04 Ölknappheit, Kriege und Krisen
Fünf Thesen
von Winfried Wolf
Das Thema Öl, Energieknappheit und Energie- und Verkehrspolitik steht derzeit
ganz oben auf der politischen Tagesordnung. Erneut wird dieses ernste Thema für billige
politische Zwecke instrumentalisiert. Dabei blicken wir inzwischen auf ein
Vierteljahrhundert zurück, in dem immer deutlicher ein Zusammenhang von Ölabhängigkeit,
Ölknappheit, Krisen und Krieg demonstriert wurde. Dass der Kapitalismus bzw. diejenigen,
die in diesem System das Sagen haben, daraus keine Lehren ziehen, ist auf Grund handfester
Interessenlagen nachvollziehbar. Tragisch ist allerdings, dass auch die Linke dieses Thema
weitgehend ignoriert und nur in seltenen Fällen zu einer ganzheitlichen Antwort in der
Lage ist.
07
Macht und Grenzen eines Kartells
Überraschend große Einigkeit auf OPEC-Gipfel in Caracas
von Georg Baltissen
Der Krieg ums Öl" ist in
diesem Herbst voll entbrannt. Allerdings findet er nicht wie vor einem knappen
Jahrzehnt in der Wüste Arabiens statt, sondern auf den Straßen Europas. Durch die
Blockaden und Proteste von Spediteuren, Autofahrern und Bauern sahen sich zahlreiche
europäische Regierungen zu offenen oder versteckten Steuernachlässen und Finanzbeihilfen
veranlasst. Für den neuen Preiskrieg wurde neben den Ölkonzernen vor allem die
Organisation erdölexportierender Länder OPEC verantwortlich gemacht. Obwohl die
OPEC-Staaten derzeit nur 40 Prozent der weltweiten Fördermenge kontrollieren, richtete
sich der Zorn der Benzin-, Diesel- und HeizölkonsumentInnen wie in den 70er und zu Beginn
der 80er Jahre gegen die vermeintlich raffgierigen Ölscheichs.
08 40 Jahre OPEC
Als das Barrel Öl noch zwei Dollars kostete
von Georg Baltissen
09
PEMEX und das schwarze Gold
Die Privatisierung von Mexicos wichtigster Einnahmequelle schafft viele Probleme
von Gerold Schmidt
Petróleos Mexicanos"
(PEMEX), der Name hat in Mexico immer noch etwas Mythisches an sich. Für die Einen steht
er für nationale Unabhängigkeit und Würde, für die Anderen ist er ein Synonym für
staatliche Ineffizienz und ein Höchstmaß gewerkschaftlicher Korruption. Seit Jahrzehnten
ist der Ölkonzern auch eine willkommene Melkkuh, um Haushaltslöcher zu stopfen. Die
hohen Gewinnabflüsse an den Staat sind ein Grund für ausbleibende Investitionen in die
Infrastruktur, die sich in regelmäßigen Abständen in kleineren und größeren
Katastrophen niederschlagen. Der alternde Gigant stellt aber nach wie vor ein äußerst
lukratives Objekt für die internationale Ölbranche dar, die dementsprechend auf eine
baldige Privatisierung drängt. Der noch bis Ende November amtierende Präsident Mexicos
möchte ebenso wie sein designierter Nachfolger diesem Ansinnen gerne
nachgeben. Dennoch wird das Privatisierungstheater nicht so ganz einfach über die Bühne
gehen.
11 Wie das Öl mexicanisch wurde
von Egon Erwin Kisch
Der heutige staatliche mexicanische
Ölkonzern PEMEX (vgl. vorangegangener Beitrag von Gerold Schmidt) entstand im Jahr 1938
nach heftigen Kämpfen zwischen der Regierung Mexicos und den internationalen
Ölkonzernen, die bis dahin die Erdölförderung Mexicos kontrollierten. Der
deutschsprachige tschechisch-jüdische Journalist und Schriftsteller Egon Erwin Kisch kam
1941 auf der Flucht vor den anrückenden Nazi-Truppen aus Frankreich nach Mexico. In
seinem Exilland schrieb er weiter literarische und politische Texte, unter anderem
zahlreiche Reportagen, die in verschiedenen Zeitschriften erschienen und zusammen erstmals
1945 unter dem Titel Entdeckungen in Mexiko" im Exilverlag El Libro
Libre" (Das Freie Buch) veröffentlicht wurden. In der Reportage Die
Petroleumleitung" beschrieb Kisch u.a. die Konflikte um die Nationalisierung des
mexicanischen Erdöls. Nachfolgend veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung des
Aufbau-Verlags einen Ausschnitt aus diesem hochspannenden Text.
13
Konsolidierung eines Petrostaates
Seit 75 Jahren ist Venezuela Erdölproduzent und -exporteur par excellence
von Friedrich Welsch
Venezuela kann unter den
OPEC-Mitgliedern auf die älteste Förder- und Exporttradition zurückblicken. Schon seit
einem dreiviertel Jahrhundert ist es ein vom Erdöl geprägtes Land, denn bereits in den
zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts überflügelte die Ausfuhr des schwarzen
Goldes" seine althergebrachten Exportgüter, vorwiegend landwirtschaftliche
Erzeugnisse wie Kaffee und Kakao.
16
Ölmultis Komplizen der Tragödie
Interview mit Freddy Pulecio von der kolumbianischen Erdölarbeitergewerkschaft
USO
von Gaby Küppers
Kolumbien wird als Ölförderland
immer wichtiger. Es ist für die Erdölmultis nicht allein wegen seiner aktuellen
Förderkapazität, sondern vor allem wegen seiner beachtlichen Reserven des
schwarzen Goldes" interessant. Gleichzeitig birgt die Erdölförderung dort
erhebliche Risiken. Wegen der strategischen Bedeutung des Ölsektors gehört er zu den
wichtigten Angriffszielen der ELN-Guerilla. Deren Sabotageakte auf Pipelines bescheren
aber nicht nur den Multis wirtschaftliche Verluste, sondern haben auch gravierende
Umweltschäden zur Folge. Die Konzerne stecken ihrerseits Millionenbeträge in die
Security von Produktion und Anlagen und finanzieren dadurch direkt oder indirekt die
Akteure des schmutzigen Krieges. Als Gegner sehen die Erdölkonzerne allerdings nicht nur
die Guerilla, sondern auch die Gewerkschaft der Erdölarbeiter USO. Neben der Vertretung
ihrer Mitglieder hat die USO auch die Ressourcenpolitik im Blick. Ihr Ziel ist es, das
staatliche Erdölunternehmen zu stärken und den Multis nicht das größte Stück des
Kuchens zu überlassen. Gaby Küppers sprach mit Freddy Pulecio, einem führenden Mitglied
der Gewerkschaft, der zur Zeit im Exil lebt.
20
Das Öl im Amazonaswald
Wie Indígenas, Staaten und Ölmultis mit dem schwarzen Brennstoff umgehen
von Heidi Feldt
Auch in der Wirtschaft der
Amazonasanrainerstaaten spielen Erdöl und Erdgas seit 20 Jahren eine immer wichtigere
Rolle. Venezuela wirtschaftet seit 50 Jahren auf Erdölbasis. In Ecuador und zunehmend
auch in Peru und Kolumbien ist das Erdöl die wichtigste oder zumindest eine wichtige
Devisenquelle. Die hochverschuldeten Länder sind auf die Erdölgelder dringend
angewiesen, um einen Teil ihres Schuldendienstes tätigen zu können. Die Regierungen der
Region forcieren daher die Erdölförderung, in der Hoffnung, ihre Wirtschaften
stabilisieren und den internen steigenden Energiebedarf durch einheimische Förderung
befriedigen zu können.
22 Erst wenn das Öl in die Turbinen dringt ...
Die Chronik einer ökologischen Katastrophe am Iguaçu
von Beate Franck, Noemia Bohn und Edith
Wenger
Im Juli dieses Jahres kam es im
Bundesstaat Paraná, Brasilien zur größten Umweltkatastrophe in Brasilien seit 26
Jahren. Durch ein Leck flossen 4 Millionen Liter Rohöl in den Barigüifluss und weiter in
den Iguaçu. Immer wieder kommt es bei der Ölförderung vor allem wegen der mangelhaften
Sicherheitssysteme zu solchen Katastrophen. Die darauf folgenden, oft irreversiblen
Umweltschäden werden von den Unternehmen dabei billigend in Kauf genommen. Meistens ist
es günstiger, regelmäßig Geldstrafen wegen der Unfälle" zu zahlen, als für
ausreichende Sicherungsmaßnahmen zu sorgen. Es muss immer erst zur Katastrophe kommen,
ehe effektive Kontrollen durchgeführt und die Unternehmen zur Verantwortung gezogen
werden.
24
Das schwarze Gift im Regenwald
Guatemala: Ölverschmutzung verseucht Urwalddörfer
von Andreas Boueke
Liest man die Selbstdarstellungen von Ölkonzernen, etwa auf
ihren Websites im Internet, dann hat man den Eindruck, dass diesen Firmen vor allem
anderen der Umweltschutz am Herzen liegt. Spätestens seit Shell durch den Konflikt um die
Entsorgung der Bohrinsel Brent Spar" in den Schlagzeilen war, wissen die
Konzernleitungen, dass Informationen über Umweltschweinereien schlecht fürs Geschäft
sind. Deshalb die Versuche, sich diesbezüglich in ein günstiges Licht zu setzen. Dafür
investiert man in eine aufwendige Werbung- und Öffentlichkeitsarbeit. Damit das nicht nur
als Reklame daher kommt, sondern auch einen seriösen Anstrich bekommt, lädt man auch
gerne JournalistInnen ein, und führt ihnen die Anstrengungen der Unternehmen in Sachen
Umweltschutz vor. Dagegegen mag man es überhaupt nicht, wenn JournalistInnen
selbstständig recherchieren und zu ganz anderen Resultaten kommen als die PR-Manager.
Diese Erfahrung machte im Oktober dieses Jahres unser Autor Andreas Boueke in Guatemala.
27
Profiteure unter Billigflaggen
Wegwerfmatrosen auf Wegwerfschiffen
von Dirk Hauer
Wenn es irgendwo auf den Weltmeeren zu
einem Tankerunglück und einer nachfolgenden Ölpest kommt, sind in den meisten Fällen
Schiffe beteiligt, die unter den Flaggen der Mittelmeerinsel Zypern, des afrikanischen
Landes Liberia oder des zentralamerkanischen Staates Panama fahren. Wie kommen
ausgerechnet diese Länder zu großen weltweit operierenden Handelsflotten? Und warum sind
deren Schiffe immer wieder in Unfälle verwickelt?
Berichte & Hintergründe
28 Die S-Klasse
Vom Folterknecht und Kindesräuber zum Werkschützer
von Mercedes Benz in Argentinien
von Gaby Weber
30 Kommt er... oder geht er?
Demokratischer Übergang oder weiter mit Fujimori?
von Alfredo Quintilla
32
Lasst Frauen um mich sein
Die Hüterinnen des peruanischen Präsidenten
von Hildegard Willer
34
Das Schweigen bringt uns zur Verzweiflung
Die wirtschaftliche und politische Krise Boliviens birgt auch Chancen
von Peter Strack
37
Sie schießen auf uns wie auf Vögel
Interview mit Margarita Terán, Exekutivsekretärin einer Föderation der
Kokabauern
des Chapare (Bolivien)
von Peter Strack
38 Von der Todesfabrik zum Lebensquell
Landlose vernetzen sich weltweit
von Ralf Leonhard und Sofia Monsalve
Ländernachrichten/Poonal
40 Chile, Haiti, El Salvador, Argentinien, Spanien, Panama, Costa Rica, Kolumbien,
Ecuador, Paraguay, Brasilien
Lebenswege
44
Vom Emigrant zum Konsul
Der Wiener Fritz Kalmar in Bolivien und Uruguay
von Gert Eisenbürger und Gaby Küppers
49
Neue Exilliteratur
Die Bücher von Fritz Kalmar
von Gert Eisenbürger
Kulturszene
51 Literatur light oder:
Auch ich esse leicht
Zweites internationales Schriftstellerinnentreffen
in Rosario/Argentinien
von Pia Barros
53
Aufgelesen: Lauras Briefe
von Esther Andradi
Solidaritätsbewegung
54 Der Fuchs als Hüter der
Hühner?
Anmerkungen zu zivilgesellschaftlichen Strategien
nach der IWF- und Weltbanktagung in Prag
von Peter Wahl
56 Etwas
Besseres als die Nation...
23. Buko vom 6. bis 8. Oktober in Berlin
von Werner Rätz
57 Buchbesprechung, Notizen aus der Bewegung
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