aus Bibliotheken / ila 249
Bibliothek & Information International
Kooperation mit Lateinamerika im Bibliothekswesen
von Regine Schmolling
Bibliothek & Information International (BII) ist eine Organisation von Informationsfachleuten. Die Geschäfte werden ehrenamtlich von VertreterInnen der Bundesvereinigung deutscher Bibliotheksverbände (BDB) und ihrer Kooperationspartner, dem Goetheinstitut Inter Nationes (GIIN) und der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI) geführt. Durch internationale Kooperation und Kontaktpflege fördern sie den Auf- und Ausbau informationsvermittelnder Kompetenzen. In Deutschland koordiniert BII zudem den internationalen Know-how-Transfer des Bibliotheks- und Informationswesens. Für die überwiegend projektbezogene Arbeit werden Zuwendungen der Kulturstiftung der Länder und des Auswärtigen Amtes eingesetzt.
Konkret erfolgt die internationale Zusammenarbeit durch die Einladung ausländischer ExpertInnen zu Fachaufenthalten nach Deutschland sowie durch die Entsendung deutscher ExpertInnen ins Ausland1. Auslandsaufenthalte werden auch zur Förderung des beruflichen Nachwuchses angeboten. BII veranstaltet internationale Workshops, Seminare, Symposien und Konferenzen und unterstützt fachbezogene internationale Forschungsvorhaben. Darüber hinaus werden Studienreisen organisiert und der Besuch deutscher ExpertInnen bei europäischen und internationalen Kongressen gefördert. Der Aufbau von und die Beteiligung an internationalen Netzwerken ist ebenfalls Teil der Kooperation.
Für den Zeitraum 2000 bis 2005 hat BII zwei regionale Förderschwerpunkte beschlossen: die skandinavischen Länder und den iberoamerikanischen Kulturkreis mit Spanien, Portugal und Lateinamerika. Im Hinblick auf die im Jahre 2004 in Buenos Aires stattfindende 70. Generalversammlung des „Internationalen Verbands der bibliothekarischen Vereine und Institutionen“ (IFLA) bemüht sich BII um die Intensivierung des Austausches mit Lateinamerika. Unter diesem Aspekt wurde im August 2000 ein erstes spanischsprachiges Seminar „Einführung in die deutsche Bibliothekswissenschaft“ für spanische und lateinamerikanische Bibliothekare in Köln veranstaltet. Unter den 19 TeilnehmerInnen befanden sich zwölf aus Lateinamerika. Ziel des Seminars war, den interbibliothekarischen Dialog zwischen Lateinamerika und Deutschland voranzutreiben und die Kontaktpflege künftig stärker bilateral zu gestalten. Der europäische Fachaustausch mit Lateinamerika soll ein Gegengewicht zur angloamerikanisch dominierten Informationswelt bilden. Im Anschluss an das Seminar wurde die Newsgroup „BIA-lis“ als bibliothekarisches Informationsforum ins Leben gerufen2. Ein weiteres Ergebnis ist die von BII geführte Adressendatei spanischsprechender BibliothekarInnen und DokumentarInnen in Deutschland, die als Netzwerk Sprachkundiger bereit sind, Praktikumplätze für spanisch- oder portugiesischsprachige KollegInnen an deutschen Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen zu vermitteln.
Als Folgeveranstaltung des Kölner Seminars fand in Buenos Aires im April 2001 eine Veranstaltung unter dem gleichen Titel statt. Der Direktor der Stadtbibliothek Köln, Dr. Neisser, nahm im September an einer Tagung in Mexico teil, wo er einen Vortrag über Management und Marketing in Öffentlichen Bibliotheken hielt. Im November sind zehn deutsche BibliothekarInnen zu einer Studienreise nach Spanien eingeladen. Zwei deutsche Vertreter werden im April nächsten Jahres zum internationalen Bibliothekskongress „INFO'2002“ nach Havanna fahren. Ein Informationsspezialist aus Cuba wird im kommenden Jahr zu einem Studienaufenthalt in Deutschland erwartet. Neben dem personellen Fachaustausch gibt es weitere Formen der Kooperation: Das Goetheinstitut in Buenos Aires ermöglicht lateinamerikanischen Wissenschaftlern, über die internationale Fernleihe wissenschaftliche Aufsätze aus Deutschland zu bestellen. Auf Initiative des dortigen Bibliotheksleiters, der ebenfalls Teilnehmer des Kölner Seminars war, wurde im Internet ein spanischsprachiger Dienst für zwei deutsche Bibliothekszeitschriften eingerichtet. Auf diesem Weg können sich Fachleute in Lateinamerika über den aktuellen Stand des deutschen Bibliothekswesens informieren. Bibliothek & Information International wird versuchen, im Gegenzug für die deutsche Fachöffentlichkeit Diskussionsbeiträge aus spanischen Bibliotheks- und Dokumentationszeitschriften zu übersetzen und ebenfalls ins Netz zu stellen.
1) Antragsformulare für Fachaufenthalte und Studienreisen gibt es unter www.stbib-koeln.de/bi/antrag.html
2) Eintrag in die Newsgroup: eMail an mailserv@goethe.de, in die Textzeile schreiben: subscribe BIA-lis + Vorname + Nachname. Nachrichten an die Liste werden an
BIA-lis@goethe.de gesandt. Bei Problemen bitte an
br@goehte.com.mx wenden.
Interessierte wenden sich an: Bibliothek & Information International, Vorsitzende: Ulrike Lang c/o Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Fax +49 40 42838 3352,
lang@bi-international.de oder an die Länderreferentin für Spanien, Portugal und Lateinamerika: Dr. Regine Schmolling, c/o Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Postfach 3301 60, 28331 Bremen, Tel/Fax +49 421 218-3636,
schmolling@suub.uni-bremen.de. Weitere Infos unter
www.bi-international.de
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