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Brasiliens Indio1-Bewegung hat die Veranstaltungen um die offiziellen 500-Jahr-Feiern der Regierung und der Katholischen Kirche zu öffentlichkeitswirksamen Aktionen genutzt. Am 500. Jahrestag der Entdeckung" Brasiliens am 22. April wollte Präsident Fernando Henrique Cardoso mit seinem portugiesischen Kollegen Jorge Sampaio in der Küstenstadt Porto Seguro in Südbahia feiern und zuvor auf einem Fototermin Harmonie mit Indiovertretern demonstrieren. Doch am Vortag beschlossen die 2000 Delegierten der Indiokonferenz im benachbarten Coroa Vermelha, Cardoso ihre Forderungen an einem anderen Tag zu überbringen. Während die Invasion unseres Landes durch die Weißen gefeiert wird, soll im Ausland der Eindruck erweckt werden, dass die Regierung uns gut behandelt," sagte Naílton Pataxó Hã-Hã-Hãe, einer der Organisatoren der Konferenz. Aber immer hat sie uns vergessen und ausgerechnet jetzt sollen wir empfangen werden?" Die Hauptforderung der Indios ist die Zuweisung und Absicherung von Land. Mehr als die Hälfte der 594 Indioterritorien ist noch nicht demarkiert. In 85 Prozent dieses Landes dringen SiedlerInnen, Goldschürfer und Holzfirmen ein.Auch Agro-, Pharma und Bergbaukonzerne sind an der Ausbeutung der Gebiete interessiert. Doch die Regierung hat die Mittel für die Demarkierung gekürzt und ergreift bei konkreten Konflikten meist Partei für antiindianische Interessengruppen. Am Festtag" schlug die Militärpolizei des Staates Bahia zu. Im Zentrum von Coroa Vermelha ging sie mit Tränengas, Knüppeln und Gummigeschossen auf einen Protestzug der Schwarzenbewegung los und nahm 140 Personen fest.Die Indios brachen um halb elf Uhr zum 20-km-Marsch nach Porto Seguro auf. Doch bereits nach einer halben Stunde lösten mehrere Hundertschaften Militärpolizei die Demonstration brutal auf. Stundenlang hielten die Polizisten mehrere Angehörige des Indianermissionsrats Cimi fest, der zu den wichtigsten Unterstützungsorganisationen der Indios zählt. Auch mehrere tausend Landlose, die vom Nachbarort Eunápolis nach Porto Seguro fahren wollten, wurden durch Polizeisperren aufgehalten. Die Küstenstadt war von 5000 Militärpolizisten hermetisch abgeriegelt worden. In seiner Festtagsrede erinnerte Cardoso auch an die Schattenseiten der letzten 500 Jahre. Der Preis für die Ausweitung der Grenzen unseres Territoriums war die Eliminierung indigener Völker, woran uns deren Vertreter heute zu Recht erinnern", sagte er. Auch für die Forderungen von Schwarzen und Landlosen zeigte er Verständnis. Noch am Vortag hatte er den AktivistInnen der Landlosenbewegung MST eine faschistische Mentalität" vorgeworfen. Und nach der Auflösung der Demonstrationen lobte sein Sicherheitsminister, General Alberto Cardoso, die Militärpolizei für ihren angemessenen Einsatz". Aus Protest gegen die Aggression der Regierung gegen die organisierte Indiobewegung" trat Carlos Marés, der Vorsitzende der staatlichen Indianerbehörde Funai, zurück. Ihn erinnerte das Vorgehen der Polizei an die Repression der 60er Jahre. Die Indios werteten die Ereignisse als großen moralischen Sieg. Die viertägige Konferenz in Coroa Vermelha und der vorausgegangene Sternmarsch dorthin waren bisher ihre größte landesweite Mobilisierung. Den Gedenkgottesdienst der katholischen Bischöfe in Coroa Vermelha am 26. April nutzten die Indios zu einer weiteren Protestkundgebung und durchkreuzten damit die Pläne des Vatikan, eine unpolitische Veranstaltung durchzuführen. Überraschend zogen 40 Pataxó während der Messe mit einem langen schwarzen Band an den Altar. Ihr Vertreter, der 24-jährige Matalauê Pataxó, sagte: Hier müsst ihr Respekt zeigen, denn dieses Land gehört uns. In unser Land haben sie ein Eisenkreuz gerammt und unser Denkmal zerstört, das an den Widerstand unseres Volkes erinnern sollte. Sie haben unseren Marsch mit einem Stoßtrupp, Schüssen und Tränengaskapseln verhindert. Einmal mehr haben sie die Entdeckung mit unserem Blut gefeiert. Doch sie werden unseren Widerstand nicht brechen." 1) Normalerweise benutzen wir die rassistisch besetzten Begriffe IndianerInnen" und Indio" nicht. Allerdings ist das spanische Indígenas" auch nicht geeignet, den brasilianisch-portugiesischen Begriff Indios" wiederzugeben. Deshalb haben wir ihn in diesem Text stehen gelassen die Red. |