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aus Medien - Manipulation / ila 258

Kandidaten und Subjekte
Interview mit Victoria Flores Gutiérrez von der CDS aus Ecuador

Als Präsident Jamil Mahuad im Januar 2000 ankündigte, die Landeswährung Sucre durch den Dollar zu ersetzen, riss vielen EcuadorianerInnen der Geduldsfaden. Ein Bündnis aus Indígena-Organisationen und progressiven Militärs zwang die Regierung Mahuad mit einem Volksaufstand zum Rücktritt. Diese Koalition war jedoch nur wenige Stunden an der Macht, schnell ernannte das politische und militärische Establishment den ehemaligen Vizepräsidenten Gustavo Noboa zum Präsidenten. Mit Unterstützung des IWF und der USA konnte die wirtschaftspolitische Linie des gestürzten Mahuad aufrecht erhalten werden und die Dollarisierung wurde umgesetzt. Seither bezahlt man in dem Andenland nur noch mit den grünen Scheinen aus den Staaten. Ein Jahr später gab es wieder Mobilisierungen. Diesmal war das Widerstandsbündnis noch breiter, neben dem Indígena-Dachverband CONAIE beteiligten sich auch andere indigene Organisationen an dem Aufstand gegen die neoliberale Wirtschaftspolitik. Diesmal wurde die Regierung zwar nicht gestürzt, doch konnten einige wirtschaftspolitische Zugeständnisse erreicht werden. Seitdem ist es still geworden um die sozialen Bewegungen. Im Frühsommer 2002 war Victoria Flores Gutiérrez, Mitglied der Corriente Democracia Socialista (CDS) und der CONAIE, auf Rundreise durch Deutschland. Wir nutzten die Gelegenheit für ein Gespräch, um von ihr den Stand der Bewegung zu erfahren, besonders angesichts der anstehenden Präsidentschaftswahlen am 20. Oktober und den Gegenaktivitäten zum Gipfeltreffen der kontinentalen Freihandelszone ALCA, das ebenfalls im Oktober in Quito stattfinden wird. 

In Ecuador wurde vor gut zwei Jahren das Währungssystem dollarisiert. Damit sollte die Inflation gestoppt werden. Welche konkreten Veränderungen hat die Dollarisierung tatsächlich bewirkt?

Die Finanzkrise vor der Dollarisierung ist eine von den Exporteuren künstlich geschaffene Krise gewesen. Im herrschenden Diskurs war ständig die Rede von einer Hyperinflation. Ecuador hatte aber nie eine Hyperinflation – das wird besonders deutlich im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern, wie z.B. Argentinien Anfang der neunziger Jahre. Zwei Monate nach dem Regierungssturz führte der neue Präsident Noboa die Dollarisierung ein. Die komplette Umstellung dauerte fast noch ein Jahr. Viele Leute waren zunächst von dieser Maßnahme überzeugt, weil sie sich davon eine gewisse Stabilität erhofften. Heute, nach zwei Jahren, können wir feststellen, dass die Dollarisierung eine ideologische Maßnahme war, um vor der Bevölkerung das eigentliche Niveau der Inflation zu verschleiern. Angeblich haben wir heute eine Inflation von nur 0,4 Prozent. Das sagen zumindest die makroökonomischen Analysen aus. 

Dennoch gab es eine enorme Preissteigerung: Im September 2000 war die Umstellung abgeschlossen und zu der Zeit erhöhten sich die Preise von einer Woche auf die andere drastisch. Die Preissteigerungen sind in Dollar, während die Löhne und das Mindesteinkommen noch in Sucre berechnet werden. Es gibt Berechnungen, die aufzeigen, dass wir im Prinzip eine Inflation von 300 Prozent haben, wenn man die vorherigen Preise in Sucre mit den jetzigen in Dollar vergleicht. Die Begründung für diese Preisexplosion war, dass es nicht genügend Kleingeld zum Wechseln gab – daher wurden die Preise einfach raufgesetzt! Ein Beispiel: Der Wechselkurs betrug zuletzt ein Dollar = 25 000 Sucre. Vor der Umstellung kostete eine Busfahrkarte 8000 Sucre, jetzt kostet sie knapp einen Dollar, was fast eine Verdreifachung darstellt!

Was für Meinungen gibt es in der Bevölkerung über die Dollarisierung? Wird sie als unumkehrbarer Tatbestand wahrgenommen?

Im Prinzip muss man zwei Gruppen innerhalb unserer Gesellschaft unterscheiden, für die die Dollarisierung verschiedene Effekte hat: Zum einen die kleine Schicht der Exporteure, die der Regierung nahe steht. Dieser Sektor profitiert von einer gewissen Stabilisierung, ebenso die Importeure von bestimmten Technologien, wie z.B. Computern. Doch breite Bevölkerungsschichten sehen sich einer Preissteigerung im Bereich der Grundnahrungsmittel gegenüber. Der Anteil der Bevölkerung, der offiziell als arm gilt, beträgt 84 Prozent, der Mindestlohn liegt bei 120 Dollar monatlich. Grundsätzlich schwankt die Stimmung zwischen Akzeptanz und Resignation. Viele sagen: Uns geht es jetzt ein bisschen besser als vorher, weil diesen wilden Wechselkursschwankungen Einhalt geboten wurde.
Innerhalb der sozialen Bewegungen gibt es verschiedene Argumentationslinien. Große Teile konzentrierten sich hauptsächlich auf den Kampf gegen die Dollarisierung und haben somit den Widerstand gegen die Privatisierungen der staatlichen Firmen vernachlässigt.

 Im Moment nehmen einige den Widerstand gegen diese Maßnahmen wieder auf. Viele Leute haben der Regierung auch vorgeschlagen, die Währung wieder umzustellen, also zum Sucre zurückzukehren. Denn neben dem Dollar ist noch eine andere offizielle Währung im Umlauf, die zwar auch Dollar heißt, aber nur in Ecuador erhältlich und gültig ist. Das kommt daher, dass es bei der Umstellung Engpässe gab, vor allem beim Münzgeld. Eine andere Debatte der sozialen Bewegungen konzentriert sich darauf, der Regierung zu zeigen, dass es in der Tat Alternativen zur Dollarisierung gibt. In dem Zusammenhang haben uns die Ereignisse in Argentinien gewissermaßen geholfen. Hierzulande werden nun die neoliberalen Wirtschaftsrezepte in Frage gestellt, die Argentinien in die jetzige Situation gebracht haben: die starre Dollarbindung und der Ausverkauf des Landes. Vor dem argentinischen Hintergrund hat die Widerstandsbewegung gegen die Privatisierungen im Moment einen ganz guten Stand.

Im Prinzip gibt es innerhalb der sozialen Bewegungen zwei Linien: Zum einen diejenigen, die Alternativen zu Dollarisierung vorschlagen, das sind vor allem Intellektuelle, die dem „Movimiento Pachakutik“1 nahe stehen. Ein anderer Vorschlag ist, den Dollar beizubehalten, aber auch die Löhne auf ein „dollarisiertes“ Niveau anzuheben und die Haushaltsausgaben anders zu verteilen. Im Moment verschlingt z.B. die Bedienung der Auslandsschulden 54 Prozent des Gesamthaushalts. Auch dazu gibt es Alternativvorschläge, die darauf abzielen, diesen Anteil zu verringern.  Mit Bezug auf die Bevölkerung allgemein kann man sagen, dass viele Leute einfach verzweifelt sind und versuchen auszuwandern. 74 Prozent der Bevölkerung sind im Moment unterbeschäftigt oder arbeitslos.

Was ist aus dem Widerstandsbündnis geworden, das vor zwei Jahren die Regierung aus dem Amt gejagt hat? 

Wir kämpfen weiterhin gegen die Privatisierungen und die Globalisierung, neu dazugekommen sind viele RentnerInnen, die um ihre Ersparnisse betrogen worden sind, als ähnlich wie in Argentinien der Zugang zu den Bankkonten gesperrt wurde. Die CONAIE versucht die ganzen Kämpfe wieder zu bündeln, wobei sie sich auf drei Hauptfelder konzentriert: der Kampf gegen das ALCA und den Plan Colombia, die Forderungen nach Demokratie und der Kampf gegen die Privatisierungen und die Dollarisierung. Aber auch innerhalb der CONAIE gibt es Meinungsverschiedenheiten. Im Oktober finden Präsidentschaftswahlen in Ecuador statt und in Wahlkampfzeiten treten immer verstärkt Unterschiede zu Tage. In der CONAIE sind Organisationen aus drei der insgesamt vier Regionen Ecuadors vertreten, von der Küste, der Hochebene und aus dem Osten. Die vierte Region, die Galapagos-Inseln, ist sehr klein und hat als Nationalpark eine Sonderstellung. Die CONAIE hat sehr viel Einfluss im Hochland und im Osten. Ihre Ursprünge liegen zum einen bei den Kämpfen der Amazonas-Bevölkerung gegen die Erdöl-Unternehmen, zum anderen bei der Bewegung aus dem Hochland gegen die 500-Jahr-Feiern. Hier spielt die Mitgliedsorganisation ECUARUNARI eine wichtige Rolle. Diese Unterorganisation der CONAIE, in der sich die Kichwa-Indígenas zusammengeschlossen haben, ist sehr radikal, ihre Mitglieder haben ein sehr ausgeprägtes politisches Bewusstsein.

In Bezug auf die Wahlen gibt die CONAIE nach außen ein geschlossenes Bild ab, aber eigentlich gibt es intern zwei verschiedene Positionen: Zum einen die Position des ehemaligen CONAIE-Präsidenten Antonio Vargas, der sich reale Chancen als Präsidentschaftskandidat ausrechnet und dabei verschiedene Allianzen in Erwägung zieht, sei es mit Parteien der Mitte, evangelischen Indígenas oder sogar mit Parteien der populistischen Rechten. Diese fragwürdigen Strategien bringen ihm natürlich viel Kritik ein. Antonio Vargas ist aber fest entschlossen zu kandidieren, egal ob die CONAIE ihn unterstützt oder nicht. Gleichzeitig baut er auf Unterstützung von Seiten der Kräfte, die neben der CONAIE bei dem letzten Aufstand Anfang 2001 dabei waren. Die Indígena-Bewegung Ecuadors setzt sich nämlich aus drei Organisationen zusammen: der FENOCIN (Dachverband indigener und afroecuadorianischer Bauern), der CONAIE und der FEINE. Die FEINE ist eine evangelische Indígena-Organisation und die FENOCIN, die der Sozialistischen Partei angegliedert ist, kämpft schon seit vielen Jahren für eine Landreform. Die CONAIE schließlich hat drei Hauptaktionsfelder: den Kampf um kulturelle Selbstbestimmung, die Forderung nach Organsiations- und Mitbestimmungsrechten und das politische Projekt eines plurinationalen multiethnischen Staates.

Das Movimiento Pachakutik propagiert andererseits die Kandidatur von Auki Tituaña, der Bürgermeister im Kanton Cotacachi, im Norden Ecuadors, ist. Auf dem letzten Kongress der CONAIE im April wurde öffentlich erklärt, dass die CONAIE keinen der beiden Kandidaten unterstützt. Dabei wurde jedoch den Mitgliedsorganisationen frei gestellt, bestimmte politische Präferenzen zu äußern. Für die CONAIE ist es aufgrund der unterschiedlichen Meinungen und Wahloptionen im Moment sehr schwierig, eine klare Position zu finden. Die verschiedenen Strömungen schwächen unsere Arbeit natürlich ungemein, und das in einem Moment, wo wir eigentlich unsere ganzen Kräfte auf den Kampf gegen die Wirtschaftspolitik aufwenden müssten. Dennoch läuft unser Kampf weiter, es entstehen sogar neue Zusammenschlüsse: Innerhalb der StudentInnenschaft gibt es Sektoren, die nach den Protesten in Genua, Prag und Seattle angefangen haben sich zu radikalisieren und neue Vorschläge in der Linken einzubringen. Diese StudentInnen sind auch an der Vorbereitung zu den Gegenaktivitäten des ALCA-Gipfeltreffens beteiligt, das im Oktober in Ecuador stattfinden wird. 

Die Wahl Ecuadors als Austragungsort hat einen hohen Symbolgehalt: In unserem Land gibt es ja den Militärstützpunkt in Manta (an der Pazifikküste, Anm. d. Red.), den die Regierung dem US-Militär überlassen hat und der im Rahmen des Plan Colombia eine wichtige Rolle spielt. Gegen den Plan Colombia wehrt sich aber auch die Bevölkerung aus den Stadtrand-Vierteln Quitos, in denen viele MigrantInnen leben: Diese Menschen sind aus den drei an Kolumbien angrenzenden Provinzen Sucumbíos, Esmeraldas und Carchi weggezogen. Die Militarisierung der Region wirkt sich natürlich auch auf die ecuadorianischen Grenzregionen aus.All diese Kämpfe laufen im Moment noch ein wenig nebeneinander her. Wir hoffen aber, dass der ALCA-Gipfel im Oktober die Leute zusammenbringen wird. 

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen der urbanen – meist mestizischen – Linken und der organisierten Landbevölkerung, die das Recht auf indigene Selbstbestimmung einfordert?

Unsere Organisation beteiligt sich z.B. an den Kämpfen der Indígenas, deren Gemeinden in der Nähe von Quito liegen. Ihre Kultur wird sehr stark von der hegemonialen städtischen Kultur beeinflusst. Außerdem arbeiten wir mit ECUARUNARI zusammen, insbesondere unterstützen wir die Frauenschule dieser Organisation. Diese Schule hat u.a. die Stärkung des Selbstbewusstseins indigener Frauen zum Ziel, gerade auch in Bezug auf die Beteiligungschancen innerhalb der politischen Organisationen. Weiterhin arbeiten wir mit StudentInnen zusammen, mit Jugendlichen aus ärmeren Stadtvierteln und mit christlichen Basisgemeinden.

Das „Movimiento Pachakutik“ ist 1996 mit dem Ziel entstanden, alle Kämpfe gegen die Privatisierungen zusammenzuführen. In diesem Sinne arbeiten wir daran, die Kämpfe der Stadt mit denjenigen vom Land zu verbinden. Ein konkretes Beispiel: Im Moment versuchen wir in Sucumbíos, einer Grenzregion zu Kolumbien, mit verschiedenen Kräften gemeinsame Vorschläge und Forderungen aufzustellen. Der Plan Colombia beeinträchtigt dort die Landbevölkerung, die für den internen Markt produziert, und das ist mehrheitlich die indigene Bevölkerung. Auch von ALCA wird die Landbevölkerung viel direkter betroffen sein. Gegen die Import-Liberalisierungen wird sich unsere schwache Wirtschaft nicht behaupten können. Unsere Forderung nach dem Recht auf Selbstbestimmung ist folglich Grundlage der Kämpfe gegen ALCA und gegen die Privatisierungen. Außerdem unterstützen wir damit die Konstruktion von Subjekten.

Was ist mit „Konstruktion von Subjekten“ gemeint?

Subjekte aufzubauen heißt für uns in den verschiedenen Bereichen zu arbeiten, in denen gesellschaftliche Widersprüche auftreten. Die Frauen haben z.B. spezifische Forderungen. Sie wollen eine Gesellschaft, die ihnen mehr Rechte und mehr politische Beteiligungsmöglichkeiten bietet. Außerdem wenden sie sich gegen die gewalttätige Kultur in unserem Land. Wir versuchen den Organisierungsprozess der Frauen zu unterstützen.
Die StudentInnenschaft ist ein anderes Subjekt. Die Privatisierungen betreffen auch den Bildungsbereich, die öffentlichen Ausgaben werden immer mehr eingeschränkt. Außerdem geht es darum, dass die StudentInnen ein kritisches Bewusstsein entwickeln, um alternative Gesellschaftsmodelle entwerfen zu können. 

Diese Konstruktion von Subjekten erinnert ein wenig an das Konzept des „revolutionären Subjektes“ – die Organisation sucht sich die Subjekte nach ihren Vorstellungen ...

Nein, als Frauen z.B. organisieren wir uns ja schon selbst innerhalb dieses Prozesses. Die Organisation trägt lediglich dazu bei, dass gewisse politische Kenntnisse verbessert werden, z.B. marxistische Grundlagen, aber auch andere linke Theorien.

Ist die indigene Bevölkerung auch ein Subjekt?

Die indigene Bevölkerung ist zur Zeit das einzige organisierte Subjekt in Ecuador! Die anderen Subjekte sind noch lange nicht so weit, während die Indígena-Bewegung seit 500 Jahren gegen die Ausbeutung kämpft.

Bei den Indígenas geht es ja auch um den Kampf gegen den Rassismus ...

Ja, aber die Basis dessen ist doch letztlich die wirtschaftliche Diskriminierung. Der Kampf um Land und Territorium ist ja nicht nur kulturell, sondern steht auch für materielle Bedürfnisse. 
In einigen mestizischen Kreisen ist die indigene Kultur zur Zeit fast schon zu einer Mode geworden. Während der Aufstände gab es auch deshalb viel Rückhalt bei der Bevölkerung. Diese Unterstützung war aber eher passiver Natur. Die Leute fanden es gut, dass die Indígenas auf die politische Bühne treten und ihren Kopf hinhalten – und zwar für die ganze Bevölkerung, denn ihre Forderungen beziehen alle EcuadorianerInnen mit ein. Doch neben der Indígena-Bewegung gibt es keine andere ähnlich starke Widerstandsgruppe, die auch für die Indígenas den Kopf hinhalten würde. 

Gibt es Verbindungen zwischen organisierten EcuadorianerInnen im Ausland, die für ihre Rechte als MigrantInnen und gegen den Rassismus kämpfen, und den Bewegungen in Ecuador?

Etwa drei Millionen EcuadorianerInnen leben im Ausland. Nur um eine Vorstellung zu haben: Im Jahr 2000 betrug die Gesamtbevölkerung Ecuadors 13 Millionen! Auch Mitglieder von Pachakutik sind emigriert. In Spanien, wohin die meisten ausgewandert sind, gibt es die Organisation „Rumiñahui“, die für die Rechte der ImmigrantInnen kämpft. Dieser indigene Name – übersetzt „Steingesicht“ – hat für uns einen hohen Symbolgehalt. Rumiñahui war einer der indigenen Generäle, der am entschiedensten gegen die spanischen Eroberer gekämpft hatte. Ein Führungsmitglied von Pachakutik arbeitet bei Rumiñahui mit. Die Leute haben sich zusammengetan, um über ihre Situation als MigrantInnen ohne Papiere zu sprechen. Damit hat ein Politisierungsprozess begonnen, der auch Verbindungen zu Pachakutik in Ecuador unterhält. In Spanien gab es in letzter Zeit einige Demonstrationen für die Rechte der MigrantInnen, die von Rumiñahui organisiert worden waren. Gleichzeitig gab es auch in Ecuador Demonstrationen, die sich mit den MigrantInnen in Spanien solidarisierten. In Spanien engagieren sich die Leute in freien Radios oder in den speziellen Schutzhäusern, wo z.B. Kinder aus Ecuador, die alleine nach Spanien reisen, eine erste Anlaufstelle haben.
Viele Regionen in Ecuador haben praktisch alle ihre Führungsmitglieder verloren, weil sie ausgewandert sind.

Was bedeutet dieser Exodus von Führungsmitgliedern für diejenigen, die bleiben? Kommen neue Generationen nach?

Früher haben wir die Auswanderung auch als einen Verlust von Führungspersönlichkeiten interpretiert, was letztlich eine sehr westliche Lesart war. Heute sehen wir, dass die indigene Bewegung gerade aus den gemeinschaftlichen Prozessen ihre Stärke bezieht. Die Führungsmitglieder haben vielleicht eher die Fähigkeit, übergreifende politische Projekte zu entwerfen, aber letztlich muss alles mit der Basis abgesprochen werden, deren Veränderungsvorschläge oft viel radikaler sind.

Das Gespräch führte Britt Weyde im Juni 2002 in Köln.

1) „Movimiento Pachakutik – Nuevo País“ ist der politische Arm der CONAIE.

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