danilo Flores und Hato Hasbún; letzterer
gilt als wichtigster Förderer der Kandidatur Funes'. Darüber hinaus gründete
die Regierung den Rat für Wirtschafts- und Sozialangelegenheiten, Consejo
Económico y Social, dem Unternehmerverbände, Gewerkschaften und
Nichtregierungsorganisationen angehören. Parallel dazu haben auch die
einzelnen Ministerien solche Beratergremien geschaffen, so den Rat für
Öffentliche Sicherheit (Consejo de Seguridad) des Innenminsteriums und den
Rat für Bildungsangelegenheiten (Consejo Nacional Educación) des
Erziehungsministeriums. LehrerInnengewerkschaften wie Andes 21 de junio und
Bases Magisteriales gehören diesem Rat an, der die Maßnahmen der Regierung
diskutiert, bevor sie umgesetzt werden. Ein Stückweit Transparenz und
Mitbestimmung ist also geschaffen worden.
Diese Dialogbereitschaft der Regierung hebt Generalsekretär Israel Montano
von Andes 21 de junio hervor: „Bei den früheren Regierungen mussten wir bis
zu dreimal schriftlich nachfragen, bis uns mal ein Minister empfangen hat.
Bei der neuen Regierung hat uns der Minister gleich in der ersten Woche zu
sich gebeten.“ Besonders wichtig ist es der Gewerkschaft Andes, dass mit der
kostenlosen Ausgabe von Schulheften, Schuhen und Schuluniformen im Rahmen
des Programms Vamos a la Escuela („Wir gehen zur Schule“) des
Erziehungsministeriums einige wesentliche Vorschläge seiner Gewerkschaft
umgesetzt worden sind. Detail am Rande: Das sogenannte Schulpaket, Paquete
Escolar, ist vielleicht die Regierungsmaßnahme, die bisher den größten
Beifall bei der Bevölkerung gefunden hat. Die Vorschläge von Andes gingen im
Rahmen des im Vorfeld der Wahlen durch den FMLN-initiierten „Offenen
Sozialen Dialog“ in das Regierungsprogramm mit ein.
Im Gegensatz zu den einst starken Gewerkschaften im öffentlichen Dienst, die
sang- und klanglos von der Bildfläche verschwanden, nachdem wichtige
Institutionen wie die Telekommunikationsbehörde ANTEL oder die
Wasserversorger privatisiert worden waren, haben die
LehrerInnengewerkschaften sich behauptet. So verhinderten sie in den 90er
Jahren Privatisierungspläne der ARENA-Regierungen im Erziehungsbereich.
Aktuell gibt es in El Salvador zwei einflussreiche Gewerkschaften im
Bildungssektor: Andes 21 de junio und Bases Magisteriales, die traditionell
nicht besonders gut aufeinander zu sprechen sind, obwohl beide linke
Positionen vertreten. Tatsächlich ist Bases Magisteriales aus einer
Abspaltung von Andes entstanden. Zur Zeit ist der Streit zwischen den
feindlichen Brüdern hochgekocht aufgrund unterschiedlicher Ansichten zur
Angleichung bzw. Nichtangleichung der Lehrergehälter an die vor kurzem
erhöhten Gehälter im öffentlichen Dienst. Das Gesetz zur Laufbahn im
Bildungsbereich sieht eine solche Angleichung vor und bei einem
durchschnittlichen LehrerInnengehalt von etwa 600 Dollar monatlich brutto
ist gut nachvollziehbar, dass sich die LehrerInnen massiv für Lohnerhöhungen
einsetzen. Aber um all die hungrigen Mäuler zu stopfen, hat die Regierung zu
wenig Geld. Entsprechend mager fiel ihr Angebot an die
LehrerInnengewerkschaften aus, nachdem sie sich schließlich nach Protesten
aller Gewerkschaften bereiterklärt hatte, überhaupt eine Angleichung
vorzunehmen. Hier sieht Andes einen großen Fortschritt und den Quasiaufruf
zur Friedenspflicht, Bases Magisteriales unterstützt das nicht, denn das
LehrerInnengesetz erlaubt es den Gewerkschaften, über die Angleichung hinaus
eigene Tarifverhandlungen zu führen.
Luis Mario López, der Generalsekretär von Bases Magisteriales, kritisiert
die Politik von Andes 21 de junio heftig. „Das nennt sich Streikbruch“
kommentiert er die Haltung der anderen Gewerkschaft zu einem Warnstreik
seiner Organisation. Das sieht Israel Montano nicht so. Er versteht Andes
als eine LehrerInnenorganisation, „die vom reinen Protest dazu übergeht,
konkrete Vorschläge zu formulieren. Früher war das anders. Da ging es mehr
um Proteste, Aktionen auf den Straßen, Streiks. Es gab keine Vorschläge. Und
warum? Weil sich die vorhergehenden Regierungen keine Vorschläge angehört
haben. Das ist heute nicht mehr so. Deshalb sagen uns einige: Die Regierung
hat euch vereinnahmt. Aber das stimmt nicht. Wir unterstützen die Regierung,
aber wir sind nicht mit der Regierung verheiratet.“
Von der Regierung offiziell geschieden – jedenfalls im Augenblick – ist
Dagoberto Gutiérrez. Der ehemalige FMLN-Kommandant aus der Kommunistischen
Partei El Salvadors ist das enfant terrible der salvadorianischen Linken,
Gründer der ultralinken Revolutionären Tendenz, Tendencia Revolucionaria,
innerhalb der FMLN und nun einer neuen politischen Gruppe, der „Bewegung für
Partizipative Demokratie“. Luis Mario López von Bases Magisteriales ist Teil
dieser Bewegung und schließt sich vehement der stets auch von Gutiérrez
geäußerten Kritik an: „Was hier in den vergangenen zwei Jahren, seitdem die
Regierung im Amt ist, gelaufen ist, ist reiner Neoliberalismus. Die
Wirtschaftspolitik unterscheidet sich in keiner Weise von der der
vergangenen Regierungen. Es gibt eine politische Krise, eine wirtschaftliche
Krise und es gibt eine Krise der sozialen Gewalt in El Salvador, einen Krieg
im Sozialgefüge des Landes. Und es sieht nicht danach aus, als würde
irgendetwas an der Lösung getan.“ Auch wenn böse Zungen behaupten, dass die
Bewegung für Partizipative Demokratie nur einen Weg in die repräsentative
Demokratie des salvadorianischen Parlaments sucht, bleibt abzuwarten, ob sie
eine Bereicherung im politischen Leben des Landes darstellen wird.
Neben solchen frontal auf Konflikt eingestellten Organisationen sind die
sozialen Bewegungen El Salvadors auch zwei Jahre nach dem Wahlsieg eher an
einer konstruktiven Auseinandersetzung mit Regierung und FMLN interessiert.
Es gibt zwei große Koordinationsgremien, beide sind im Rat für Wirtschafts-
und Sozialangelegenheiten der Regierung vertreten: die Frente Social por un
Nuevo País, die der FMLN zugerechnet werden kann, und die Concertación
Popular por el Cambio, der die meisten linksgerichteten
Nichtregierungsorganisationen angehören. Gerade diese lassen sich von der
Partei FMLN keine Anweisungen mehr geben. „Das ist eine komplexe Beziehung.
Für die FMLN war es hart festzustellen, dass die Organisationen der sozialen
Bewegung autonom sind und ihre eigenen Vorstellungen haben”, bemerkt Leonel
Herrera von ARPAS, der Vereinigung zahlreicher linker Lokalradios, zum
Verhältnis FMLN/Regierung/soziale Bewegungen. ARPAS ist Teil jener neuen
sozialen Bewegungen, die von der FMLN-Abgeordneten und Angehörigen der Junta
Directiva des Parlaments, Lourdes Palacios, folgendermaßen wahrgenommen
wird: „Die soziale Bewegung hat eine Entwicklung durchgemacht. Viele neue
Themen sind dazugekommen, die die Leute beschäftigen, zum Beispiel die
Umweltorganisationen. Ein anderes Beispiel ist die Frauenbewegung, die es in
El Salvador vorher nie gegeben hat, inzwischen aber schon. In der Zeit nach
den Friedensabkommen hat das Interesse, feministische Inhalte zu
diskutieren, stark zugenommen. Diese Organisationen haben wesentlich dazu
beigetragen, dass vor kurzem zum Beispiel die Gesetze zu häuslicher Gewalt
und zur Gleichstellung von Männern und Frauen verabschiedet wurden.”
Ein traditioneller Pfeiler der sozialen Bewegung in El Salvador ist die
Bauernbewegung. Aber von den starken linksgerichteten Organisationen der
70er Jahre, der sozialen Basis der Guerilla, ist nicht mehr viel übrig. Die
meisten verbleibenden Bauernorganisationen unterstützen heute die Rechte,
auch wenn dies „objektiv“ ihren Interessen widerspricht. Um die
Nahrungsmittelsicherheit wiederherzustellen – El Salvador importiert einen
Großteil seiner Grundnahrungsmittel – und um den ärmsten Sektoren der
Bevölkerung zu helfen, hat die Regierung nach dem Vorbild Brasiliens das
Programm für häusliche Landwirtschaft, Programa de Agricultura Familiar, mit
Saatgut und finanziellen Hilfen für Familien auf dem Land gestartet. Ein
guter Ansatz, aber nur der Anfang. Verbleibende linke Organisationen wie der
Kooperativenverband CONFRAS (Confederación de Federaciones de la Reforma
Agraria Salvadoreña) wollen mehr und setzen hier notwendigerweise auf einen
engen Dialog mit der Regierung. Der Organisation gehören hauptsächlich
Genossenschaften der Agrarreform der frühen 80er Jahre an. Die Reform war
vornehmlich zur Aufstandsbekämpfung konzipiert, ihre völlige
Perspektivlosigkeit und der brutale Einsatz der Regierungsarmee gegen die
Landbevölkerung machte die Kooperativen zu entschlossenen Verbündeten der
FMLN-Guerrilla.
Auch CONFRAS hat durch den FMLN-Dialog im Vorfeld der Wahlen 2009 viel zum
Regierungsprogramm beigetragen. Wesentlich für ihr Selbstverständnis ist es,
sich bei der Umsetzung der Pläne als Akteur zu definieren. Der Verband hat
erfolgreiche Projekte im Bereich der ökologischen Landwirtschaft und der
Produktion angepassten Saatguts angestoßen, die er nun versucht in enger
Zusammenarbeit mit dem Ministerium und der Landwirtschaftsbehörde CENTA auf
landesweiter Ebene umsetzen. Mittelfristiges Ziel laut CONFRAS-Vorsitzendem
Miguel Alemán: „Bis 2013 möchten wir erreichen, dass es die Kooperativen
sind, die im Land die Verantwortung für die Produktion von angepasstem
Saatgut für Mais, Bohnen, Reis und Gemüse haben.“ Unterstützung dafür von
Seiten der Regierung ist zu erkennen; dazu gehören Lagerungsmöglichkeiten
für eine Saatgutreserve im ehemaligen Instituto Regulador de Abastecimientos
(IRA) – einer Behörde des Landwirtschaftsministeriums, die eben dies
gewährleisten sollte und 1991 von der ARENA-Regierung geschlossen wurde. Die
konsequente Durchsetzung einer solchen Politik wäre richtungweisend für die
Länder Mittelamerikas. Mit Blick auf die sozialen Bewegungen ist es jedoch
vor allem ein positives Signal, dass es Organisationen wie CONFRAS gibt, die
sich zielbewusst, aber ohne sinnlosen Konfrontationskurs mit der Regierung
für ihre Belange einsetzen.
Für alle Beteiligten ist es wichtig, welche Rolle die soziale Bewegung bei
den nächsten Wahlen in El Salvador spielen wird. Im März 2012 stehen
Bürgermeister- und Parlamentswahlen an, 2014 sind die nächsten
Präsidentschaftswahlen. Ob die Enttäuschung die WählerInnen zum Überdenken
ihrer Wahlentscheidung bringt, hängt vor allem davon ab, wie glaubwürdig die
FMLN die mager erscheinende Ausbeute ihrer Regierung vermitteln kann.
Übertriebene Hoffnungen hat sich in den sozialen Organisationen wohl niemand
gemacht, denn die Ausgangslage der linken Regierung ist in der traditionell
eher pragmatisch orientierten Linken El Salvadors jedem klar. Umso wichtiger
ist es, dass sich FMLN-AktivistInnen und sozial Engagierte gleichermaßen
einig darin sind, dass trotz des Ausbleibens offensichtlicher sozialer
Veränderungen Grundlagen für den Wandel gelegt worden sind. Ein
Strukturwandel kann in nur wenigen Jahren nicht geleistet werden. Um ihn zu
erreichen, braucht die salvadorianische Linke Zugriff auf die
Regierungsverantwortung, aber sie braucht auch eine soziale Basis mit
eigenen Ideen und der Möglichkeit, diese einzubringen. Die Chancen dafür
stehen trotz aller Schwierigkeiten nicht schlecht.
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