Home Wir über uns Aktuelle Ausgabe Leseproben Archiv Solidarität Notizen Termine TV/Radio Links Bestellungen |
Aktuelles
|
Folterkammer der
chilenischen Marine Es ist ein Ritual militärischer Folklore, wenn Segelschulschiffe der Kriegsmarine Häfen anderer Länder anlaufen und dort einige Tage vor Anker gehen. Sie werden mit militärischem Promborium begrüßt, TouristInnen und BewohnerInnen der Hafenstädte freuen sich über das Schauspiel Windjammer ein- und auslaufen zu sehen und die Schiffe besichtigen zu können. So geht auch die „Esmeralda“, das Schulschiff der chilenischen Marine alljährlich auf Reisen. Ihre Versuche in Europa anzulegen, waren jedoch häufig von Protesten begleitet, denn die Esmeralda ist nicht nur einfach ein schönes altes Schiff, sondern war in der ersten Zeit der Militärdiktatur eine Folterkammer der chilenischen Marine. Im Juni/Juli soll die Esmeralda auch deutsche Häfen anlaufen, vom 17-22. Juni wird sie in Bremerhaven sein, danach in Lübeck. Das sollte nicht einfach hingenommen werden: Menschenrechts- und Solidaritätsgruppen rufen zu Protestaktionen auf. In den Niederlanden und Schweden waren die Aktionen schon erfolgreich. Das geplante Anlaufen von Häfen dort wurde wegen der Proteste abgesagt. Vor 30 Jahren, am 11. September 1973, stürzte General Pinochet die konstitutionelle chilenische Regierung Dr. Salvador Allendes in einem blutigen Staatssreich. Während der siebzehnjährigen Diktatur verwandelte er Chile in ein Reich des Staatsterrorismus. Nach offiziellen Daten sind in diesem Zeitabschnitt 3197 Männer und Frauen brutal von staatlichen Akteuren ermordet worden. Nach Berichten der inter-amerikanischen Menschenrechtskommission der Organisation amerikanischer Staaten (Report 14/OCT/74), Amnesty International (Report AMR 22/32/80), des amerikanischen Senates (Resolution 361 16/JUN/86 und der chilenischen Wahrheitskommission (Teil 3, Kapitel 1, Sektion 2f2) wurde das Segelschulschiff „Esmeralda“ in der Zeit nach dem 11. September 1973 von der chilenischen Marine als Gefangenlager und Folterzentrum im Hafen von Valparaiso benutzt. Auch die Zeugenaussagen des chilenischen Anwalts Luis Vega, der im Jahre 2001 in israelischen Exil verstarb, des ehemaligen Regierungsbeamten des Nationalen Institutes für landwirtschaftliche Entwicklung Claudia Correa und des Universitätsprofessorw und Ex-Bürgermeisters von Valparaiso, Sergio Vuscovic belegen, dass die „Esmeralda“ als schwimmende Folterkammer benutzt wurde. Nach dem Bericht der nationalen Wahrheitskommission im Fall „Esmeralda“ fanden die Ermittler der Kommission heraus, dass sich eine Spezialeinheit der Marine auf dem Schiff befand, die die auf dem Schiff gefangengehaltenen sowie andere, die extra dorthin gebracht wurden, verhörte. Normalerweise wurde bei diesen Verhören auch Folter angewandt. Die angegebene Zahl der Gefangenen unterscheidet sich je nach Zeugenaussage, da diese von Schiff zu Schiff gebracht wurden. Nach vorhanden Beweisen wurden 40 Frauen Folter aller Art, Vergewaltigung und andere Verletzungen ihre Würde ausgesetzt. Des weiteren fand sich unter den Gefangenen ein chilenisch-britischer Priester, Michael R. Woodward, der in ein Marinehospital eingewiesen werden musste. Letzten Endes erlag Pfarrer Woodward den Folgen der Folter. Die chilenische Marine kam der Forderung der chilenischen Kirche nach Herausgabe seines Leichnams nicht nach und verscharrte ihn in einem Massengrab auf dem später eine Strasse gebaut wurde. Die Ermordung von Pfarrer Woodward ist Teil der Anklage des spanischen Richters Garzón gegen Pinochet wegen Völkermord, internationalem Terrorismus, darunter viele Ermordungen, Mordkomplotte, Entführungen, Folter und Verschwindenlassen. Die Galionsfigur der „Esmeralda“der Condor ist nicht nur das chilenische Nationalemblem, sondern erinnert auch an die Operation Condor, eine internationale Terrorismusstrategie, die von Augusto Pinochet und seinen militärischen Unterstützern entworfen wurde, um die militärische Repression in den Ländern Südamerikas zu koordinieren. Die Operation Condor ermöglichte es ihnen, auf militärische Geheimdienste zurückzugreifen, um den chilenischen General Prats in Buenos Aires und Ex-Außenminister Orlando Letelier in Washington D.C. zu ermorden. Desweiteren wird der Operation Condor ein Mordversuch am ehemaligen chilenischen Vize-Präsident Bernarndo Leighton in Rom und der Tot des brasilanischen Ex-Präsidenten João Goulart zugeschrieben. Die „Esmeralda“ ist nicht nur Chiles
Folterkammer, was gründlich dokumentiert wurde, sondern auch zusammen mit
dem Raubvogel an ihrem Bug ein Symbol für die ruchlosesten Verbrechen, die
in Südamerika je begangen wurden. Der jährliche Trip des Schiffes zu
verschiedenen Häfen der Welt sollte nicht willkommen geheißen werden, bis
die chilenische Marine ihrer moralische Feigheit überwindet, die kriminelle
Nutzung des Schiffes anerkennt und sich bei Opfern der an Bord stattgefunden
Folter entschuldigt. Übersetzung Michael Schmitt. Weitere Infos: www.chile-esmeralda.com |