4 Man hat uns Land
gegeben
Wo man wandert, als ginge man rückwärts
von Juan Rulfo
Es gibt Gegenden, wo es nicht genug Wasser gibt, um sich den Mund
auszuspülen. Der mexi- canische Schriftsteller Juan Rulfo hat mit seiner
Kurzgeschichte Man hat uns Land gegeben, die dem Band Der Llano in
Flammen entnommen ist, eigentlich auf die Unzulänglichkeiten der mexicanischen
Landreform zwischen 1920 und 1930 aufmerksam machen wollen. Dabei ist ihm eine
eindrückliche Schilderung der Lebensbedingungen von Menschen gelungen, die sich
unfreiwillig in der Wüste, hier dem Llano Grande, wiederfinden nicht als
AbenteuertouristInnen auf der Suche nach bizarrer Romantik, sondern als Menschen, die von
dem Boden leben müssen. Mit zunehmender Umweltzerstörung und immer stärkeren
Klimaveränderungen stehen immer mehr Menschen vor dem Problem, dass die Wüste zu ihnen
kommt.
6 Die Spirale von Armut und
Umweltzerstörung
Desertifikation und ihre Folgen
von Jürgen Gliese
Desertifikation ist ein in der deutschen Sprache nicht gerade geläufiger Begriff. Weniger
die Abfolge von Konsonanten und Vokalen bereitet Schwierigkeiten, vielmehr liegt uns
der Gegenstand im wahrsten Sinne des Wortes fern. Im amtlichen
Deutsch mit Wüstenbildung übersetzt, bedeutet Desertifikation die Verödung
und Versteppung landwirtschaftlicher Nutzflächen in jenen Weltgegenden, die in der
UN-Sprache drylands genannt werden: den ariden, semi-ariden und
trocken-subhumiden Gebieten des Globus. Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über
die Problematik
8 Bäume gegen Wasser
Chile: Mapuche und Forstkonzerne im Konflikt
von Olaf Kaltmeier
In der chilenischen Forstwirtschaft ist viel Geld zu verdienen, zumindest für einige
Großunternehmen. Führt andernorts massive Abholzung zur Bodenerosion, sind es in diesem
Falle die Kiefern- und Eukalyptusplantagen, die der Umgebung das Wasser entziehen,
kleinbäuerliche Landwirtschaft zerstören und in letzter Konsequenz zur Desertifikation
führen. Verantwortlich sind eine Regierung und deren Politik, für die kurzfristige
Profitinteressen wichtiger sind als bestehende Sozialgefüge der lokalen Bevölkerung und
intakte Ökosysteme
10 Abgesackt
Mexico-Stadt hat und produziert Wasserprobleme
von Martha Villavicencio
Letztes Jahr veröffentlichte die Regierung von Mexico-Stadt eine Bestandsaufnahme zum
Thema Wasser. Schon der Titel Das Wasser als strategischer Faktor in der Zukunft von
Mexico-Stadt machte deutlich, dass der Umgang mit dem lebensnotwendigen Nass als
wichtiges Problem erfasst worden war. Der Moloch von Mexico-Stadt ist ein klassisches
Beispiel für eine Metropole, die riesige Mengen Wasser verbraucht und damit sich selbst
und die umliegenden ländlichen Regionen aufs Trockene setzt und so
Überschwemmungen vorprogrammiert.
12 Widerstandskraft, Kreativität und
Ausdauer
Brasilien: Angepasstes Leben in Trockengebieten ist vor allem eine politische Frage
von Wolfgang Hees
Das semiaride sertão ist eine Trockenregion im Nordosten Brasiliens und das
größte Trockengebiet Amerikas. Es weist einige bemerkenswerte Eigenarten auf, die
zeigen, dass Hunger und Elend in Halbwüstenregionen vor allem ein politisches Problem
sind. Für ein nachhaltiges Bewirtschaften dieser Gebiete wurden längst angepasste
Technologien entwickelt, die in der Lage sind, die regelmäßigen Dürreperioden zu
überwinden.
14 Verwüstende Wassermassen
Die Folgen des Sobradinho-Staudamms in Brasilien
von Anna Wienhard
1973 wurde mit den Bauarbeiten des Sobradinho-Stausees begonnen, einer von mehreren Stau-
dämmen entlang des Rio São Francisco im Nordosten Brasiliens. Der folgende Beitrag
diskutiert einige noch lange nicht alle der bis heute reichenden
Konsequenzen dieses Mammutprojektes.
15 Ein globales Problem
Gespräch mit dem Lateinamerika-Beauftragten des UN-Sekretariats zur
Wüstenbildungsbekämpfung
von Werner Lamottke und Ulrich Mercker
Das UN-Sekretariat der Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) residiert im
relativ neuen UN-Komplex der Villa Carstanjen in Bonn. Dass die etwa 40 MitarbeiterInnen
der Einrichtung neben ihren KollegInnen vom UN-Freiwilligenprogramm (UNV) ihre
Mittagspause mit Rheinblick verbringen können, ist Frucht der Bemühungen von Stadt und
Bundesregierung, Bonn zur UN-Stadt und zum Nord-Süd-Zentrum zu machen. Über die Arbeit
der kurz auch Wüstensekretariat genannten Organisation sprachen die ila-Mitarbeiter
Ulrich Mercker und Werner Lamottke mit dessen Lateinamerika-Beauftragten, Oscar Oramas
Olivia.
17 Vorreiter Cuba
Neue Wege im Management der natürlichen Ressourcen
von Helmut Eger und Gabriela Scheufele
Cuba immer mehr TouristInnen entdecken für sich dieses Reiseziel in der Karibik.
Die Tourismusbranche liefert jedes Jahr neue Besucherrekordzahlen. Doch wie sieht es
abseits der Traumstrände aus? Zu den Problemen, mit denen die CubanerInnen tagtäglich
kämpfen müssen, zählt die Degradation der natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser und
Vegetation (Desertifikation), von der große Teile des Landes betroffen sind.
Durch Desertifikation werden tiefgreifende ökologische, soziale und ökonomische Probleme
ausgelöst, die die Entwicklung des Landes beeinträchtigen. Ein Grund mehr dafür, dass
sich die soziale und wirtschaftliche Lage der ländlichen Bevölkerung nur schleppend
verbessert.
19 Grenzregion ohne Schatten
Haiti: Verwüstung kennt keine Grenzen
von Ulrich Mercker
Die alarmierende ökologische Situation in Haiti und deren fatale Auswirkungen auf die
benachbarte Dominikanische Republik haben dazu geführt, dass das UN-Sekretariat zur
Wüstenbekämpfung seit einigen Jahren die Insel zu einem der Schwerpunkte seiner
Projektplanung gemacht hat. Mit einem binational angelegten Projekt soll gegen den
Erosionsprozess und den Verlust der Biodiversität in der Grenzregion zwischen den beiden
Staaten vorgegangen werden. Indem beide Staaten auf die Mitwirkung in diesem Projekt
verpflichtet werden sollen, besteht hierdurch vielleicht auch eine reelle Chance zur
Überwindung historisch gewachsener Spannungen zwischen den beiden Republiken. Es bleibt
zu hoffen, dass die beiden neuen Regierungen in der Dominikanischen Republik die
seit diesem Sommer von der sozialdemokratischen PRD gestellte Regierung des Präsidenten
Mejía, in Haiti die im Dezember wahrscheinlich neu gewählte Regierung des immer noch
sehr populären Jean Bertrand Aristide sich zu gemeinsamem Handeln entschließen
werden, um sowohl das gefährliche ökologische, aber auch das soziale Gefälle zwischen
beiden Inselhälften zu überwinden.
20 Das blaue Gold
Der P(oor)-7-Gipfel fordert weltweite Wasserdemokratie"
von Melanie Quandt
Auf den ersten Blick ist es unscheinbar, geruchlos und geschmacksneutral. Die
Kinder in den Industrieländern glauben, dass es selbstverständlich jederzeit und in
rauen Mengen verfügbar ist, sobald man den Hahn aufdreht. Die Rede ist vom Wasser. Das
Element des Lebens gerät in letzter Zeit immer häufiger in die Schlagzeilen:
Spektakulärer Import aus der Türkei als Mittel gegen Israels Wassernot,
heißt es da zum Beispiel. Oder: Wasser auf dem Mars entdeckt Sind die
irdischen Wasserprobleme damit gelöst?
23 Wasser im Überfluss und trotzdem
knapp
Von den Folgen zentralamerikanischer Eigenbrötlerei
von Néfer Múñoz
In den kommenden Jahren können die Wasserläufe ein exzellentes
Versuchsfeld für die zentralamerikanische Integration sein, aber genauso könnten sie
sich in starke Konfliktherde verwandeln, meint der Geograph Carlos Granados von der
Universität Costa Rica. Er führt eine Forschungsgruppe an, die in Zusammenarbeit mit der
regierungsunabhängigen Stiftung für den Frieden und die Demokratie die
Merkmale und potentiellen Umweltprobleme der Wasservorkommen in den Flüssen
Mittelamerikas studiert. Wasser gibt es in der Region genug. Dennoch droht zukünftig eine
ernste Wasserknappheit, wenn die derzeitige Politik bezüglich der grenzüberschreitenden
Flüsse fortgeführt wird, so die Wissenschaftler.
24 Verwüstungen
Ein Essay
von Ulrich Mercker
In dürren Worten definiert der Artikel 1 a der UN-Konvention zur Bekämpfung
der Wüstenbildung ihren Gegenstand: demnach ist sie Landverödung in ariden,
semiariden und trockenen subhumiden Gebieten infolge verschiedener Faktoren,
einschließlich Klimaschwankungen und menschlicher Tätigkeiten. Die nachfolgenden
Gedanken kreisen in erster Linie um den für meine Begriffe entscheidenden Bereich der
menschlichen Tätigkeiten.
26 Foxpopuli?
Konturen der neuen Regierung in Mexico noch ungewiss
von Gerold Schmidt
28 Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen
Hintergründe zum viel beschworenen Epochenwechsel in Mexico
von Dieter Boris
31 Unglaublich, aber wahr
Zur Aufhebung der parlamentarischen Immunität Pinochets
von Ariel Dorfman
33 Pinochet-Effekt
Argentinischer Ex-Major in Italien verhaftet
von Eduard Fritsch
35 Argentinien: Tablada-Gefangene weiter
in Haft
Teile der Regierungskoalition verhinderten Gesetzesinitiative
von Gaby Weber
37 Unerwünschte Forschung
Repressalien gegen kritischen Wissenschaftler in Argentinien
von Antje Bultmann
38 Der tödliche Plan
Fatale US-Hilfszusagen für Kolumbien
von Bettina Reis
40 Im Würgegriff der
Nichtregierungsorganisationen
Die nicaraguan. Kinderbewegung NATRAS am Scheideweg
von Manfred Liebel
43 George Dablju Bush ist ein Latino...
von Eduard Fritsch