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Argentinien - Zwei vor ... / ila 276

Die Washington-Bogotá
-Cúcuta-Caracas-Connection
Gefährliche Allianzen zur Destabilisierung
 der Chávez-Regierung
von Dick Emanuelsson

Diplomatische Unruhe zwischen Kolumbien und Venezuela löste am 9. Mai die Verhaftung von 50 Kolumbianern – mutmaßlichen Paramilitärs – auf einem Landgut in unmittelbarer Nähe der venezolanischen Hauptstadt aus. Die Hacienda, auf der sich insgesamt 130 Kolumbianer aufhielten, gehört Robert Alonso, einem bekannten Chávez-Gegner. Venezuelas Vizepräsident José Vicente Rangel forderte das State Department und den US-Botschafter in Caracas auf, in Anbetracht „der Präsenz von 130 kolumbianischen Paramilitärs, die bereit sind, Venezolaner zu töten“, Flagge zu zeigen und zu erklären, was sie davon hielten. Auch in Kolumbien erzeugten die Verhaftungen im Nachbarland Aufsehen. Die Regierung in Bogotá versuchte, den Skandal auf kleiner Flamme zu halten. Heereschef General Carreño musste aber zugeben, dass es sich bei 26 der Verhafteten um Armeereservisten handele. Der Vorfall beleuchtet eine gefährliche Entwicklung, die man als Washington-Bogotá-Cúcuta-Caracas-Connection umschreiben kann. Cúcuta ist die Hauptstadt des an Venezuela grenzenden kolumbianischen Departments Norte de Santander. Diese Region wird von Paramilitärs kontrolliert, die dort auch ihre Drogengeschäfte abwickeln. Die kolumbianischen Generäle Carreño und Mora Rangel, die im folgenden Artikel Erwähnung finden, sind bekannt wegen ihrer Nähe zu den Paramilitärs. Und was ist mit den Interessen der USA? Dazu schreibt Marcela Sánchez in der Washington Post vom 20. Mai: „Die Sicherheit von Venezuelas Ölfeldern ist bestimmt auf der Topliste der US-Anliegen. Die USA kaufen täglich 2,6 Millionen Barrel von dieser südamerikanischen Nation. Zusammen mit Kanada, Mexico und Saudi-Arabien ist Venezuela unter den vier wichtigsten Rohöllieferanten.“ Dick Emanuelsson hat einige Stücke des Connection-Puzzles zusammengetragen.

Bei seinem Besuch in Bogotá am 4./5. Dezember 2002 traf sich US-Außenminister Colin Powell auch mit dem venezolanischen Putschisten Pedro Carmona. Carmona war nach dem 47-stündigen Staatsstreich der venezolanischen Justiz entwischt und hatte Zuflucht in Bogotá erhalten. Weiter darum bemüht, Präsident Chávez zu stürzen, verließ Pedro Carmona, Chef des Unternehmerverbandes Fedecámaras, mit neuen Kräften das Hotel, in dem das geheime Treffen in der kolumbianischen Hauptstadt stattgefunden hatte. 
Diese interessanten Details enthüllt die Journalistin Gina María Ramírez in dem Artikel „Powell in Bogotá mit venezolanischem Putschisten“, den der alternative Informationsdienst Indymedia am 21. Dezember 2002 publizierte.1 „Die vielleicht wichtigste Mission von Colin Powell bei seinem Besuch am 4. und 5. Dezember in Bogotá war es, eine flüssigere Koordination im Hinblick auf einen militärischen Staatsstreich der Opposition in Venezuela zu erreichen. Powell verschwand am 4. Dezember einen halben Tag und eine halbe Nacht und traf sich mit Pedro Carmona und anderen Putschisten“, schreibt Ramírez.

Erinnern wir uns daran, dass die USA, El Salvador und der Internationale Währungsfonds (IWF) die ersten waren, die die zivil-militärische Junta anerkannten, die am 11. April 2002 Chávez stürzte. (Aznar als damaliger Ratsvorsitzender der EU hatte noch vor Vereidigung der Putschregierung ein Unterstützungsschreiben der EU losgeschickt, musste dieses aber nach Protesten schnellstens von der EU-Präsidentschaftswebsite verschwinden lassen.) Kolumbianische Organisationen, die bezichtigt werden, paramilitärische Gruppen zu unterstützen, wie der Viehzüchterverband Fedegan, Arbeitgeber- und Industrieverbände, begrüßten euphorisch den Staatsstreich im Nachbarland. „Die uneingeschränkte Unterstützung und die verzerrte Information, die (...) von den putschbefürwortenden Medien in Venezuela ausgeht, werden von der kolumbianischen Presse aufgenommen und veröffentlicht. Dies wird in Bogotá und Cúcuta von dem flüchtigen Putschisten Carmona koordiniert, der alle vierzehn Tage nach Washington reist und sich regelmäßig mit der US-Botschafterin in Kolumbien, Ann Patterson, ihrem Kollegen in Venezuela, Charles Shapiro, sowie General Jorge Mora Rangel (Chef der Streitkräfte Kolumbiens) trifft“, schreibt die Journalistin Gina María Ramírez.

Der venezolanische Vizepräsident Vicente Rangel informierte am 11. Mai 2004 die Presse, dass sich der Chef des kolumbianischen Heeres, General Orlando Carreño, mit Führern der venezolanischen Opposition in Cúcuta, einer kolumbianischen Stadt an der Grenze zu Venezuela, getroffen hat, die laut der Journalistin Ramírez ein Koordinationszentrum für die venezolanischen Putschisten und ihre mutmaßlichen kolumbianischen Komplizen ist. Unter dem Druck der Information des venezolanischen Vizepräsidenten gab General Carreño zu, dass er fürwahr in Cúcuta an dem von Rangel angegebenen Datum einen Termin gehabt hatte. Er habe sich aber nicht mit der venezolanischen Opposition, sondern mit Viehzüchtern aus dem Nachbarland getroffen. Diese hätten den kolumbianischen Heereschef gebeten, die Grenze so abzusichern, dass die Guerilla nicht durchschlüpfen könne.

Dabei stellt sich die Frage, ob internationale Angelegenheiten dieser Art Kompetenz der Militärs und nicht etwa der Regierung sind. Außerdem: Sind die venezolanischen Viehzüchter, die mutmaßlich hinter den Morden an 120 Bauernführern in der Grenzzone stecken, „unpolitisch“? An der Spitze des venezolanischen Oppositionsbündnisses Coordinadora Democrática (Demokratische Koordination) sind mehrere Vertreter der Viehzüchter und Großgrundbesitzer. Aber wer sind die Viehzüchter, mit denen sich der kolumbianische General Carreño getroffen hat? Im Pressebüro des Verteidigungsministeriums in Bogotá kennt keiner ihre Namen. Jedoch wird bestätigt, dass 26 von den 50 Kolumbianern, die am 9. Mai in Caracas verhaftet wurden, Reservisten der kolumbianischen Armee sind.

Nach Berichten des State Department werden die Aktionen von Viehzüchtern gegen die Landreform in Venezuela von den USA finanziert. Dies enthüllte die nordamerikanische Journalistin Eva Golinger Ende letzten Jahres. Sie schaffte es, Dokumente zu deklassifizieren, die nachweisen, dass die venezolanische Opposition mit Millionen von Dollars begünstigt wird. Unter den EmpfängerInnen ist auch die Organisation ACAC (Asociación Civil Acción Campesina), eine NRO der Viehzüchter. Diese Organisation der „Zivilgesellschaft“ erhielt zwischen 2002 und 2003 zwei Zuwendungen über eine Gesamtsumme von 93 Mio. US-Dollar. Eine vergleichbare nordamerikanische Großzügigkeit ist zugunsten der Agrarreform nicht festzustellen. 

„Der Nationale Demokratiefonds, der dem US State Department zugeordnet ist, händigte der ACAC tausende von Dollar aus, mit denen versucht wurde, die Agrarentwicklungspläne (...) und die Durchführung des Landverteilungsgesetzes in zehn Provinzen von Venezuela zu sabotieren“, merkt Golinger an. „Ihre wichtigsten Vertreter machten eine Reihe von öffentlichen Erklärungen, mit der Absicht, die Gesellschaft in einen Alarmzustand zu versetzen und eine ablehnende Haltung gegenüber den Projekten des Land- und Agrarentwicklungsgesetzes der nationalen Regierung zu erzeugen.“Die Abgesandten der venezolanischen Viehzüchter trafen sich am 12. März 2004 mit dem kolumbianischen Heereschef in der Stadt Cúcuta. Zu diesem Zeitpunkt waren die kolumbianischen Armeereservisten oder Paramilitärs bereits auf dem Landgut des kubanisch-venezolanischen Robert Alonso in Caracas, um sich für die Beteiligung an einem bewaffneten oppositionellen Aufstand gegen Präsident Chávez vorzubereiten. 

Nach einem Bericht der Journalistin Gina María Ramírez traf sich der Putschist Pedro Carmona Anfang Dezember 2002 nicht nur mit Colin Powell, sondern auch mit dem kolumbianischen General Mora Rangel. „Empathie für eine perfekte Koordination besteht zwischen Powell und Mora schon seit 17 Jahren. Sie waren beide Schüler der ,School of the Americas' und danach Ausbilder, Koordinatoren und Berater von vier Seminaren der amerikanischen Armeen und danach wieder gemeinsam am Lehrstuhl für Hohe Internationale Studien, die die Schule der Generalstäbe der Nordamerikanischen Armeen organisiert.“ Mit Blick auf die Position des kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe vermerkt Ramírez, dass dieser bereit war, „Mora Rangel als Militärattaché im Pentagon zu ernennen. Er war voll überzeugt, dass das sein Schlüsselposten war.“

Wo fand eigentlich das Treffen am 4./5. Dezember 2002 statt, das bis jetzt in offiziellen kolumbianischen Kreisen weder bestätigt noch erwähnt wird? – „Das Treffen war im Hotel des Fonds der Nationalpolizei. Soweit bekannt nahmen daran teil der kolumbianische General (Mora Rangel), Colin Powell, die (US-Botschafterin in Kolumbien) Patterson, Pedro Carmona, der Kommandant der (kolumbianischen) Luftwaffe (General Velasco), der Direktor der neuen Nationalen Zentrale des Militärischen Nachrichtendienstes, Rosso José Serrano, zwei Delegierte der ,La Plaza Altamira' (venezolanische Opposition), zwei Chefs venezolanischer Medien und Direktoren und Abgesandte von zwei Tageszeitungen, einer Zeitschrift und einem Radiosender von Kolumbien“, schreibt Ramírez.

An einem regnerischen Sonntag, am 30. November letzten Jahres, erschien Pedro Carmona auf einem Platz des Stadtviertels Usaquén im Norden von Bogotá, um eine Unterschrift gegen Präsident Chávez zu leisten.2 Dabei machte er sich dieselbe Verfassung zunutze, die er am 12. April 2002 bei seiner makabren Selbsterklärung zum neuen Präsidenten von Venezuela mit einem Federstrich außer Kraft gesetzt hatte. Auf dem Platz gab es zwei Zelte, in denen Unterschriften gegen Chávez gesammelt wurden. War das auch Teil der Connection: Washington-Bogotá-Cúcuta-Caracas?

DickEmanuellson (dickema@hotmail.com) ist schwedischer Journalist und lebt in Kolumbien. Der Artikel wurde am 13. Mai 2004 von den kolumbianischen  Presse- und Internetdienst Prensa Rural (www.prensarural.org) veröffentlicht. Übersetzung. Bettina Reis

1) "Powell en Bogota con golpistas venezolanos", 21.12.02, http://ecuador.indymedia.org/es/2002/12/1337.shtml
2) "Pedro Carmona aprovecho la constitucion bolivariana y firmo contra Chavez en Bogota",  www.aporrea.org/dameverbo.php?docid=12109