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aus wohlhabenden Familien möglich ist. Aktuelle und künftige Führungseliten in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Medien" sind die primären Zielgruppen der auswärtigen Kulturpolitik, heißt es in den neuen Richtlinien aus dem Hause Fischer. Ganz ähnlich war das im Lateinamerikakonzept der Regierung Kohl aus dem Jahre 1995 formuliert. Dazu komme, im Zug der Entstaatlichung vieler Lebensbereiche" verstärkt der Sparzwang, der für mehr Effizienz mit weniger Mitteln" sorgen soll. Die Aufbruchstimmung von 1968ff ist lange her. Damals machte besonders an den Deutschen Schulen in Lateinamerika das Stichwort von der sozialen Öffnung" die Runde: Im Außenministerium setzte sich die linksliberale Staatssekretärin Hildegard Hamm-Brücher dafür ein. An mehreren Schulen arbeiteten engagierte PädagogInnen an der Einführung von Programmen für Kinder aus ärmeren Familien. Die ersten Versuche wurden damals in Guayaquil (ab 1970) und Bogotá (ab 1972) gestartet. In der ecuadorianischen Küstenstadt wurden bis 1975 50 SchülerInnen aus finanziell schwächeren Schichten" in die Klassen integriert, von denen acht die Schule wieder verließen. Zeitweise wurde das Tätigkeitsfeld ganz bewusst bis in den Dschungel der Bambushütten an den Ufern des Flusses"* ausgedehnt. Gerade dorther kamen die beiden besten Schülerinnen. Doch auf Dauer war die Arbeit in den suburbios nicht aufrechtzuerhalten, da sie ein ständiges zusätzliches Engagement der Lehrerschaft erfordert hätte. Am Colegio Andino in Bogotá wurde
zuerst das Modell des Seiteneinstiegs" in der fünften Klasse umgesetzt. Nach
dem ersten ausgeklügelten Auswahlverfahren unter 227 SchülerInnen aus 14 staatlichen
Schulen blieb letztlich eine Klasse mit 31 Schülerinnen übrig das Proyecto
Especial war geboren. Ausschlaggebend für das Zustandekommen waren neben der
Diskussion über die soziale Öffnung die Pläne des kolumbianischen
Erziehungsminsteriums, nach denen alle Privatschulen zur Aufnahme von 10%
Stipendiaten verpflichtet werden sollten". Nach Aussagen von damals beteiligten LehrerInnen gehörten die StipendiatInnen schon bald regelmäßig zur Spitzengruppe. Doch durch die separate Beschulung bis hin zur Abschlussklasse wurde das Phänomen des clasismo, also der Diskriminierung der SeiteneinsteigerInnen aus sozialen Gründen, eher noch verstärkt. Ende der achtziger Jahre beschloss der Schulvorstand, die unerwünschten NebenbuhlerInnen für seine behüteten Kinder aus der Ober- und der oberen Mittelschicht wieder von der Schule fernzuhalten und setzte die Beendigung des Projekts E" durch.Zu jenem Zeitpunkt war die soziale Öffnung auch unter der deutschen Lehrerschaft schon längst kein Thema mehr. Stattdessen berichtete das Verbandsblatt Der Deutsche Lehrer im Ausland" unter der Rubrik Arbeit im Stillen" regelmäßig über Sozialprojekte von Lehrerinnen, Lehrern und deren Ehefrauen" außerhalb der Schule. In Guayaquil wird heute eine kostenlose Nachmittagsschule für 120 Kinder mittelloser Eltern unterhalten, die völlig getrennt vom (teilweise deutschsprachigen) Normalbetrieb am Vormittag funktioniert. Im Süden nichts Neues Insgesamt gibt es 39 deutsche Schulen in Lateinamerika.
Wie eh und je sorgen die hohen Aufnahme- und Schulgebühren dafür, dass nur eine
privilegierte Minderheit der einheimischen Bevölkerung die Möglichkeit hat, ihre Kinder
dorthin zu schicken. Die allermeisten Kinder müssen mit den völlig unterversorgten
staatlichen Schulen vorlieb nehmen. In den letzten Jahren sind zudem mehrere
Fortbildungszentren, deren Angebote sich auch an LehrerInnen aus staatlichen Schulen
richteten, dem Rotstift zum Opfer gefallen. Und generell findet schon seit dem Fall der
Mauer eine allmähliche Umorientierung in Richtung Osten statt. Immer mehr wird die
Gewährung von Zuschüssen aus Deutschland von der Anzahl der AbiturientInnen abhängig
gemacht, die an allen Schulen nur eine kleine Minderheit stellen. Am heterogensten ist die
Schülerschaft noch an den Berufsschulen (siehe Kasten), denn dort kommt der
Ausbildungsbetrieb für die Schulgelder auf. In Quito gibt es bei 1400
SchülerInnen immerhin noch 90 Vollstipendien für bedürftige Familien", von
denen nun ein Teil gesplittet werden soll. Ähnlich ist der Prozentsatz in
Concepción/Chile, an der Schule Villa Ballester in Buenos Aires bei 18 Prozent, doch in
der Regel liegt er darunter. Ebenfalls in Buenos Aires wirbt die Hölters-Schule zwar für
eine Seiteneinsteigerklasse im 7. Jahrgang, stößt damit aber auf relativ wenig
Resonanz". Aus Bolivien kam die lapidare Auskunft: Vor vielen Jahren gab es
auch Stipendien für Schüler aus sozial niedrigeren Schichten, es hat sich aber nicht
bewährt." Auswärtige Kulturpolitik ist eine Zweibahnstraße", sagt Joschka Fischer. Soll die Gegenfahrbahn auch unter rot-grün nur der zahlungskräftigen Elite Lateinamerikas vorbehalten bleiben? *Zitate aus verschiedenen Heften von Begegnung" und Der deutsche Lehrer im Ausland" sowie aus Antworten auf eine Umfrage im März 2000. Allgemeine Informationen und Links unter www.auslandsschulwesen.de. Gerhard Dilger war drei Jahre als Lehrer am Colegio Andino in Bogotá tätig. Heute lebt und arbeitet er als Journalist in São Paulo.
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